Limmattal
Videoansprachen und Geschenke: So ersetzen Limmattaler Arbeitgeber das Weihnachtsessen

Weihnachtsfeiern können dieses Jahr nicht im gewohnten Rahmen stattfinden. Limmattaler Gemeinden, Unternehmer und Restaurants suchen Wege, wie sie ihren Angestellten Wertschätzung entgegenbringen können – und alle hoffen, die Zusammenkünfte in naher Zukunft unbeschwert nachholen zu können.

Sibylle Egloff, Oliver Graf
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Auch ohne Feier wird gegessen: Statt zum Weihnachtsessen zu laden, geben viele Limmattaler Betriebe Gutscheine ab – auch um die Restaurants zu unterstützen.

Auch ohne Feier wird gegessen: Statt zum Weihnachtsessen zu laden, geben viele Limmattaler Betriebe Gutscheine ab – auch um die Restaurants zu unterstützen.

Limmattaler Zeitung

Unternehmen:
Essensgutscheine und Weihnachtsessen am Arbeitsplatz

Klein- und mittelgrosse Unternehmen im Limmattal geben sich Mühe, dass Corona die Weihnachtszeit nicht gänzlich überschattet. Die Garage Egger AG in Dietikon wird zum Beispiel den weihnachtlichen Mitarbeiterapéro vor den Festtagen vom Showroom der Garage, wenn noch erlaubt, nach draussen verschieben. Das Weihnachtsessen, das in einer Woche auf einem Bauernhof in Bergdietikon stattgefunden hätte, ist jedoch abgesagt. «Wir wollten unbedingt gemeinsam in dieser Location feiern. Unsere 24 Mitarbeitenden dürfen ihre Partner mitbringen. Deshalb gab es für uns keine andere Option, als den Anlass auf den Frühling oder Sommer im nächsten Jahr zu verschieben», sagt Jeannine Egger.
Das Essen zum Jahresende fällt auch bei Thomas Landis aus. Das Dreierteam der Landis Architektur AG in Schlieren feiert traditionellerweise gemeinsam mit den Büronachbarn. Für acht bis zehn Personen war denn auch schon ein Tisch reserviert, doch angesichts der nun wieder verschärften Coronamassnahmen ist das Weihnachtsessen abgesagt worden: Das traditionelle Weihnachtsessen biete immer eine gute Möglichkeit, sich auch privat besser kennen zu lernen, sagt Landis. Deshalb ist für ihn klar: «Das Essen wird nachgeholt.»

Bei der Hemmi Kaffee AG in Geroldswil fiel das Jahresessen bereits Ende dieses Frühlings wegen Corona aus. Die 15 Mitarbeitenden erhielten einen Gutschein für ein Essen zu zweit. «Viele Restaurants sind Kunden von uns. Unsere Angestellten konnten eines davon auswählen, in dem sie schon lange gerne einmal speisen wollten», sagt Mario Schläpfer, Assistent der Geschäftsleitung. Damit mache man nicht nur den Mitarbeitenden eine Freude, sondern helfe auch den Kunden, die derzeit froh um jeden Gast seien.

Auch eine spezielle Idee hatte das Labor Bachema in Schlieren. Die Firma, die chemische und mikrobiologische Analysen von Umweltproben durchführt, setzt auf ein Catering des «Stürmeierhuus» in Schlieren. «Statt eines Abendessens bekommen unsere Mitarbeitenden nun ein feines Menü am Arbeitsplatz», sagt Geschäftsleiter Olaf Haag. Damit das ganze coronakonform vonstattengeht, tragen sich die 80 Angestellten in verschiedene Zeitfenster an unterschiedlichen Tagen ein. «Da wir aufgrund unserer Tätigkeit vor Ort und nicht im Homeoffice arbeiten und wir genug Platz haben, um die Mitarbeitenden zu verteilen, haben wir uns dieses Jahr für diese Lösung entschieden», sagt Haag. Das «Stürmeierhuus» sei geübt in solchen Anlässen und verfüge über ein gutes Equipment mit schöner Dekoration wie etwa einem «Piaggio Food Express»-Wagen. «Wir haben auch in Coronazeiten genug zu tun. Doch wir wissen, wie schwierig es Restaurants derzeit haben, deshalb unterstützen wir sie auf diese Weise gerne.»

