Verkehr

Verkehrsmonitoring: Limmattaler bevorzugen das Auto

Das Limmattal wird stark vom Autoverkehr dominiert. Doch mit dem Ausbau des Gubristtunnels sollen solche – heute alltäglichen – Bilder seltener werden.Bild: Keystone

Das Limmattal wird stark vom Autoverkehr dominiert. Doch mit dem Ausbau des Gubristtunnels sollen solche – heute alltäglichen – Bilder seltener werden.Bild: Keystone

Obwohl das öffentliche Verkehrsaufkommen zunimmt, ist der motorisierte Individualverkehr viel beliebter und nimmt stärker zu.

Einige Leserinnen und Leser aus Dietikon, Schlieren oder Urdorf werden sich erinnern, dass sie im Sommer 2018 Post vom Kanton erhielten. Die Volkswirtschaftsdirektion verschickte 6300 Fragebögen zum Mobilitätsverhalten der Bevölkerung.

Ein Leser ärgerte sich damals, dass sogar Duschmöglichkeiten am Arbeitsort abgefragt wurden. Die Auswertung zeigt nun, dass 54 Prozent der Befragten auf der Arbeit duschen können und vorhandene Duschen dazu führen, dass deutlich mehr Menschen mit dem Velo zur Arbeit fahren.

Die Befragung ist Teil des «Verkehrsmonitorings Limmattal», zu dem nun die ersten Ergebnisse vorliegen. Damit will das zur Volkswirtschaftsdirektion gehörende Amt für Verkehr die Wirkung und den Erfolg der umfangreichen Infrastruktur- und Angebotserweiterung im Limmattal kontrollieren. Vor allem geht es darum zu überprüfen, ob sich der Verkehr über die Zeit wie geplant entwickelt. Die vielen Baustellen zeugen davon, wie stark sich die Verkehrsinfrastruktur unter anderem mit der Limmattalbahn, den flankierenden Strassenprojekten und der dritten Gubriströhre verändert.

Den Begriff Limmattal hat der Kanton ziemlich eng gefasst. Bei der Untersuchung wurden nur acht Gemeinden des Bezirks Dietikon berücksichtigt, während Aesch, Birmensdorf und Uitikon aussen vor blieben. Deshalb empfahl der Aescher Gemeinderat Max Holliger (FDP) an der letzten Versammlung der Zürcher Planungsgruppe Limmattal, wo die Zwischenbilanz des Monitorings präsentiert wurde, künftig alle Bezirksgemeinden zu berücksichtigen.

Reisezeiten sind konstant geblieben

Die Auswertung bestätigt weitgehend das Bild des Limmattals als stark vom Autoverkehr dominierte Region, wie im ersten Bericht zum Verkehrsmonitoring steht. Das bereits sehr hohe Aufkommen des motorisierten Individualverkehrs (MIV) ist zwischen 2015 und 2017 leicht gestiegen, die Reisezeiten sind dabei jedoch konstant geblieben. Die vielen grossen Strassenbaustellen in den vergangenen Jahren haben laut Kanton zu zwischenzeitlichen Verlagerungen des Verkehrs geführt.

Die Nachfrage im Veloverkehr erscheint dagegen viel geringer zu sein als beim Autoverkehr auf der Strasse. Allerdings relativiert das Amt für Verkehr, dass die Zahlen zum Veloverkehr aufgrund der geringen Stichprobengrösse mit Unsicherheit behaftet seien. Beim öffentlichen Verkehr ist die Nachfrage laut Bericht zuletzt sta­gniert. Vor allem entlang der S-Bahn-Korridore sei die ÖV-Nachfrage hoch. So verzeichnen die Buslinien, die zu S-Bahnhöfen verkehren, die höchste Auslastung. Die Bremgarten-Dietikon-Bahn konnte entgegen der allgemeinen Sta­gnation zwischen 2017 und 2018 auf allen Haltestellen deutlich bei den Fahrgastzahlen zulegen.

Ein Blick auf das motorisierte Verkehrsaufkommen im Limmattal zeigt, dass der MIV 82 Prozent ausmacht, der ÖV dagegen nur 18 Prozent. Obwohl die ÖV-Nutzung zwischen 2013 und 2016 leicht gestiegen ist, blieb das Verhältnis gleich. Denn im selben Zeitraum hat das MIV-Aufkommen noch deutlich stärker zugenommen.

Komfort und Zeitgewinn sprechen fürs Auto

«Die Ergebnisse der Umfrage spiegeln die Verkehrsnachfrage im Limmattal», schreibt der Kanton im Bericht und unterstreicht die hohe Antwortquote von 32 Prozent bei 6305 angeschriebenen Personen. Die Befragten haben eine hohe Affinität zum Auto. Komfort, Gewohnheit und Zeitgewinn spielen bei der Bevorzugung gegenüber dem ÖV eine grosse Rolle. Dies, obwohl das ÖV-Angebot von der Mehrheit als gut bis sehr gut beurteilt wird. Vor allem in Sachen Reisekomfort und Sauberkeit sehen die Befragten noch Optimierungs­bedarf.

Beim Veloverkehr fällt die negative Beurteilung des subjektiven Sicherheitsempfindens im Strassenverkehr auf. Fast zwei Drittel gaben an, dass sie sich auf dem Velo nicht sicher fühlen. Zudem verliert das Velo bei längeren Distanzen an Attraktivität. Und weil nur 20 Prozent der Befragten in ihrer Wohngemeinde arbeiten, müssen die meisten beim Pendeln längere Distanzen zurücklegen. Fast die Hälfte der Befragten besitzt überhaupt kein Velo.

Bis 2027 will die Volkswirtschaftsdirektion die Entwicklung des Verkehrs im Limmattal genau beobachten und mindestens alle zwei Jahre über den Zwischenstand informieren. Für 2021 ist zudem die nächste Bevölkerungsbefragung geplant.

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