Limmattal

Vergärwerk Werdhölzli: Im Eimer ist die Reise des Apfels längst nicht vorbei

Nein, stinken tut es nicht. Es ist eher ein strenger Geruch, der einem in die Nase steigt. Und das auch nur, wenn man sich im Gebäude selber befindet. Rundherum ist gar kein Geruch wahrnehmbar.

Erstaunlich ist es aber doch, wenn man bedenkt, zu welchem Zweck die 25 Millionen Franken teure Anlage auf dem Areal des früheren Kompostierwerks Werdhölzli gebaut wurde. Seit Mitte 2013 betreibt dort die Biogas Zürich AG ein Vergärwerk, das aus Bioabfall Biogas und hochwertige Kompostprodukte erzeugt. Mehrheitsaktionärin ist die Stadt Zürich, beteiligt ist auch Erdgas Zürich, die Limmattaler Limeco hält seit Anfang 2013 zehn Prozent der Aktien.

Wurde bislang städtischer Bioabfall verarbeitet, landet seit Beginn dieses Jahres auch der organische Abfall aus dem Limmattal im Werdhölzli. Jährlich sollen rund 7000 Tonnen an Limmattaler Bioabfall verwertet werden. «Das sind mehr als 25 Prozent des Gesamtvolumens, das bei uns weiterverarbeitet wird», sagt Helmut Vetter, Geschäftsführer der Biogas Zürich AG. Die Verarbeitungskapazität des Vergärwerks beträgt jährlich 25 000 Tonnen Bioabfall.

Eine sechswöchige Reise

Mit der Anlieferung beginnt für den gesammelten Bioabfall eine Reise, die nach rund sechs Wochen im Produktelager endet, wo die verschiedenen Kompostprodukte auf Abnehmer warten. «Wir unterscheiden dabei zwischen ‹Gärgut flüssig› und ‹Gärgut fest›», so Vetter. Aus dem festen Gärgut werde Kompost in unterschiedlichen Qualitäten hergestellt, der in der Landwirtschaft sowie im Garten- und Landschaftsbau zum Einsatz komme. Das flüssige Gärgut werde zu Dünger verarbeitet, der im Getreideanbau eingesetzt werde.

Damit der Bioabfall wie gewünscht weiter verarbeitet werden kann, sind gewisse vorbereitende Arbeitsschritte notwendig. Von der Anlieferung wird das organische Gut mit einem vollautomatischen Greifkran in die Bioabfall-Aufbereitung befördert. Dort wird das Material geshreddert, gesiebt sowie mittels eines Magnetabscheiders von Metallen gereinigt. Fremdstoffe im Bioabfall bereiten den Verantwortlichen immer wieder Mühe, obschon sich die Situation allmählich bessert, wie Vetter erklärt. «Als wir gestartet sind, kam es immer wieder vor, dass sich im angelieferten Bioabfall Züri-Säcke befanden. Doch die Disziplin der Leute wird zusehends besser», so Vetter. Das Problem bestehe darin, dass es nicht zu 100 Prozent gelinge, den Plastik aus dem Biomüll herauszutrennen. Ein kleiner Rest bleibe immer übrig.

Ist der Bioabfall geshreddert und von Fremdstoffen befreit, verbringt er zwei Wochen im Herzstück des Vergärwerks, dem Fermenter. «Dort findet die Vergärung unter anaeroben Bedingungen, also ohne Sauerstoff, statt», sagt Vetter. Im Fermenter geht auch die Trennung des Gases und des Gärgutes vonstatten. Während letzteres in der Entwässerung in flüssiges und festes Material getrennt wird und während vier Wochen in insgesamt drei Prozessschritten zu Kompost oder Dünger verarbeitet wird, gelangt das Roh-Biogas zuerst in einen Kältetrockner, wo es entfeuchtet wird. Danach wird es in die etwa einen Kilometer entfernte Biogas-Aufbereitung befördert. Sie befindet sich auf dem Gelände des Klärwerks Werdhölzli. In dieser Anlage wird auch das aus dem Klärwerk gewonnene Klärgas aufbereitet.

«Derzeit baut Entsorgung und Recycling Zürich eine neue Klärschlammverwertungsanlage. Sie ist 2015 fertig», erklärt Vetter. Zusammen mit dem Biogas aus dem Vergärwerk und dem Klärgas werde die Biogas-Aufbereitung voll ausgelastet sein. «Dann werden wir 5,5 Millionen Kubikmeter Biogas produzieren. Mit dieser Menge Gas können rund 5000 Haushalte beheizt werden», so Vetter.

Mit der Einspeisung ins Gasnetz oder dem Einsatz in der Landwirtschaft schliesst sich der Kreislauf. Ein Kreislauf, der für Anwohner der Anlage und Spaziergänger an der Limmat ganz ohne wahrnehmbare Gerüche vonstatten geht. Denn das Aroma, das die Abfälle produzieren, findet den Weg nach draussen nicht. Alle Gärvorgänge geschehen in einer geschlossenen Halle, in der Unterdruck herrscht. Die Luft wird abgesaugt, in der Abluftreinigung gereinigt und geruchsfrei ins Freie abgelassen.

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