Vor dem Bezirksgericht Dietikon stand gestern ein türkischer Mittvierziger, weil er seine mittlerweile von ihm geschiedene türkische Frau auf einem Spielplatz im Bezirk Dietikon vergewaltigt haben soll.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Justiz mit dem ehemaligen Paar beschäftigt: Schon im März 2015 hatte das Bezirksgericht Dietikon den Mann wegen Drohung verurteilt, zu einer bedingten Geldstrafe von 1800 Franken.

Nur 25 Tage später soll er dann seine Ex-Frau vergewaltigt haben. Von jenem Ostersonntagabend im April 2015 gibt es wie so oft in solchen Fällen zwei völlig unterschiedliche Versionen.

Die Frau war zuvor bei einer Kollegin zu Besuch. Als sie dann zu Fuss vom Bahnhof nach Hause ging, wartete sie bei einer Kreuzung mit Rotlicht. Plötzlich hörte sie eine Stimme hinter sich. Sie drehte sich um und merkte, dass es ihr Mann war.

Schweres Leben ganz zerstört

Zu spät: Er hielt ihr den Mund zu, packte sie und ging mit ihr zu einem Spielplatz in der Nähe, wo er sie bis zum Orgasmus vaginal penetrierte, obwohl die Frau ihn bat, damit aufzuhören. Der Privatklägerin und Geschädigten fiel es gestern sichtlich schwer, das Erlebte nochmals zu erzählen, sie tat es nur auf mehrmaliges Nachfragen des Gerichts hin. Sie zitterte, die Tränen flossen, sie schluchzte, die Stimme versagte.

Zwar hatte die Frau schon früher psychische Probleme. Seit dem Vorfall leidet sie aber an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Sie war längere Zeit in einer psychiatrischen Klinik in Behandlung und hat Suizidgedanken. Seit dem Übergriff gehe es nur noch bergab, sagte ihr Rechtsanwalt. Der Angeklagte habe das sowieso nicht einfache Leben seiner Mandantin zerstört. Aus körperlichen Gründen lebt sie seit mehreren Jahren von IV-Rente und Ergänzungsleistungen. Der angeklagte Ex-Mann arbeitete zuletzt bei einem Gastrobetrieb.

Er musste ihre Zeugenaussagen via Live-Übertragung in einem anderen Raum verfolgen, in den er von einem Gerichtsauditor und zwei Mitarbeitenden der Kantonspolizei geführt wurde. Um die Frau zu schützen, sollten sich die ehemals Vermählten nicht begegnen.

Und damit zur Version des Angeklagten, der den Abend des Ostersonntags 2015 ganz anders in Erinnerung hat: Er habe die Frau angerufen und sie unter dem Vorwand, dass es seiner Tochter schlecht gehe, gebeten, dass man sich nochmals treffe beim Spielplatz.

Dort angekommen, hätten sie sich wunderbar geliebt, so etwa drei Stunden lang, auf alle möglichen Arten und zusammen eine Packung Zigaretten geraucht. Die Geschichte vermochte aber kaum zu überzeugen.

Telefonterror trotz Kontaktverbot

Noch am Abend des Ostermontags 2015 wurde der Mann verhaftet. Gegen Ende August wurde er wieder entlassen und es wurde ihm vom Zwangsmassnahmengericht unter Strafandrohung verboten, mit seiner Ex-Frau in irgendeiner Weise in Kontakt zu treten. Am 24. Dezember 2015 missachtete er dieses Verbot aber und rief die Frau morgens zwischen 4.13 und 5.23 Uhr insgesamt 44 Mal an, aus verschiedenen Telefonkabinen.

Am Telefon bedrohte und beschimpfte er sie und sagte ihr, er werde sie und ihre Familienmitglieder ficken. Wegen dieses Vorfalls sass er dann seit Anfang Januar 2016 wieder in Haft. Gestern wurde er von der Kantonspolizei in Handschellen aus der Justizvollzugsanstalt Pöschwies in Regensdorf nach Dietikon gebracht.

Schon vor dem Vorfall an Weihnachten hatte der Mann seine Frau mit Telefonterror belästigt und sie gestalkt: An drei Abenden zwischen der Gerichtsverhandlung im März 2015 und der Vergewaltigung im April 2015 rief er sie insgesamt 70 Mal an, oft kurz vor oder nach Mitternacht. Aus ähnlichen Gründen erhielt er schon vor dem ersten Urteil im März 2015 drei Strafbefehle.

Mann muss 30 000 Franken zahlen

Gestern Abend sprach das Gericht unter Leitung des Gerichtspräsidenten Stephan Aeschbacher den Mann unter anderem wegen Vergewaltigung, mehrfacher Nötigung, Drohung und Ungehorsam gegen amtliche Verfügungen schuldig.

Er muss 3 Jahre und 8 Monate ins Gefängnis, davon hat er fast 14 Monate bereits abgesessen. Dazu kommt eine Busse von 1000 Franken, der Vollzug der ehemals bedingten Geldstrafe von 1800 Franken, gut 7600 Franken für die Kosten des Vorverfahrens und der Untersuchung sowie 4500 Franken Gerichtsgebühr.

Der Geschädigten muss er eine Genugtuung von 15 000 Franken plus fünf Prozent Zins seit April 2015 zahlen. Macht total über 30 000 Franken. Ausserdem ist es ihm bis drei Jahre nach Haftentlassung verboten, die Ex-Frau zu kontaktieren oder sich ihr zu nähern.