Limmattaler Sport
Vereine verlieren zwar nicht die Zuversicht – aber Sponsorengelder und eine Aufstiegsfeier

Die Corona-Krise trifft auch den Limmattaler Sport: Keine Spiele, kein Training und die Sponsoren haben aktuell selbst finanzielle Sorgen. Trotzdem zeigen sich die Vereine zuversichtlich.

Ruedi Burkart
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Als Spiele noch möglich waren: HC-Dietikon-Urdorf-Goalie Josip Katicic in Aktion.
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EHC-Urdorf-Spielerin Zaira Juarez (oranges Trikot), hier in einem Spiel gegen Celerina.

Als Spiele noch möglich waren: HC-Dietikon-Urdorf-Goalie Josip Katicic in Aktion.

Archivbilder: Ruedi Burkart

Die sportliche Situation des Fanionteams des FC Dietikon ist folgende: Bei Unterbruch der Meisterschaft liegen die Limmattaler in der 1. Liga knapp vor den Abstiegsplätzen, das Kader wurde im Hinblick auf die Mission Ligaerhalt während der Winterpause verstärkt. Doch gerollt ist der Ball seit dem Ende der Vorrunde am 9. November 2019 in der Meisterschaft nicht mehr. Und ob die Saison 2019/20 zu Ende gespielt werden kann, muss zumindest stark bezweifelt werden. «Wir werden sehen, was die nächsten Tage und Wochen bringen», gibt sich FCD-Sportchef Christian Müller pragmatisch. Fakt ist, dass aktuell und bis mindestens Ende April der Spielbetrieb und das Vereinsleben ruhen. Und damit bleiben auch die Einnahmen aus. Das Klubhaus ist geschlossen, die vereinseigene Zeltvermietung ruht, wegen der ausgefallenen Trainings können keine Gelder via J+S abgerechnet werden, eine für diesen Frühling geplante Marketingaktion ist gestrichen worden, das Hakan-Yakin-Soccer-Camp von Mitte April findet ebenfalls nicht statt. Es sind keine einfachen Zeiten. Und doch gibt es einen hellen Punkt am Horizont: Die meisten FCD-Akteure, denen laut Vertrag eine Spesenentschädigung zusteht, verzichten im April auf ihr Geld. «Das ist natürlich eine schöne Geste des Teams», freut sich Müller, «und sagt viel über den Charakter der Spieler aus.»

«Das Budget wird ganz sicher Korrekturen erfahren»

Auch beim EHC Urdorf gibt es trotz Corona-Krise etwas Positives zu ­vermelden: Die Kaderplanung der 3.-Liga-Truppe ist erfreulich weit fortgeschritten. «Wir haben nur wenige Änderungen im Team und sind zuversichtlich, dass wir auch im kommenden Winter eine gute Saison zeigen werden», sagt Daniel Bucher. Der Präsident der «Stiere» bestätigt auch, dass das im vergangenen Jahr neuformierte Damenteam weiterhin die Urdorfer Farben tragen wird. Bucher steht einem Verein vor, der ein Gesamtbudget von gegen einer Viertelmillion Franken aufweist. Eine grosse Verantwortung, gerade in den aktuellen Zeiten. «Wir werden die laufende Rechnung gerade so ausgeglichen gestalten können. Aber das Budget für nächstes Jahr wird ganz sicher Korrekturen erfahren.» Mit ein Grund: Viele der Sponsoren sind kleinere oder mittlere Unternehmen (KMU), und die werden in nächster Zeit genug andere Sorgen haben, als einen Sportverein finanziell zu unterstützen. «Das geht anderen Klubs ähnlich», sagt Bucher, «damit kämpfen wir alle.» Auch wenn die Zeiten nicht gut sind, im Vorstand des EHC Urdorf herrscht eine durchaus positive Stimmung. «Wir müssen die richtigen Schlüsse aus der aktuellen Situation ziehen und positiv in die Zukunft schauen», so Bucher. Viel mehr könne man jetzt nicht tun.

