Bezirksgericht Zürich
Versicherungsangestellte erfand Schäden und ertrog sich 170 000 Franken

Mit der Hilfe von eingeweihten Komplizen und frei erfundenen Schadensfällen hat eine Versicherungsangestellte aus der Fahrweid innert weniger Wochen rund 170 000 Franken ertrogen.

Attila Szenogrady
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Da die Frau jeweils die fingierten Akten nach den erfolgten Zahlungen mittels Schredder vernichtete, kam ihr am Arbeitsplatz niemand auf die Spur. (Symbolbild)

Da die Frau jeweils die fingierten Akten nach den erfolgten Zahlungen mittels Schredder vernichtete, kam ihr am Arbeitsplatz niemand auf die Spur. (Symbolbild)

Keystone

Die Tatmotive der heute 32-jährigen Schweizerin waren einerseits private Schulden von über 50 000 Franken, andererseits eine grosse Portion Frust am Arbeitsplatz.

Fest steht, dass die kaufmännische Angestellte lange Zeit als zuverlässige Mitarbeiterin bei einer deutschen Versicherung mit Niederlassung im Kanton Zürich galt. «Ich war enttäuscht, weil ein neuer Chef gekommen war», erklärte die Beschuldigte gestern vor Gericht. Dabei kam zudem der Grund für die finanziellen Probleme heraus: So war und ist ihr aus dem Balkan stammender Mann arbeitslos und soll dennoch für zwei Kinder aus erster Ehe aufkommen.

Raffiniertes Betrugssystem

Die umfassend geständige Beschuldigte richtete ab Juni 2012 an ihrem Arbeitsplatz ein raffiniertes Betrugssystem ein. Dabei kam ihr entgegen, dass sie als Unfall-Schaden-Sachbearbeiterin diverse Schadenfälle selbstständig bearbeiten konnte. Laut Anklage überredete die Täterin rund ein Dutzend ihr bekannte Personen und spannte sie als Komplizen ein.

Der Dreh war dabei, dass die Mitbeschuldigten bei der Limmattalerin diverse erfundene Unfälle oder fiktive Sachschäden anmeldeten. Worauf sie den vermeintlichen Geschädigten höhere Geldbeträge ausbezahlte und danach mit ihnen die «Beute» jeweils teilte. Erstaunlich war dabei, dass die Beschuldigte innerhalb von nur sechs Wochen einen ansehnlichen Deliktsbetrag von rund 170 000 Franken erzielen konnte.

Nach anonymem Tipp aufgeflogen

Da die Frau jeweils die fingierten Akten nach den erfolgten Zahlungen mittels Schredder vernichtete, kam ihr am Arbeitsplatz niemand auf die Spur. Trotzdem flog sie nach einem anonymen Tipp auf. Sie legte schnell ein umfassendes Geständnis ab und einigte sich mit der Staatsanwaltschaft auf eine Anklage im abgekürzten Verfahren.

Vor Gericht gab die Beschuldigte an, dass sie heute bei einer anderen Versicherung arbeite und dabei rund 6000 Franken im Monat verdiene. Allerdings muss sie davon einen beträchtlichen Teil für die Wiedergutmachung des angerichteten Schadens aufbringen. Sie habe bereits vier Raten an die Privatklägerschaft zurückbezahlt, erklärte sie. Ein Vertreter der betrogenen Versicherung führte zudem aus, dass auch die Mittäter verpflichtet worden seien, die unrechtmässig erlangten Gelder zurückzuzahlen.

Die Beschuldigte wurde schliesslich antragsgemäss wegen gewerbsmässigen Betrugs sowie mehrfacher Unterdrückung von Urkunden zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt, bei einer Probezeit von zwei Jahren. «Wir glauben, dass Sie nicht mehr rückfällig werden», zeigte sich der Gerichtsvorsitzende am Ende der Verhandlung überzeugt.