Dietikon

Verliebt, verlobt, versteigert: In Dietikon fanden Fundsachen neue Besitzer

Thomas Grob moderierte die Versteigerung der Fundgegenstände im Parkhaus des Stadthauses. gil

Thomas Grob moderierte die Versteigerung der Fundgegenstände im Parkhaus des Stadthauses. gil

In Dietikon wurden gestern unter Moderation von Thomas Grob, stellvertretender Stadtammann und Betreibungsbeamter, Fundgegenstände versteigert. Dabei fanden unter anderem verlorene Eheringe und City-Bikes neue Besitzer.

«Ehering aus Gold. 21 Franken. Zum Ersten, zum Zweiten, verkauft!» Der verlorene Beweis der ewigen Liebe fand gestern Nachmittag eine neue Besitzerin.

Die schmächtige Frau freute sich: «Den schenke ich meiner Tochter», sagte sie und betrachtete die kalligrafische Inschrift auf dem sonst schlichten Goldring. «José 2. Dezember 1968» ist darauf zu lesen. Nein, das werde die Tochter nicht stören. Gold sei ja schliesslich Gold. Hauptsache, es glänze.

«Unglaublich, was man alles verlieren kann», fanden zwei junge Dietikerinnen. Sie drehten Uhren und Velohelme in der Hand und inspizierten Kickboards und Damen-CityBikes.

Ähnliches dachte sich Thomas Grob, stellvertretender Stadtammann und Betreibungsbeamter, der die Versteigerung mit sichtlich viel Spass moderierte. Er sei erstaunt, dass man Eheringe verlieren könne, sagte er. «Oder ob man sie wohl beim Ausgang des Bezirksgerichts gefunden hat?»

Ramsch mit Liebhaberwert

Der Wert der verlorenen Gegenstände war unterschiedlich: Damenuhren, ein altes Samsung-Handy zum Aufklappen, ein Thomas-Sabo-Armband mit unzähligen Büstenhalteranhängern, Velohelme, Sackmesser und diverse Modeschmuck-Ketten konnten preiswert ergattert werden.

«In einem Jahr kommt viel zusammen. Vor allem viel Ramsch», sagte Grob. Was man bei der Versteigerung bezahle, sei aber meistens weniger der Stoffwert als der Liebhaberwert. Rund 35 Personen inspizierten die Fundgegenstände. Die meisten waren für die Versteigerung der Fahrräder in die Parkgarage des Stadthauses gekommen. Sage und schreibe 19 Mountainbikes wurden in Dietikon innerhalb eines Jahres gefunden. Dazu kommen sechs Fahrräder und vier City-Bikes. Ihr Zustand: mehr oder weniger gut.

Etliche Velos hatten rostige Bremsen und Schaltgetriebe und eine Platte – manchen fehlte gar ein Rad. Nichtsdestotrotz fanden die Fahrräder grossen Anklang. Die meisten gingen für 60 bis 100 Franken über den Tisch. Der Ertrag der Versteigerung fliesst in die Stadtkasse.

Nicht Alles waren den Mindesteinsatz von einem Franken wert

Auch die individuell eingestellte Korrekturbrille fand einen dankbaren Abnehmer. Der Senior bezahlte den Mindesteinsatz von einem Franken gerne. «Die Brille gebe ich einem Kollegen. Er führt ein Brockenhaus. Aber das schöne rote Samtetui, das kann ich selber gut gebrauchen», sagte er. Eine junge Frau ergatterte für vier Franken Engelsflügel. Der silberne Anhänger ziert jetzt ihr Handgelenk.

Doch nicht alle Objekte waren den Interessenten den Mindesteinsatz von einem Franken wert. Das neonblaue Trottinett mit giftgrünen Rädern beispielsweise wurde von allen verschmäht. Es werde jetzt mit all jenen Fundgegenständen, die keinen Anklang fänden, «fachgerecht entsorgt», sagte René Mair, Leiter der Verwaltungspolizei. «Die Fundgegenstände selber zu behalten, ist für uns tabu.»

Pflichtbewusste Finderinnen

Wer etwas auf öffentlichem Grund findet, ist von Gesetzes wegen dazu verpflichtet, den Gegenstand dem Fundbüro oder auf einem Polizeiposten abzugeben. So finden rund 200 Objekte pro Jahr den Weg ins Fundbüro. Die meisten davon sind Alltagsgegenstände wie Schlüssel, Portemonnaies, Ausweise oder Handys und werden von ihren Besitzern vermisst und abgeholt. «Vom türkischen Buben bis zum Dietiker Grosi, ganz verschiedene Menschen bringen uns die Fundsachen», sagt Mair.

«Es spricht doch für die Dietiker Bevölkerung, dass so viele gefundene, teilweise auch wertvolle Gegenstände bei uns abgegeben werden», sagt Grob. Denn: «Man könnte sie auch einfach einstecken.» Oder auf den Schrotthaufen bringen, dachte man sich beim Anblick des rostigen Klapperhaufens, auf dem man vor geraumer Zeit wohl einmal Velo fahren konnte.

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