Letzte Woche ging es für den heute 34-jährigen Beschuldigten vor den Schranken des Bezirksgerichts Dietikon um sehr viel. Bei einem Schuldspruch wegen mehrfacher Vergewaltigung sowie mehrfacher Drohung drohte ihm nicht nur eine unbedingte Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren. Als türkischer Staatsangehöriger hätte er auch zusätzlich mit seiner Ausschaffung in seine Heimat rechnen müssen. Nicht zuletzt wäre wohl auch der finanzielle Ruin erfolgt.

Von der Exfreundin verzeigt

Die Polizei hatte den im Limmattal wohnhaften Bäcker am 7. August 2014 festgenommen. Er verbrachte danach 42 Tage in Untersuchungshaft. Grund der Strafuntersuchung: Der Beschuldigte soll seine asiatische Lebenspartnerin einige Wochen zuvor zweimal mit dem Tode bedroht haben. Zusätzlich warf ihm die aus dem Fernen Osten stammende Frau während der Ermittlungen vor, sie gegen ihren Willen am gemeinsamen Wohnort wiederholt zum Geschlechtsverkehr gezwungen zu haben.

Dies stellte der Beschuldigte allerdings grundsätzlich in Abrede. Auch vor dem Bezirksgericht Dietikon, wo herauskam, dass der Türke und seine Freundin eine sehr schwierige Beziehung geführt hatten. Erschwerend kam hinzu, dass das Paar einvernehmlich zwei gemeinsame Kinder gezeugt hatte. Das jüngere Kind war erst im Januar 2015 auf die Welt gekommen – also ein halbes Jahr, nachdem sich das Paar getrennt hatte.

«Ungereimtheiten im Verhalten»

Die zuständige Staatsanwältin ging von einem erheblichen Verschulden aus und verlangte für den Limmattaler mit dreieinhalb Jahren Gefängnis eine unbedingte Freiheitsstrafe. Im Gegensatz zum Verteidiger, der mangels Beweisen umfassende Freisprüche forderte und die Darstellungen der Frau als unstimmig und ihre Belastungen als widersprüchlich einstufte.

Der Beschuldigte selber wollte zu den Vorwürfen keine Aussagen mehr machen, führte aber aus, dass er von seiner damaligen Partnerin physisch attackiert worden sei und eine Ohrfeige erhalten habe.

Das Gericht kam zum Schluss zu einem umfassenden Freispruch und sprach dem Vater für die erlittene Haft eine Genugtuung von 8'400 Franken zu. Der Gerichtspräsident Stephan Aeschbacher stellte klar, dass das Gericht nicht davon ausgehe, dass die Geschädigte einfach nur gelogen habe. Allerdings reiche es für Schuldsprüche nach dem Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten» nicht aus.

So hätten Ungereimtheiten auch im Verhalten der Privatklägerin gewichtige Zweifel hervorgerufen. Die Geburt des zweiten Kindes nach den Vergewaltigungsvorwürfen, die auf den Spätsommer 2013 zurückgingen, stand da beispielsweise sehr schief in der Landschaft.

Kontaktverbot aufgehoben

Die Freisprüche führten dazu, dass die finanziellen Forderungen der Mutter auf den Weg eines Zivilprozesses verwiesen wurden. Zudem hob das Gericht ein von der Staatsanwaltschaft erlassenes Kontaktverbot für den Vater zur Geschädigten auf. Staatsanwaltschaft und die Geschädigte könnten den Fall an das Obergericht weiterziehen.