«Macht und Pracht»: So lautete das Thema der Führungen, die im Rahmen des europäischen Tages des Denkmals am Samstag im Kloster Fahr stattgefunden haben. Trotz Regenwetter fanden sich dutzende Interessierte im Kloster ein. Ob des Andrangs sahen sich Benediktinerinnen veranlasst, zwei zusätzliche Führungen anzubieten. Zu Beginn lud Priorin Irene Gassmann zu einer Besichtigung der Propstei – dem Verwaltungsbereich des Klosters – ein. Dass hier vor allem der Propst und der Abt verkehrten, wurde bereits an der reich mit Ornamenten geschmückten Eingangspforte deutlich. Die Stube des Propstes, der für die äusseren Angelegenheiten des Klosters zuständig war, besticht durch verschnörkelten Deckenstuck: In den Ecken eine Darstellung der vier Jahreszeiten; in der Deckenmitte ein mit Sense bewehrter Saturn. Eine betont weltliche Atmosphäre, in dem sich Katholiken und Protestanten wohl fühlen konnten.

Warum aber musste ein männlicher Propst zur Leitung des Frauenklosters einbestellt werden? Kopfschüttelnd rezitiert Priorin Irene die Begründung aus dem 11. Jahrhundert: Das Frauenkloster könne seinem Zweck nur dann gerecht werden, wenn es unter die umsichtige Leitung eines gläubigen Mannes gestellt werde; der Mann sei nun einmal zur Führung der Frau bestimmt. Nicht alle Pröpste haben ihre Aufgabe umsichtig erfüllt. Es regte sich vonseiten der Frauen Widerstand gegen die von aussen aufgedrängte Führung. Im 18. Jahrhundert gelangte man mit einer Beschwerde an den Bischof: Der Propst habe den Besitz des Klosters verschleudert, klagte man – worauf die Frauen ein eigenes Siegel zur eigenen Verwaltung erhielten.

Im oberen Stock hatte sich der Abt eine Residenz eingerichtet. Holzintarsien mit exotischen Pärken und ein riesiger Kachelofen zeugen vom Status des damaligen Herrn. Sogar ein Himmelbett mit eigenem Wappen liess er sich anfertigen. Noch heute nächtigt Abt Urban darin.

Ein bedrohtes Kulturgut

«Ich hätte schon etwas Mühe, wenn heute jemand kommen würde und es sich so königlich einrichten würde», verrät die Priorin nach Ende der Führung. Die Spannung zwischen Mann und Frau sei in der katholischen Kirche weiterhin ein Thema. Wie ihre mutigen Vorgängerinnen ist sie bemüht, eine Lanze für die Frauen zu brechen. Um für mehr weibliche Mitwirkung in der Kirche zu werben, trat sie letztes Jahr eine Pilgerreise nach Rom an.

Die zweite Führung stand im Fokus der Paramente – Textilien, die in liturgischem Zusammenhang Verwendung finden. Schwester Fidelis zeigte den Besuchern einige besondere Exemplare. Ursprünglich bediente man sich der römischen Toga als Priestergewand. Da diese aber für jede Handbewegung hochgeschlagen werden musste, wurden bald praktischere Gewänder entworfen. Im Barockzeitalter wurden die Textilien mit unzähligen Details geschmückt. «Die Leute hatten damals noch etwas mehr Zeit als wir», bemerkt Schwester Fidelis. Das Messegewand, das sie den Besuchern zeigt, müsste man mit einer Lupe betrachten: So viele Früchte, Vögel und Blumen drängen sich da.

Noch heute werden im Kloster Fahr Paramente hergestellt und immer noch beinahe so, wie in den alten Zeiten. Zum Einsatz kommen vier Webstühle, bis zu 3600 Fäden sind auf ihnen aufgespannt. Das Handwerk erfordert Kenntnisse, die mehr und mehr zu versiegen drohen. Deswegen soll das Wissen, das traditionell mündlich weitergegeben wurde, vermehrt aufgezeichnet und dokumentiert werden. Priska Schmid ist eine der Mitarbeitenden in der Paramentwerkstatt. Sie hofft und ist zuversichtlich, dass dieses Kunsthandwerk auch in Zukunft überleben wird. Im Übrigen beliefert das Kloster Fahr nicht nur die Herren der Schöpfung. Kürzlich wurde auch für eine reformierte Pfarrerin ein Gewand angefertigt.