Seit der Einführung der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) in Dietikon vor sechs Monaten landen heute täglich drei bis sechs neue Fälle bei der Behörde. Anrufe, Briefe oder Polizeirapporte werden im Sekretariat der KESB angenommen, von dort gelangen sie an eines der 14 Behördenmitglieder. Jugendliche, die an einer psychischen Krankheit leiden, häusliche Gewalt oder Demenz im Alter sind häufige Themen, die die KESB zu bearbeiten hat.

Die 14 Behördenmitglieder beraten in solchen Fällen untereinander, welche Massnahmen zur Unterstützung der Klienten eingeleitet werden müssen. Bei diesen Entscheidungen spielt der juristische, psychologische oder soziale Hintergrund der Behördenmitglieder eine grosse Rolle. «Der interdisziplinäre Austausch ermöglicht eine ganzheitlichere Beurteilung der Fälle», sagt Ruth Ledergerber, Präsidentin der KESB.

Vor einem halben Jahr hat die KESB im Dietiker Stadthaus ihre Räumlichkeiten bezogen. Hinter der Sicherheitstür eilen ihre Mitarbeiter die Gänge auf und ab, das Telefon im Sekretariat läutet oft. Ledergerber bestätigt, was ein Besucher vor Ort anhand der hohen Papierstapel schon vermutet: «Wir haben sehr viel zu tun.»

Heute höhere Qualität

Die KESB habe aufgrund der rasanten Bevölkerungsentwicklung im Limmattal viel mehr Fälle vor den Vormundschaftsbehörden übernehmen müssen, als ursprünglich angenommen wurde, so Ledergerber. Dies habe zur Folge, dass die Ressourcen fehlen und die Pendenzenberge steigen. So wurden der KESB Anfang Jahr rund 1400 Fälle übergeben und seitdem seien 477 neue Fälle dazu gekommen. «Wir wurden überrumpelt», sagt sie.

Eine weitere Herausforderung im letzten halben Jahr war, dass sich alle 14 Mitarbeitenden in die neue Aufgabe einarbeiten mussten, es galt die Organisation und die Abläufe aufzubauen. «Das sind Prozesse, die immer noch am Laufen sind», so Ledergerber. Inzwischen wurden 2,4 zusätzliche Stellen gesprochen. «Ich bin froh, wenn im Herbst die neuen Leute zu uns stossen. Ich hoffe, dass sich damit unser Arbeitsalltag normalisiert.»

Ledergeber sagt, dass die früheren Vormundschaftsbehörden ihren Job gut gemacht hätten. «Durch die Professionalisierung der Behörde kam aber zusätzliches Wissen in die Behörde.» Für sie bringt die neue Organisationsform eine Qualitätsverbesserung. «Aber auch hier sind wir erst auf dem Weg», sagt sie. Als anstehende Herausforderungen sieht sie die Entwicklung einer einheitlichen Praxis, um eine Arbeitsroutine zu bekommen, die Einarbeitung der neuen Mitarbeitenden und die Kehrtwende bei den Pendenzen.

Dass es in der neuen Behörde viel zu tun gibt, hört sie auch von den andern KESB im Kanton. Überall werde zurzeit unter Hochdruck gearbeitet. Fachleute gehen davon aus, dass der normale Alltag nach etwa 3 Jahren einkehren wird.