Wer zuletzt lacht...

Verkleidet für die Berner Fasnacht oder zur Kontrolle – diesen Eindruck hat unser Schlieremer Kolumnist

In diesem Teil seiner Coronakolumne «Wer zuletzt lacht...» spekuliert Martin von Aesch, warum der Bundesrat mit dunklem Hut, schwarzer Lederjacke und Jeans durch Bern Tigert. (Rechts im Bild)

In diesem Teil seiner Coronakolumne «Wer zuletzt lacht...» spekuliert Martin von Aesch, warum der Bundesrat mit dunklem Hut, schwarzer Lederjacke und Jeans durch Bern Tigert. (Rechts im Bild)

«Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!» – eine Redewendung, die Martin von Aesch im zehnten Teil seiner Coronakolumne jetzt auch dem Bundesrat Alain Berset zuschreibt, statt nur dem russischen Politiker Lenin.

Vor vielen Jahren wurde uns im Militärdienst eingeimpft, uns immer an die KKK-Regel zu halten. Kommandieren, kontrollieren, korrigieren. Ich vermute mal, dass sie auch heute noch angewandt wird, auch wenn sich für die Damen und Herren im Vierfruchtpyjama seither viel verändert hat. Aber diese Regel macht auch Sinn. Erst sagen, wo es lang geht. Dann schauen, ob alles gut läuft. Und zum Schluss aufzeigen, wie es noch besser gelöst werden könnte.

KKK ist etwas vom wenigen aus meiner Dienstzeit, was ich mir ins Zivile hinübergerettet habe. Wobei ich zugeben muss, dass ich das zweite K – also die Kontrolle – ein bisschen verfeinert habe. Um ehrlich zu sein: Ich habe teilweise ganz schön raffinierte Kontrollmechanismen angewandt. Doch es hat der Sache gedient.

Nun habe ich allerdings meinen Meister gefunden. Jemanden also, der diese Regel nicht nur anwendet. Nein, er lebt sie. Vor gut zwei Wochen hat er befohlen. Dann aber – und nun kommt’s – hat er sich umgezogen. Oder anders ausgedrückt: bis zur Unkenntlichkeit verkleidet, um sich so inkognito, wie er meinte, unters Volk zu mischen. Denn er wollte kontrollieren, ob die Massnahmen greifen.

In zerbeulten Jeans und mit einem Schlapphut, den er sich weit ins Gesicht gezogen hatte, streifte er durch die Gassen von Bern, um damals leider feststellen zu müssen, dass die Einsicht der breiten Masse nicht genügt. Dummerweise wurde er von einem ungläubigen Passanten erst erkannt und dann auch gleich fotografiert.

Tags darauf anlässlich einer Medienkonferenz las er uns erst die Leviten und verfügte im Namen des Bundesrates anschliessend, dass ein härteres Regime aufgezogen werde. Und überhaupt: Die totale Ausgangssperre sei nicht mehrt weit.

Ich finde, der Bundesrat macht seine Arbeit zurzeit wirklich gut. Mit grossem Verantwortungsbewusstsein. Auch mit dem nötigen Fingerspitzengefühl. Deshalb sollten wir seinen Anweisungen folgen. Sonst muss sich der Herr Berset erneut verkleiden, was den Baslern vermutlich ziemlich sauer aufstossen würde, weil der Herr Bundesrat die fünfte Jahreszeit zelebrieren darf, sie aber nicht.

Martin von Aesch

Der Schlieremer Martin von Aesch gehört als AHV-Positiver zur Corona-Risikogruppe. Hier überlegt er sich, wie er trotz der Krise den Humor nicht verliert.

Der Schlieremer Martin von Aesch gehört als AHV-Positiver zur Corona-Risikogruppe. Hier überlegt er sich, wie er trotz der Krise den Humor nicht verliert.

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