Dietikon

Verkauf des «Alten Bären» sorgt einmal mehr für erhitzte Gemüter

Der Verkaufspreis des «Alten Bären» soll geheim bleiben. (Archivbild)

Der Verkaufspreis des «Alten Bären» soll geheim bleiben. (Archivbild)

Der Verkauf des historischen Gebäudes sorgte am Donnerstag im Parlament für gehässige Töne. Umso mehr, da über den Verkaufspreis scheinbar Stillschweigen vereinbart wurde.

Über kein anderes Haus im Limmattal ist in den letzten Monaten emotionaler diskutiert worden als über den «Alten Bären». Dass der Stadtrat das historische Gebäude verkauft hat, nachdem bereits eine Volksinitiative zustande gekommen war, die den Verkauf verhindern wollte, trug ihm viel Kritik der Initianten — ein überparteiliches Komitee aus SP, AL, Grünen und CVP — ein.

Auch gestern Abend im Parlament sorgte der «Alte Bären» wieder für teilweise gehässige Voten — und zwar sogar schon vor der eigentlichen Diskussion. Die SVP ärgerte sich darüber, dass an der konstituierenden Sitzung eine dringliche Interpellation behandelt werden musste.

Der Vorstoss habe an einem solchen Abend nichts auf der Traktandenliste verloren, sagte Stephan Wittwer in einer Fraktionserklärung. Er sehe dies als Missbrauch der demokratischen Instrumente an.

Man sei sich bewusst, dass es unüblich sei, an der konstituierenden Sitzung ein Geschäft zu beraten, sagte Rosmarie Joss (SP), die den Vorstoss eingereicht hatte. Jedoch müsse eine dringende Interpellation gemäss Geschäftsordnung an der nächsten Sitzung behandelt werden.

Es sei ihr wichtig, die nach wie vor unklaren Umstände im Zusammenhang mit dem Verkauf des «Alten Bären» zu klären — und damit auch die emotionale Diskussion zu versachlichen.

Müller: Verkauf war bekannt

Dies war jedoch ein hehrer Wunsch. Bereits in der von Stadtpräsident Otto Müller (FDP) mündlich vorgetragenen Antwort wurde deutlich, dass sich der Stadtrat nicht besonders über den Vorstoss gefreut hatte. Müller betonte, der Verkauf sei schon mündlich vereinbart gewesen, bevor die Initianten mit dem Sammeln der Unterschriften begonnen hätten — und dies sei auch bekannt gewesen.

Er frage sich zudem, so Müller, ob die Initianten den Stimmberechtigten beim Sammeln der Unterschriften offengelegt hätten, dass das Ziel der Initiative wohl gar nicht mehr erreicht werden könne.

Dies befremdete Interpellantin Joss. Es sei höchst interessant, dass der Stadtrat den Initianten vorwerfe, sie hätten die Bevölkerung hinters Licht geführt, wenn er selber so unsorgfältig mit den demokratischen Prozessen umgehe. Die Stadt sei schon seit zehn Jahren im Besitz der Gebäude auf dem Kronenplatz.

Dass der Stadtrat den «Alten Bären» nun so schnell «verscherbelt» habe, auch wenn er das Recht dazu habe, sei politisch nicht anständig. «Man sollte sich auch dann der Demokratie verpflichtet fühlen, wenn sie etwas tut, was einem nicht passt», sagte sie. Joss betonte, sie habe nie daran gezweifelt, dass der Stadtrat die Kompetenz habe, das Gebäude zu verkaufen.

Doch es gäbe ein Unterschied zwischen dem, was erlaubt und dem, was opportun sei. Irritiert zeigte sich Joss auch darüber, dass der Stadtrat laut eigenen Aussagen mit dem Investor Stillschweigen über den Verkaufspreis vereinbart hat. Gemäss Interpellationsantwort wird die Exekutive nur die Rechnungsprüfungskommission darüber informieren.

Bis anhin stand immer der Betrag von etwa 400'000 Franken im Raum.

«Überstürzt und tollpatschig»

Wie die SVP ärgerte sich auch die FDP darüber, dass man die «überflüssige» Interpellation an der konstituierenden Sitzung beraten müsse, wie Werner Hogg sagte. Das sei nichts als Zwängerei. Der Stadtrat habe nichts anderes getan, als seine Kompetenzen genützt.

Der Stadtrat habe beim Verkauf überstürzt gehandelt und sich zumindest «sehr tollpatschig» angestellt, sagte Martin Müller (DP). So hätte man den Initianten gleich eröffnen können, dass es keinen Sinn mache, Unterschriften zu sammeln, statt sie ein paar Wochen später «noch viel wirkungsvoller vor den Kopf zu stossen».

Lucas Neff (Grüne) sagte, es sei «ein Blödsinn», den «Bären», der an die Zehntenscheune angebaut ist, zu verkaufen, bevor für diese ein Sanierungsprojekt existiere: «Das macht kein vernünftiger Mensch.»

Die SVP stehe hinter dem Stadtrat, sagte Markus Erni. Es sei schon seit vielen Jahren bekannt gewesen, dass der «Alte Bären» verkauft werden solle. «Wer jetzt sagt, er habe das nicht gewusst, der soll zum Ohrenarzt», so Erni. Rochus Burtscher (SVP) betonte, der Stadtrat gehe haushälterisch mit den Dietiker Finanzen um.

Die Initiative bezeichnete er als «schlicht absurd». Stephan Wittwer (SVP) warf den Initianten vor, das Ganze «einfach verschlafen» zu haben: «Ihr müsst auf euch selber wütend sein.»

Ernst Joss (AL) sagte, es sei irritierend, dass der Stadtrat den Verkaufspreis nicht verraten wolle. Er gehe davon aus, dass damit das Öffentlichkeitsprinzip verletzt werde.

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