Im März sprach er dafür einen Kredit in der Höhe von 236 000 Franken. SVP-Gemeinderat Stephan Wittwer äussert in seiner kürzlich eingereichten Interpellation Kritik in die Richtung des Stadtrates, obwohl die Legislative bereits seit Jahren auf die Erstellung eines solchen Gesamtverkehrskonzeptes pocht.

Der aktuelle Verkehrsplan stammt aus dem Jahr 1983 und wurde seither nicht mehr überarbeitet. Im Sommer 2011 forderte der Gemeinderat mittels einer Motion ein neues Konzept für Dietikons Strassen. Damals sah der Stadtrat diese Forderung noch als unnötig an, der Gemeinderat zwang die Exekutive schliesslich zur Annahme der Motion. Im März 2012 wollte der Stadtrat die Motion mit der Begründung, dass der Kanton Herr über die wichtigsten Dietiker Strassen sei, für ungültig erklären lassen. Im darauffolgenden Juni, nachdem die Legislative die Motion für erheblich erklärte, lenkte der Stadtrat schliesslich ein und nahm sich dem Begehren an.

Externe kennen Dietikon zu wenig

Dass Stephan Wittwer und seine 17 Mitunterzeichner die ersten Efforts des Stadtrates nun hinterfragen, mag anhand dieser Vorgeschichte überraschen. Wittwer stellt klar, dass er nicht per se gegen ein Konzept sei, sondern die Handhabung des Stadtrates kritisiere. «Die sofortige Auslagerung der Konzeption an Dritte ist problematisch für den neu entstehenden Verkehrsplan», sagt er. Denn die Planer des externen Büros seien mit der Dietiker Verkehrssituation nur wenig vertraut: «Es braucht die einheimische Stimme in diesem Prozess.» So führt er die Verkehrsführung bei der Stadthalle und dem Löwenplatz als Beispiele dafür ins Feld: «Bei einer Lösung für diese Verkehrsknoten müssen Dietiker mitreden können, da sie wissen, was eine praktikable Handhabung wäre», erklärt Wittwer.

Stadtpräsident Otto Müller (FDP) verweist darauf, dass mit dem in Auftrag gegebenen Verkehrskonzept erst eine Grundlage geschaffen werde. «Eine neu ins Leben gerufene Begleitgruppe sorgt dafür, dass kommunale Interessen Einfluss auf die Verkehrsplanung haben», sagt Müller. Diese Begleitgruppe werde am 8. Juli ihre erste Sitzung abhalten. Einsitz darin hat je ein Vertreter der politischen Parteien des Gemeinderates – Stephan Wittwer vertritt die SVP. Auch verschiedene Interessengruppen wie der Industrie- und Handelsverein, der Gewerbeverein, der Zentrumsverein und Pro Velo sind Teil der Begleitgruppe. «So wollen wir eine mehrheitsfähige Lösung finden und diese im Anschluss verabschieden», so Müller.

Dietikon hat qualifiziertes Personal

Nebst dem Mangel an Lokalkolorit bei der Planung hält Wittwer auch fest, dass generell zu viel Geld für Gutachten Dritter ausgegeben wird. «Im Budget ist dies ein enormer Kostentreiber», so Wittwer. So fragt er in seiner Interpellation, ob es in der Dietiker Verwaltung nicht ausreichend qualifiziertes Personal gebe, das ein solches Konzept erarbeiten könnte. Müller verweist darauf, dass im Dietiker Stadtplanungsamt zwar qualifizierte Angestellte arbeiten, ein solches Konzept jedoch nicht parallel zu den anderen zurzeit laufenden Projekten des Amts realisiert werden könne: «Dies würde die zur Verfügung stehenden Ressourcen übersteigen», so der Stadtpräsident.

Irritiert über die Kritik am Vorgehen des Stadtrates ist Müller derweil nicht. «Das Einreichen einer Interpellation ist das Recht eines jeden Gemeinderats», sagt er und ergänzt, dass der Stadtrat in seiner Antwort das gewählte Vorgehen erklären und begründen wird.