Schlieren
Verein will Druck auf Limmattalbahn AG erhöhen

Unter dem Namen «Limmattalbahn – so nicht!» sollen Gegner von Teilprojekten der Bahn gemeinsam kämpfen. Ein Hauptthema des Vereins bleibt der Kampf für die Untertunnelung des Spitalquartiers anstelle einer Linienführung entlang der Spitalstrasse.

Florian Niedermann
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Der Schlieremer SVP-Präsident Rudolf Dober, Gemeinderätin Heidemarie Busch (CVP), Heidi Berri und Felix Kissling in der Spitalstrasse. fni

Der Schlieremer SVP-Präsident Rudolf Dober, Gemeinderätin Heidemarie Busch (CVP), Heidi Berri und Felix Kissling in der Spitalstrasse. fni

Vor rund einem Jahr gründeten Bewohner des Schlieremer Spitalquartiers eine Interessengemeinschaft, deren Ziel es war, die Limmattalbahn AG von der geplanten Linienführung zwischen Färberhüsli und der Urdorfer Industrie abzubringen. Nun haben sie zusammen mit politisch aktiven Bewohnern anderer Quartiere den Verein «Limmattalbahn – so nicht!» gegründet.

Vereins-Vize-Präsidentin und Gemeinderätin Heidemarie Busch (CVP) sagt, der Grund für diesen Schritt sei zum einen, dass man die Aktivität nun auch auf andere Streckenabschnitte ausweiten wolle. «Wir versuchen über die Gemeindegrenzen hinweg all jene Limmattaler hinter uns zu versammeln, die mit Teilprojekten der Bahn nicht zufrieden sind», erklärt sie. Präsident des Vereins ist Thomas Grädel, der selbst nicht im Spitalquartier wohnt. Man betreibe keine Fundamentalopposition gegen die Limmattalbahn, kämpfe aber dafür, dass die Einwände der Bevölkerung seitens der Projektleitung berücksichtigt würden, so Busch.

Mehr Mitglieder, mehr Gewicht

Heidi Berri, die Limmattalerin des Jahres 2010 und ehemalige Leiterin der Schlieremer Stadtbibliothek, sagt, man erhoffe sich, dass ein Verein mehr Gewicht habe als die Handvoll Mitglieder der IG. «Bisher haben die Funktionäre der Limmattalbahn AG unseren Anliegen nicht ausreichend Rechnung getragen», erklärt sie. Und Felix Kissling ergänzt, dass der Verein auch als Reaktion auf die Gründung der Allianz Pro Limmattalbahn entstanden sei: «Druck provoziert immer Gegendruck.»

Trotz der regionalen Ausrichtung des Vereins beschränken sich seine Forderungen derzeit noch auf einige neuralgische Punkte auf Schlieremer Boden. So will man etwa verhindern, dass bei der Geissweid ein Wendeplatz für die Tramlinie 2 entsteht. «Wir fragen uns, warum das Tram bis Schlieren fahren muss, wenn wir ja die Limmattalbahn haben», sagt der Schlieremer SVP-Präsident Rudolf Dober. Der Wendeplatz verschandle dieses Gebiet im Schlieremer Zentrum.

Ein Hauptthema des Vereins bleibt weiterhin der Kampf für die Untertunnelung des Spitalquartiers anstelle einer Linienführung entlang der Spitalstrasse. Man befürchtet zusätzlichen Verkehr aufgrund der Limmattalbahn und der damit verbundenen Schliessung der Schönenwerdstrasse in Richtung Urdorf. Ausserdem erachtet der Verein die Umgestaltung der Spitalstrasse im Zusammenhang mit dem Bahnprojekt als nicht zumutbar.

Neben den zwei Gleisen sind derzeit eine zweispurige Strasse, zwei Trottoirs und eine Zubringerstrasse auf der südwestlichen Seite der Gleise zur Erschliessung der anliegenden Wohnhäuser vorgesehen, wie Berri erklärt. «Diese Fläche geht auf Kosten der Bäume und Wiesen vor unseren Häusern. Statt Grün habe ich dann Grau vor meinem Fenster.» Bis anhin stellte sich die Limmattalbahn AG auf den Standpunkt, dass eine Untertunnelung nicht infrage käme, weil das Spital angeschlossen werden müsse und eine unterirdische Haltestelle ein Sicherheitsrisiko darstelle.

Seit der Gründung des Vereins «Limmattalbahn – so nicht!» am Montag haben sich bereits 20 Mitglieder angemeldet. Um noch mehr Mitstreiter zu finden, informieren die Aktivmitglieder im Rahmen zweier Standaktionen vom 2. und 7. Februar im Schlieremer Zentrum über ihre Anliegen und organisieren Ende Mai eine Podiumsdiskussion im Stürmeierhuus.

Weiter will man eine Petition an die Exekutiven in Schlieren und Dietikon einreichen und sie damit beauftragen, sich für die Einwände des Vereins starkzumachen. Nach einem Gemeinderatsbeschluss musste sich der Stadtrat schon einmal in der Delegiertenversammlung des Bahnprojekts für eine Verlängerung des Färberhüslitunnels einsetzen, wobei die Limmattalbahn AG darauf nicht einging. Rechnet man sich nun grössere Chancen aus? «Wir waren nach dem letzten Versuch enttäuscht», sagt Busch, «wir geben deswegen aber nicht auf.» Beim Hardturmstadion oder der N4 durch das Säuliamt habe sich gezeigt, dass mit ausreichend Druck aus der Bevölkerung auch Änderungen an grossen Projekten erreicht werden könnten.