Aus diesem Grund hat auch die Dietiker Josef Wiederkehr AG ihren Mitarbeitenden einen Restaurantgutschein von 50 Franken abgegeben, wie Verwaltungsratspräsident Josef Wiederkehr sagt. «Dies auch aus Solidarität gegenüber den Restaurants, die es zurzeit nicht einfach haben und unter den fehlenden Firmenweihnachtsessen leiden.» Zudem erhielten die Mitarbeitenden ein Körbli aus der Dietiker Casa Canei mit Pasta, Pesto und etwas Süssem. Diese brachte der Chef persönlich auf die Baustelle: «Die sozialen Kontakte kamen in diesem Coronajahr innerhalb des Unternehmens zu kurz», begründet dies Wiederkehr. Dass das Weihnachtsessen zum ersten Mal seit Jahrzehnten abgesagt werden musste, schmerzt ihn. Sobald es die Situation zulasse, werde sicherlich in irgendeiner Form eine Feier nachgeholt. Er habe schon im Sommer die geplante Grillparty zu seinem 50. Geburtstag absagen müssen. «Eine Feier ist also so oder so überfällig.»

Restaurants: Die Gastroszene hat andere Sorgen

Die Verschärfung der Corona-Regeln wie etwa die Schliessung von Gaststätten um 19 Uhr trübt die Vorweihnachtsstimmung in den Limmattaler Gastrobetrieben. Maria de Lourdes Schenkel und ihr Mann Heinz Schenkel vom Restaurant Taverne zur Krone in Dietikon haben nun deshalb gar keine Zeit und Kraft, sich Gedanken darüber zu machen, wie sie trotz abgesagter interner Mitarbeiterfeier ihren Angestellten in der Adventszeit etwas Gutes tun könnten. «Wir haben leider im Moment andere Sorgen. Gerade versuchen wir, unsere Reservationen in den Griff zu bekommen», sagt Maria de Lourdes Schenkel.

Normalerweise würden sie gemeinsam mit ihren 13 Mitarbeitenden zwischen Weihnachten und Neujahr in der «Krone» ein Schlussessen durchführen und gemütlich beisammensitzen. Zur Tradition gehöre dabei auch immer das Wichteln. «Ob es dieses Jahr für Geschenke reicht, weiss ich leider nicht. Unsere oberste Priorität ist, dass wir unsere langjährigen Mitarbeitenden behalten können», sagt de Lourdes Schenkel.

Ebenfalls kritisch sieht es für das Wirtepaar Mirella und Manuel Varela vom Restaurant Sax in Schlieren aus. «Zu dieser Jahreszeit würden wir Hunderte Bankette ausrichten, nun findet kein einziges statt», sagt Manuel Varela. Das Restaurant Sax bleibt wohl bis Ende Januar geschlossen. «Es lohnt sich nicht, das Lokal offen zu haben, wenn wir um 19 Uhr bereits schliessen müssen», sagt der Koch. Eigentlich wollten die Varelas wie jedes Jahr ein Personalfest veranstalten und mit ihren sieben Angestellten auswärts essen gehen. Doch das können sie nun nicht. «Wir schauen, ob es sonst eine Möglichkeit gibt, unsere Mitarbeitenden zu beschenken. Am besten wäre es natürlich, wenn wir ihnen einen kleinen finanziellen Zustupf geben könnten», sagt Varela.

Die neuen Rahmenbedingungen machen auch der Weininger «Linde»-Wirtin Maya Grossmann zu schaffen. «Wir hätten kommenden Montag ein coronakonformes Mitarbeiterfest im grossen Saal der ‹Linde› mit vier Personen pro Tisch und 1,5 Metern Abstand organisiert. Doch aufgrund der neuen Restriktionen habe ich die Feier verschoben», sagt Grossmann.
Sie hoffe, dass das Weihnachtsessen in den ersten drei Monaten des neuen Jahres nachgeholt werden könne. Es schmerzt Grossmann, dass sie mit ihrer 25-köpfigen Crew keinen geselligen Abend verbringen kann. «Mein Team hat dieses Jahr Ausserordentliches geleistet. Ich hätte dieses Fest so gerne als Zeichen meiner Wertschätzung und Dankbarkeit durchgeführt.»

