Schlieren
Verlängerung der Tramlinie 2 wurde ohne Schlieren aufgegleist

Der Stadtrat von Schlieren hat sich noch kein Urteil über die geplante Verlängerung des 2er-Trams gebildet, kritisiert aber die Informationspolitik von Statd und Kanton Zürich.

Nicole Button-Emmenegger
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Die Limmattalbahn stösst nicht überall auf Gegenliebe

Die Limmattalbahn stösst nicht überall auf Gegenliebe

Limmattaler Zeitung

Die Geschichte der Verkehrsplanung im Schlieremer Stadtzentrum erhält ein neues Kapitel: Seit anderthalb Wochen wissen Stadtrat und Gemeindeparlament, dass Schlieren gleich zwei Trams auf einmal erhalten könnte. Wenn in ein paar Jahren die geplante Limmattalbahn gebaut wird, soll gleichzeitig auch die Stadtzürcher Tramlinie 2 nach Schlieren verlängert werden. Diese Pläne entstammen dem neuen Linienkonzept von Stadt und Kanton Zürich, das letzte Woche der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Wird damit die Schlieremer Verkehrsplanung komplett auf den Kopf gestellt? «Nein, für die Planung der Infrastruktur haben diese Pläne keine Konsequenzen», sagt Bauvorstand Jean-Claude Perrin (SVP). «Das 2er-Tram würde auf dem gleichen Trassee wie die Limmattalbahn fahren und die gleichen Haltestellen bedienen – so wie die Forchbahn und zwei Tramlinien sich das Trassee zum Bahnhof Stadelhofen teilen.» Auch die vom Tram benötigte Wendeschleife auf dem Schlieremer Chilbiplatz sei bereits Teil der geplanten Streckenführung der Limmattalbahn, so Perrin.

Politischer Zündstoff

Trotzdem wird die geplante Doppelführung des städtischen Trams und der Limmattalbahn wohl politischen Zündstoff liefern. Dass die Limmattalbahn von den politischen Gegnern jetzt erst recht als überflüssiges Projekt bezeichnet und bekämpft wird, schliesst auch der Bauvorstand nicht aus. Bereits Ende August stimmte eine bürgerliche Mehrheit im Stadtparlament der Motion «Contra Limmattalbahn» von Thomas Grädel (SVP) zu, die die Limmattalbahn als zu teuer und unnötig für Schlieren kritisiert.

Und was sagt der Stadtrat selber zum Sinn und Zweck einer Doppelführung? Die Exekutive müsse die finanziellen und verkehrstechnischen Konsequenzen erst genau analysieren und abwägen, hält Perrin fest und ergänzt: «Ohne werten zu wollen, kann ich bereits sagen: Mit der Verlängerung der Tramlinie 2 hätte das Schlieremer Zentrum wohl einen dichteren öV-Fahrplantakt als heute mit den Buslinien 31 und 303. Die Limmattalbahn, welche die Busse ersetzten soll, würde hingegen nur im Viertelstundentakt verkehren.» Zudem würden die Schlieremer mit dem 2er-Tram ohne Umsteigen an den Zürcher Paradeplatz oder ans Bellevue gelangen.

Andererseits hätte die Verlängerung der Tramlinie 2 für die Stadt Schlieren finanzielle Folgen: «Wir rechnen mit massiven Mehrkosten», sagt Christian Meier (SVP), Ressortvorsteher Werke, Versorgung und Anlagen (WVA). Der Zürcher Verkehrsverbund ZVV berechnet die Kosten für die Gemeinden unter anderem anhand der Anzahl Fahrten sowie aufgrund der Art der eingesetzten Verkehrsmittel. Eine Tramverbindung ist für die Gemeinden doppelt so teuer wie eine Trolleybusverbindung.

«Über unsere Köpfe hinweg geplant»

Angesichts dieser Tatsache zeigt sich Meier befremdet darüber, dass der Schlieremer Stadtrat erst vor kurzem über die Pläne von Stadt und Kanton Zürich ins Bild gesetzt worden ist. «Es wurde über unsere Köpfe hinweg geplant», so der WVA-Vorsteher.

ZVV-Sprecher Thomas Kellenberger sagt zu dieser Kritik: «Am geplanten Trassee der Limmattalbahn in Schlieren wurde nichts geändert, weshalb die Stadt nicht speziell vorgängig informiert wurde.» Die Überlappung der Tramlinie 2 mit der Limmattalbahn bis Schlieren sei «aus verkehrlicher Sicht äusserst sinnvoll». Ein konkretes Verkehrsangebot sei aber noch nicht bestimmt worden. Der Fahrplan für die Limmattalbahn und die verlängerte Tramlinie 2 werde erst in acht bis neun Jahren erstellt. Dann könne sich die Stadt Schlieren im Rahmen des ordentlichen Fahrplanverfahrens zum gewünschten Fahrplantakt äussern – und habe so die Möglichkeit, Einfluss auf die Kosten zu nehmen, so Kellenberger.