Hans Egloff
Aescher SVP-Nationalrat

Hans Egloff.

Hans Egloff.

«Meine Frau stammt aus dem Schwarzwald, wo das traditionelle Weihnachtsmenü schon seit Urzeiten aus Wiener Würstchen, Kartoffelsalat und Nüsslisalat besteht. An einem Weihnachtsfest sollte ich als Schwiegersohn in spe in die erweiterte Familie eingeführt werden.

Doch im Vorfeld bekam meine Schwiegermutter Bedenken, ob ein solch einfaches Mahl dem Heiratskandidaten aus der Schweiz nicht zu ärmlich vorkommen würde. Kurzerhand beschloss sie, zum ersten Mal seit Generationen, ein anderes Gericht als Weihnachtsschmaus zu servieren. So wurden an meinem ersten Weihnachtsfest bei der neuen Verwandtschaft Braten und Kartoffelgratin aufgetischt. Meine Schwiegermutter hatte alles gegeben und war sich sicher, einen guten Schachzug getan zu haben.

Ganz anders sahen das die versammelten Verwandten, unter denen sich immerhin die beiden Brüder meiner Frau, ihre Tanten und Grosstanten und deren Ehepartner befanden. Sie hielten überhaupt nichts vom Bruch mit der Tradition und waren höchst verstimmt darüber, dass sie, ohne darauf vorbereitet worden zu sein, auf ihren Kartoffelsalat mit Würstchen verzichten sollten. Hinter mindestens 14 Tellern mit Gratin und Braten blickten mir böse Augenpaare entgegen.

Meine ersten Weihnachten mit meiner Frau wären also um ein Haar auch meine letzten geworden. Ich selbst insistierte danach bei der Gastgeberin, sie müsse doch wegen mir nicht auf das beliebte Weihnachtsmenü verzichten. Dies beherzigte sie, schon deshalb, weil sie die erzürnte Verwandtschaft beschwichtigen musste.

Seither gibt es wieder Würste mit Kartoffel- und Nüsslisalat bei meiner Schwarzwälder Familie. So auch dieses Jahr, wenn wir morgen dort auf Besuch gehen. Eine kleine Menüergänzung hatte ich mit der Zeit dann aber doch noch bewirken können: Inzwischen werden zu den Wiener Würstchen auch Schweinswürste gereicht. Dabei handelt es sich um einen Traditionsbruch, dem die ganze Familie mit Freude zustimmte.»

Karl Klenk
103-jähriger Dietiker Ehrenbürger

Karl Klenk.

Karl Klenk.

«An ein Weihnachtsfest aus meiner Kindheit erinnere ich mich besonders gern. Ich war etwa zehn oder elf Jahre alt, es muss also in den frühen 1920er-Jahren gewesen sein, da lag unter dem Christbaum ein schwarzer Koffer. Darin befand sich eine Kindergeige, die mir mein Vater besorgt hatte. Er erfüllte mir damit meinen damals grössten Wunsch. Doch dies war noch nicht alles: Hinzu kam, dass mein Vater in Männedorf ein Fräulein ausfindig machte, das mir Geigenunterricht geben konnte.

Von da an durfte ich jeden Mittwochnachmittag von Meilen nach Männedorf fahren, eine Lektion kostete damals zwei Franken. Obwohl ich nicht sonderlich gut spielte, war die Lehrerin stets voll des Lobes für mich. Erst rund 50 Jahre später ging mir ein Licht auf und ich kam darauf, dass sie mich mit dem Lob wohl motivieren wollte, um keinen Geigenschüler zu verlieren.

Für mich war das jedoch mehr als blosses Musizieren, denn bei diesem Fräulein hörte ich zum ersten Mal in meinem Leben Radio. Wie war ich fasziniert von den Klängen, die aus Paris, ja der ganzen Welt, in ihre kleine Kammer in Männedorf getragen wurden.»

Priorin Irene
Stellvertreterin des Abtes im Kloster Fahr

Priorin Irene.

Priorin Irene.

«An Heiligabend gingen wir Kinder stets zu unseren Grosstanten, da das Christkind in dieser Zeit daheim die Vorbereitungen für den Heiligabend traf. Zum Nachtessen gab es bei den Tanten Milchreis und Apfelschnitze. Diese Tradition war für meine Geschwister und mich ein grosser Bestandteil von Weihnachten, auch als wir zu alt waren, um noch an das Christkind zu glauben.

Als wir dann im frühen Teenager-Alter waren, wollten uns die Tanten eine Freude bereiten. Wir sollten etwas Besseres zu Essen bekommen als Milchreis mit Apfelschnitzen. So servierten sie eine kalte Platte mit einer grossen Auswahl an Aufschnitt. Wir Kinder waren darüber aber sehr enttäuscht, weil wir Milchreis und Apfelschnitze erwartet hatten.

Dies teilten wir den Tanten mit, was diese natürlich überraschte. Im nächsten Jahr gab es dann aber wieder unser favorisiertes Weihnachtsmenü. Heute esse ich an Heiligabend im Kloster keinen Milchreis mehr, denn hier gibt es seit je eine andere kulinarische Tradition: Hörnli mit Käse. Diese haben über die Jahre den Milchreis für mich als Festmahl ersetzt.»

Anika Oeschger
Urdorfer Jungautorin

Anika Oeschger

Anika Oeschger

«Jedes Kind kennt es: Es bringt die Geschenke und legt sie manchmal sogar unter den Weihnachtsbaum. Das Christkind war eines meiner liebsten Geschenkbringer. Jedes Jahr an Weihnachten schickte mich meine Mutter in mein Zimmer zum Spielen.

Nie ahnte ich etwas. Nur wenig später hörte ich es klingeln. Und ich wusste, was dies bedeutete. Das Christkind war da gewesen und hatte seine Geschenke abgeladen! Freudig sprang ich jedes Mal auf und rannte die Treppe hinunter. Wie das Glöckchen verraten hatte, lagen jetzt unter dem wunderschön geschmückten Baum tolle Geschenke!

Doch an einem Weihnachtsfest war ich wohl zu neugierig. Ich wollte diesmal unbedingt das liebe Christkind sehen. Also versteckte ich mich auf der Treppe, nachdem mich mein Mami ins Zimmer geschickt hatte. Als ich schon beinahe die Hoffnung aufgegeben hatte, sah ich, wie meine Mutter die Geschenke unter dem Baum verteilte.

Ausserdem nahm sie ein kleines Glöckchen hervor und klingelte. Aber wo war das Christkind? Entsetzt sprang ich aus meinem Versteck und fragte fast verstört: ‹Das Christkind gibt es gar nicht?› Mit schuldbewusstem Gesicht blickte meine Mutter mich an. Seither wusste ich nun um das Geheimnis des Christkindes.»