In der Vase vor dem Klavier leuchteten prächtige orange Rosen. Ansonsten wartete die schwarze Bühne mit wenig auf. Links stand ein Notenständer und rechts ein Tisch - gedeckt mit einem weissen Tuch. Dahinter standen die Sprecherin Graziella Rossi und der Sprecher Helmut Vogel. Die beiden Erzähler gaben die packende Lebensgeschichte von Jahrhundertgeiger Fritz Kreisler (1875-1962) im Spiegel seines Zeitgenossen Hermann Hesse wieder. Das Konzept stammt von Armin Brunner, der mit Regisseur Adrian Marthaler in den Neunzigerjahren zahlreiche erzählende Musikproduktionen für das Schweizer Fernsehen realisierte, die ein weltweites Echo fanden.

«König der Geiger»

«Gestern Abend war ich in einem Konzert, das sich von den Konzerten, welche ich sonst zu hören gewohnt bin, wesentlich unterschied. Es war das Konzert eines weltberühmten, mondänen Geigenvirtuosen, also eine nicht nur musikalische, sondern auch eine sportliche und vor allem eine gesellschaftliche Angelegenheit...» So beginnt die 1928 entstandene Betrachtung «Virtuosenkonzert», in der Hermann Hesse einen Auftritt Kreislers einer kritisch-ironischen Analyse unterzieht, ohne jedoch den Namen des Virtuosen zu erwähnen.

Zeit seines Lebens genoss Kreisler die Bewunderung von Musikliebenden Zeitgenossen. So wurde er auch «König der Geiger» und «Der Klangzauberer» genannt. Diese Begeisterung konnten jedoch nicht alle teilen: Wer ihn einen «eleganten Caféhausgeiger» nannte, meinte dies nicht als Kompliment.

Eine verzaubernde Muszierstunde

An diesem Dienstagabend stand allerdings nicht der grosse Meister selbst auf der bescheidenen Bühne des Stürmeierhuuses, sondern zwei exzellente junge Musikerinnen: die Geigerin Noëlle Grüebler und die Pianistin Andrea Wiesli. Die beiden Interpretinnen spielten unter anderem die weltberühmten Wiener Kompositionen Kreislers wie «Liebesfreud» und «Liebesleid», «Schön Rosmarin», «Caprice Viennoise» oder «Marche Miniature Viennoise». Die zwei hoch motivierten Künstlerinnen boten eine verzaubernde Musizierstunde.

So sagte Hans Heinrich Frey aus Schlieren nach dem Konzert: «Diese Verknüpfung von Dichtung und Musik war überragend. Für die Schlieremer Kulturkommission war der Abend eine grosse Ehre.» Und der Schlieremer Arnaldo Ferrari meinte: «Für mich war dies Musik in höchster Vollendung. Ich gratuliere der Kulturkommission zu diesem fantastische Konzert.»