Im Morgengrauen setzten sie ihren Plan in die Tat um. Gegen 4.30 Uhr begann der Angriff der Franzosen. Bei Dietikon setzten sie mit Booten über die Limmat, überraschten die in Unterengstringen lagernden Russen und zwangen diese nach einem heftigen und blutigen Gefecht oberhalb des Klosters Fahr zum Rückzug.

Die zweite Schlacht bei Zürich, wie die Ereignisse des 25. und 26. Septembers 1799 in den Geschichtsbüchern genannt werden, war entschieden. Unterengstringen, und bald darauf auch die Limmatstadt, waren wieder in französischer Hand.

Die kriegerischen Auseinandersetzungen in jenem Jahr waren Teil des zweiten Koalitionskrieges zwischen dem republikanischen, von Napoleon angeführten Frankreich, und einer Koalition aus europäischen Monarchien. Dabei spielten auch die Schweiz und Zürich als Kriegsschauplätze eine wichtige Rolle. Für die hiesige Bevölkerung brach eine harte Zeit an.

Fronarbeit für die Franzosen

Zürich spielte in den Überlegungen der Franzosen, die 1798 die Schweiz besetzten und damit das Ende der Alten Eidgenossenschaft besiegelten, eine zentrale Rolle als Verteidigungsort. Als sich im März 1799 die Anzeichen für einen Angriff der Österreicher verdichteten, liessen die napoleonischen Truppen rund um die bereits befestigte Limmatstadt zusätzliche Befestigungen erstellen.

Für diese Aufgaben wurden Männer aus den umliegenden Dörfern aufgeboten – zeitweise bis zu 3000. Die Arbeit auf dem eigenen Feld und Hof musste ruhen. Dennoch wurden die Franzosen in der ersten Schlacht bei Zürich besiegt und mussten sich am 6. Juni 1799 über die Limmat zurückziehen.

Sie verschanzten sich am Üetliberg sowie im Raum Altstetten. Insgesamt kämpften in jener Schlacht etwa 100'000 Soldaten im Umfeld Zürichs. Die Stadt selber zählte rund 10'000 Einwohner.

Die Fronarbeiten für die fremden Truppen war nicht die einzige Belastung für die heimische Bevölkerung. In und um Zürich mussten die Soldaten einquartiert und ernährt werden. So wurde etwa das damals 734 Einwohner zählende Urdorf von 1798 bis Ende 1799 mit 42'100 Einquartierungstagen belastet. In Zürich mussten im Kriegsjahr jede Nacht mehr als 2200 Mann in Privathäusern untergebracht werden.

Dies belastete nicht nur die Finanzen, auch die Privatsphäre blieb auf der Strecke. Einige Soldaten sollen es dabei sehr wild getrieben haben und ihren Gastgebern den Wein weggesoffen und die Vorratskammern geleert haben.

Mit dem zweiten Einmarsch der Franzosen in Zürich nahm die Not noch zu. Zwar waren kaum Kriegsschäden in der Stadt zu verzeichnen, die Armeeleitung forderte jedoch 80'000 Rationen Brot für die Soldaten sowie Futter für die Pferde.

Auch auf dem Land litt die Bevölkerung. In Albisrieden etwa klagte man darüber, dass die Franzosen für ihre Mannschaftsbaracken Tannenrinden verwendeten, was zum Absterben der Bäume führte. Auch aus Uitikon und Ringlikon wurden ruinierte Tannenwälder gemeldet.

Zudem waren die Äcker dort so verwüstet, dass an eine Getreideernte nicht zu denken war. Aus Spreitenbach, wo 3000 Mann Infanterie und ein Dragonerregiment mit 435 Mann lagen, wurden ebenfalls Verwüstungen gemeldet. Dort nahmen sich die Soldaten, was sie brauchten, etwa Werkzeuge oder Kartoffeln, die sie aus dem Boden ausgruben. Sie plünderten die Vorratskammern der Bauern und bemächtigten sich deren Tiere.

Plünderung des Klosters Fahr

Bange Momente machten auch die Schwestern im Kloster Fahr durch. Als die Franzosen sich am 25. Juni daran machten, bei Dietikon über die Limmat zu setzen, beschossen sie das Kloster, um den Russen einen dortigen Angriff vorzutäuschen.

Der damalige Propst, Thiebald Kälin, führte Tagebuch über die Ereignisse an jenem Tag. Auszüge sind in der Unterengstringer Neujahrsschrift von Jakob Meier publiziert worden.

«Am Morgen um 5 Uhr kam der erste Kanonenschuss auf das Kloster, von dem Donnerklang der Kanonen und dem Zittern des Gebäudes wachten alle, stunden voll Furcht und Schrecken auf, sprangen halb angekleidet mit den Kleidern auf dem Arm von einem Gang zum andern, von einer Cella zur andern, nicht wüssend, ob die Russen, so diesseits der Limath waren oder die Franken jenseits der Limath, den Angriff getan haben», hiess es dort.

Eine erste Granate flog ins Zimmer von Schwester Maria Martina und «zersprang in 10 bis 12 Stuck, beschädigte aber nicht das kleinste im Zimmer befindende Hölzlein», schrieb der Propst. Insgesamt 25 Geschosse wurden auf das Kloster abgefeuert. Verletzt wurde jedoch niemand. Der Propst und die Schwestern versammelten sich nach der Schlacht in der Kirche, um zu beten. Danach begaben sie sich in den Keller.

Damit war die Leidensgeschichte allerdings noch nicht beendet. Denn nun begannen die siegreichen Franzosen das Kloster zu plündern. Auch darüber hatte Propst Kälin Buch geführt.

Demnach seien immer wieder Soldaten auf die Priorin und ihn zugekommen und hätten nach Wein verlangt, seien mit dem angebotenen Trank nicht zufrieden gewesen. «Der Küfermeister brachte weiteren Wein, aber auch dieser gefiel nicht, nichtsdestoweniger wurde er gesoffen», schrieb der Propst.

Danach plünderten die Franzosen das Wirtshaus. Dort «zerschlugen sie alle Kisten und Kästen, zerhauten die Betten und nahmen Tisch, Bett und Kuschelzeug, kurz alles, was zu brauchen ware, auch die Dienste in der Propstey und dem Wirtshaus wurden ihres Geldes und der Kleider beraubt».

Die Franzosen, die noch bis Anfang 1804 in der Schweiz blieben, hinterliessen nicht nur geplünderte Höfe und verwüstete Äcker. In Höngg wurden zwischen 1799 und 1801 vier Knaben geboren, deren Väter Angehörige der französischen Armee waren.