Gemeinden, Schulen und das Spital: Sie suchen Wege, um sich beim Personal zu bedanken

Auch die Gemeinde- und Stadtverwaltungen im Limmattal disponieren dieses Jahr um. Die Stadt Dietikon verzichtet aufgrund der Pandemie auf das Weihnachtsessen, wie Susanne Krähenbühl, Leiterin des Personalamts, auf Anfrage sagt. «Die Stadtverwaltung und ihre Mitarbeitenden wollen damit mit gutem Beispiel vorangehen und das Ansteckungsrisiko so gering wie irgend möglich halten», so Krähenbühl. Die Vorgesetzten würden dieses Jahr ihre Wertschätzung anders zum Ausdruck bringen. «Das ist je nach Bereich unterschiedlich und geht von einem Grittibänz, über einen Chlaussack, ein Dankesschreiben oder eine Videobotschaft des Stadtpräsidenten», sagt Krähenbühl. Zudem werde der Personalausschuss der Stadt zusammen mit Stadtpräsident Roger Bachmann allen rund 500 Mitarbeitenden ein Präsent mit Erzeugnissen aus einem örtlichen Hofladen überreichen. «Die Mitarbeitenden schätzen diese kleinen Gesten sehr und stehen auch hinter der Entscheidung, dass die Weihnachtsfeierlichkeiten innerhalb der Stadt dieses Jahr ausfallen.»

In Schlieren wird der traditionelle Neujahrsapéro für die 400 Angestellten der Stadt nicht stattfinden. «Der Stadtrat Schlieren dankt seinen Mitarbeitenden damit Anfang Januar. Aufgrund der aktuellen Pandemiesituation wurde der Apéro abgesagt», sagt Geschäftsleiter Patrick Schärer. Über einen Ersatztermin werde im Frühling, je nach Verlauf der Pandemie erneut entschieden. Die einzelnen Abteilungen würden jeweils ihre Weihnachtsessen individuell organisieren. Doch auch auf diese werde dieses Jahr verzichtet. «Alternative Gesten der Wertschätzung erfolgen in Form von kleineren Geschenken», sagt Schärer.

In Urdorf gibt es ebenso keine Weihnachtsessen. «Wir unterscheiden während dieser Pandemie zwischen zwingend durchzuführenden Veranstaltungen und nicht zwingend durchzuführenden Veranstaltungen. Weihnachtsessen gelten als Letzteres, sodass wir bereits Ende Oktober beschlossen haben, aufgrund der Pandemie auf diese zu verzichten», sagt Patrick Müller, Leiter Stab der Gemeinde Urdorf. Die 81 Mitarbeitenden seien dieses Jahr angesichts der anspruchsvollen Bedingungen gefordert gewesen und hätten nichtsdestotrotz die vielfältigen Dienstleistungen der Verwaltung und der Betriebe nahezu uneingeschränkt fortführen können. «Als Ausdruck des Dankes und der Wertschätzung für dieses Engagement hat der Gemeinderat Anfang Dezember allen Mitarbeitenden ein grosszügiges Grittibänz-Päckli übergeben, zusammen mit einer Dankeskarte im Namen des Gemeinderates», sagt Müller.
Gemeinsame Essen kennen auch die Schulen: So treffen sich beispielsweise die Lehrpersonen der Primarschule Aesch traditionellerweise am Ende des Schulsilvesters zu einem Essen. Coronabedingt kann dieses nicht stattfinden. Auch eine angedachte Alternative, ein Ausweichen in den Wald ins Freie, ist nicht möglich. Primarschulpräsidentin Petra Mörgeli bedauert dies; der zwischenmenschliche Austausch, das Zusammensitzen und Plaudern fehle. Zudem sei das Essen auch immer eine Möglichkeit gewesen, allen nochmals für ihren Einsatz zu danken.

Auch bei der Primarschule Oetwil-Geroldswil fehlt diese Möglichkeit in diesem Jahr. Das Schulschlussessen mit allen Lehrpersonen musste schon im Sommer entfallen, das Weihnachtsessen von Behörde und Verwaltung nun ebenfalls. Nach den Sommerferien konnten aber in kleinem Rahmen und unter Einhaltung des Schutzkonzeptes Ehrungen nachgeholt werden, sagt Präsidentin Daniela Kugler. «Es war uns sehr wichtig, die verdiente Wertschätzung auszudrücken.» Und trotz abgesagtes Essens, ganz leer gingen die Mitarbeitenden nicht aus: «Es gab ein Geschenkpaket mit Knabbereien für einen gemütlichen Abend zu Hause.»

Etwas erhalten haben auch die 1646 Mitarbeitenden des Spitals Limmattal. Die in diesem Jahr geplante Feier musste zwar abgesagt werden, für ihren unermüdlichen Einsatz haben sie aber ein Gutschein für das Limmi-Restaurant im Wert von 100 Franken erhalten.