In den zwei Stadtteilen am Rietpark in Schlieren und Limmatfeld in Dietikon entstehen derzeit nicht nur Wohnungen, sondern auch Gewerbeflächen. Halter Entwicklungen ist für die Erstvermietung der Gewerbelokale verantwortlich. Sie bekundete anfänglich Mühe, für diese Mieter zu finden.

Mit einer Strategieänderung will sie dieses Problem nun lösen: Seit einiger Zeit bietet Halter kleinere Gewerbeflächen – in Absprache mit den jeweiligen Eigentümern – im sogenannten «Edelrohbau» an.

Die Vermieter übernehmen dabei die Investitionskosten für die Installation von Heizung, Toiletten und Raumunterteilungen sowie die Sanitär- und Bodenarbeiten. Die Kosten trägt zwar weiterhin die Mieterschaft, sie kann diese aber über einen erhöhten Mietzins monatlich abzahlen. So müssen die Gewerbler vor der Inbetriebnahme ihres Geschäfts weniger Geld in die Hand nehmen.

«Der Mietzins erhöht sich für sie je nach Ausbau um 50 bis 100 Franken pro Quadratmeter und Jahr. Das ist leichter zu verkraften als 50 000 oder 100 000 Franken auf einmal», sagt Gianfranco Basso von Halter Entwicklungen. «Auf dem ehemaligen Färbiareal, Teil des neuen Schlieremer Stadtteils am Rietpark, konnten wir 2010 erste Eigentümer von dieser Lösung überzeugen», erklärt er. «Im betreffenden Gebäude fanden wir innert kürzester Zeit Mieter für alle Gewerbeflächen.»

Der Schlieremer Gewerbeverein begrüsst die Strategie der Firma Halter. «Es ist gut, wenn die Betriebe ihre Startinvestitionen auf monatliche Mietzinsen verteilen können», sagt Thomas Landis, der Präsident des Gewerbevereins Schlieren.

Mietzinsverlust in Kauf genommen

Zunächst seien viele Vermieter nicht bereit, nach der Investition in die Grundstruktur eines Gebäudes auch den Preis für erste Ausbauarbeiten zu übernehmen. Dies, weil die konkrete Nutzung oft noch nicht klar ist, wie Basso sagt. Deshalb würden auch Leerstände und damit verbundene Mietzinsverluste in Kauf genommen. «Wenn aber länger keine Betriebe einziehen, lassen sich Eigentümer meist überzeugen. Es braucht einen gewissen Leidensdruck», erklärt er.

Einige Investoren der aktuellen und letzten Bauetappe haben ihre Gewerbelokale im normalen Rohbau übernommen: Sie wollen den Ausbau zuerst mit konkreten Interessenten besprechen und ihn erst dann vorfinanzieren, wenn klar ist, welche Betriebe sich in ihrem Haus einmieten. Die Mieter bezahlen ihnen das Darlehen danach ebenfalls monatlich zurück.

Eine andere Möglichkeit, das Gewerbe in den neu entstehenden Stadtteil zu locken, hätte darin bestanden, die Mieten für die Gewerbelokale zu senken. Doch dies erachtetet Halter als nicht realisierbar, wie Basso erklärt: «Das Land und der Bau sind teuer. Wir versuchen, die Mieten tief zu halten, aber die Eigentümer erwarten zu Recht eine vernünftige Rendite.»

Im Dietiker Limmatfeld steht es um die Auslastung der Gewerbeflächen schlechter als am Rietpark. Maik Neuhaus von Halter Entwicklungen erklärt: «Einerseits ist das Quartier am Rietpark viel weiter entwickelt als das Limmatfeld, andererseits ist die Gewerbefläche im neuen Dietiker Stadtteil noch um einiges grösser.» In Schlieren seien bereits rund zwei Drittel der gesamten Wohnungen umgesetzt, in Dietikon erst ein Drittel.

Überregionale Bedeutung als Ziel

Halter setzt im Limmatfeld ebenfalls auf das Konzept «Edelrohbau», insbesondere für kleinere Gewerbeflächen. Darüber hinaus will man den Stadtteil zu einem Einkaufsort mit überregionaler Ausstrahlung formen. Ein Cluster von Innenausbau- und Ausstattungsanbietern soll entstehen. «Wir haben die Marktnachfrage eruiert und wollen uns mit dieser Ausrichtung von Konkurrenten wie dem Shoppingcenter Tivoli abgrenzen», sagt Neuhaus. Mit dieser Strategie sollen künftig vermehrt Kundenströme von ausserhalb in das Limmatfeld gelockt werden. Gleichzeitig suche Halter auch nach weiteren Betrieben, die die Quartierversorgung übernehmen, so Neuhaus.

Zu den Plänen der Firma Halter für das Limmatfeld äussert sich der Dietiker Gewerbeverein zurückhaltend. Ob die gewünschte Belebung erreicht werden könne, werde die Zukunft weisen, erklärt Vereinspräsident Martin Müller: «Solche Entwicklungen brauchen ihre Zeit. Die Investoren benötigen einen langen Schnauf, damit sie solche Retortenstädte nicht nach anfänglichem Misserfolg verslummen lassen.»