Den Handballerinnen wird der ersehnte Aufstieg verwehrt

Zahlreiche offene Fragen gibt es nach dem Abbruch der Meisterschaft auch beim Handballclub Dietikon-Urdorf. Die wichtigste Frage für die Handballer ist: Wie können sie ihren Beitrag zur Einhaltung der bundesrätlichen Massnahmen leisten? Dazu HCDU-Präsident Thomas Wüthrich: «Alle Trainings wurden abgesagt, wir versuchen uns über kreative Online-Lösungen fit zu halten.» Seit letztem Freitag ist bekannt, dass die Saison 2019/20 nicht gewertet wird, es also keine Auf- und Absteiger gibt. Schade für die HCDU-Frauen, die in der Aufstiegsrunde der 2. Liga nach Verlustpunkten Co-Leader gewesen sind. «Das ist natürlich bitter, wenn man die tolle Arbeit des Teams und der Trainer bedenkt», sagt Wüthrich, «vor allem, weil wir darauf setzen, über eine sportlich attraktive und leistungsorientierte Damenmannschaft regelmässig externe Spielerinnen ins Limmattal zu locken.» Wüthrich geht davon aus, dass der Corona-Shutdown im per Ende Mai endenden Geschäftsjahr 2019/20 noch keine negativen Folgen zeigen wird. Im Gegenteil: Weil in den vergangenen Wochen keine Spiele mehr stattgefunden haben, konnte man Schiedsrichterkosten sparen. «Aber ganz klar werden wir die jetzige Situation im Budget für das Vereinsjahr 2020/21 spüren», so Wüthrich. So muss man damit rechnen, dass die Sponsorenbeiträge zurückgehen werden oder dass der eine oder die andere den jährlichen Mitgliederbeitrag nicht mehr zahlen kann. Trübe Aussichten für einen Verein, der rund einen Viertel der Gesamteinnahmen mit Mitgliederbeiträgen deckt. Ein ­weiterer nicht unerheblicher Posten ist der jährliche Gönnerbeitrag des Club Nexus. Jedes Mitglied dieser Gönnervereinigung – die meisten sind Limmattaler KMU – bezahlt je 750 Franken an die Nachwuchsförderung des HC Dietikon-Urdorf. Wie stark die ­Corona-Krise diesen Geldfluss ins ­Stocken bringen wird? Man muss abwarten. Trotz allem bleibt Wüthrich positiv und sagt: «Ein Jahr können wir problemlos mit massiv weniger ­Einnahmen überleben.» Danach ­müsse es einfach wieder besser werden. Das hoffen alle.

Faustballer rechnen mit massivem finanziellem Verlust

Die gute Nachricht vorweg: Die Hallensaison konnten die Schlieremer Faustballerinnen und Faustballer programmgemäss beenden. Das Fanionteam der Frauen kam in der Nationalliga A auf den siebten Schlussrang, die Männer wurden in der NLB Vierte. Damit hat es sich aber auch schon mit den positiven Meldungen. Laut Daniel Laubi, seit 2007 Präsident des Traditionsvereins, wird die aktuelle Saison ein grosses finanzielles Loch in die Klubkasse reissen. Je nach Dauer des Shutdowns rechne man mit einem Minus von bis zu 40000 Franken – und das bei einem Gesamtbudget von 100000 Franken. Eine schier unglaubliche Zahl.

«Auf dem falschen Fuss erwischt»

Wie konnte es soweit kommen? Laubi erklärt: «Dass von heute auf morgen durch die bundesrätlichen Entscheide, die wir selbstverständlich mittragen, per sofort sämtliche Einnahmequellen versiegten, hat uns definitiv auf dem falschen Fuss erwischt.» Es gebe einige Aus­gabeposten, die die Vereinsrechnung belasten. Laubi: «So haben wir beispielsweise eine erhebliche Summe an das mittlerweile gestrichene Trainingslager vom April angezahlt.» Geld, das man kaum mehr zurückerhalten werde. Der grösste Brocken ist das neue Dress. «Eigentlich wären wir mit all den Zusagen der Sponsoren gerade so kostendeckend gewesen», sagt Laubi, «aber in der aktuellen wirtschaftlichen Lage können wir an die Geschäfte doch keine Rechnungen über 3000 bis 5000 Franken schicken.» Die Betriebe – die meisten davon sind KMU aus der Region – hätten jetzt andere Sorgen als einen Sponsoringbeitrag zu begleichen. Mit anderen Worten: Der STV Schlieren muss tief in die Kasse greifen, um die Textilien in Eigenregie zu bezahlen.

Auch ein grosser Posten: Die Miete für die Unterrohrhalle muss beglichen werden, Nichtbenützung wegen des Corona-Virus hin oder her. Da stellt sich die Frage, ob der 1988 gegründete Verein die massiven finanziellen Turbulenzen verkraften kann. «Wir können», gibt Laubi – notabene Rechnungsrevisor bei der Vermieterin der Unterrohrhalle, der Genossenschaft Sporthalle Unterrohr – Entwarnung. Man habe in der Vergangenheit seriös geschäftet, da liege ein solcher finanzieller Schaden drin. «Aber nur einmal», hebt der Präsident den Zeigefinger, «ein zweites Mal würden wir das nicht mehr verkraften.»
Man hoffe jetzt einfach, dass die Mitglieder ihre Jahresbeiträge fristgerecht einzahlen. Und dass es irgendeinmal wieder weitergehe. (rubu.)