Limmattal
Verdacht erhärtet sich: Zwei Hunde hatten Giftköder im Magen

Im Fall der fünf Hunde, die nach Spaziergängen in Spreitenbach zu Tode kamen, erhärtet sich der Verdacht, dass sie vergiftet worden sind. Nach dem Befund vom Samstag wurden nun zwei weitere verstorbene Hunde untersucht.

Florian Niedermann
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Bei zwei Hunden, die kürzlich nach einem Spaziergang in Spreitenbach verstorben sind, ist es sehr wahrscheinlich, dass ihr Tod mit Absicht herbeigeführt wurde.

Bei zwei Hunden, die kürzlich nach einem Spaziergang in Spreitenbach verstorben sind, ist es sehr wahrscheinlich, dass ihr Tod mit Absicht herbeigeführt wurde.

zvg

Vergangenen Samstag gab die Kantonspolizei Aargau bekannt, dass bei einem Untersuch zweier Kadaver ein Insektizid nachgewiesen werden konnte. Nun liegt bei zwei weiteren verstorbenen Hunden, die aus diesem Gebiet in die Kleintierklinik Bessys in Watt (ZH) eingeliefert worden waren, das Ergebnis eines pathologischen Untersuchs vor.

Demnach befand sich im Magen der beiden Tiere ein weisses Pulver zusammen mit Fleischresten, wie Rico Vannini, Leiter der Klinik auf Anfrage erklärt: «Sehr wahrscheinlich handelte es sich also um einen Giftköder.» Allerdings sei ihm der Befund des Untersuchs erst mündlich bestätigt worden, sagt Vannini. Den schriftlichen Bericht erwartet er in den kommenden Tagen.

Vor zwei Wochen gingen bei der Kantonspolizei Aargau mehrere Meldungen ein, wonach Hunde beim Spaziergang in Spreitenbach Symptome wie erhöhten Speichelfluss, Zittern und Kreislaufschwäche zeigten. Sie verstarben innert weniger Minuten. Die Kapo wollte gestern nicht bestätigen, dass es sich um eine gezielte Vergiftung handelte. Die durch die Polizei veranlasste Untersuchung der ersten beiden Hunde habe lediglich einen Hinweis darauf gegeben, welcher chemische Stoff zum Tod führte, teilte die Polizei auf Anfrage mit. Alles Weitere sei Gegenstand der laufenden Untersuchung. Die Kapo hofft auf Hinweise infolge ihres Zeugenaufrufs.

Fahrlässigkeit wäre möglich

Noch immer steht also auch die Möglichkeit im Raum, dass die Hunde nicht absichtlich vergiftet worden sind. Ihr Tod erklärt sich demnach so, dass sie Insektizid gefressen haben, das jemand unsachgemäss verwendet oder entsorgt hatte. «Hunde fressen umherliegende Dinge, solange sie nicht sehr unangenehm riechen, auch wenn sie nicht zu ihrer üblichen Nahrung zählen», erklärt Hanspeter Nägeli, Toxikologie am Zürcher Tierspital. Wenn jemand ein Insektizid an einem Ort lagere, zu dem Hunde Zugang hätten, oder wenn etwa Reste des Produkts weggeworfen würden, sei es möglich, dass es die Hunde entdeckt und gefressen hätten, erklärt er. «Diese Fahrlässigkeit ist dabei nicht weniger verwerflich, als eine Tötung», so Nägeli. Auch der Toxikologe schliesst eine Tötung per Giftköder nicht aus.

Für diesen Hintergrund spricht etwa, dass die fünf Hunde das Gift nicht am gleichen Ort gefressen haben. Die Vorfälle ereigneten sich unabhängig voneinander. Die Hundehalter kannten sich nicht und waren auch nicht zusammen unterwegs.

Könnte aber tatsächlich jemandem nachgewiesen werden, dass er oder sie Hunde mit Giftködern vorsätzlich tötete, so müsste er laut Artikel 26 des Tierschutzgesetzes mit einer Strafe von bis zu drei Jahren Gefängnis oder einer hohen Geldstrafe rechnen. Auch eine fahrlässige Tötung wird mit einer Geldstrafe von immerhin 180 Tagessätzen bestraft.

Hundebesitzer in der Region sind seit den Todesfällen alarmiert. Im Schlieremer Hundeclub Anubis wurde Mitgliedern geraten, die Tiere im Freien immer an die Leine zu nehmen oder gar mit einem Maulkorb auszurüsten, wie Vereinspräsidentin Nicole Fritschi bestätigt: «So kann man verhindern, dass sie auf Spaziergängen herumfressen.» Für die Hundefreunde steht derweil ausser Frage, dass es sich bei den fünf Spreitenbacher Fällen um einen Hundehasser handeln muss, der die Tiere vorsätzlich vergiftet hat, wie Fritschi sagt.

«Maulkorb schadet sicher nichts»

Hunden einen Maulkorb anzulegen, bezeichnet die Geroldswiler Tierärztin Carmen Müller als «extreme Massnahme, die aber sicher nichts schadet». Um die Tiere aber wirklich gegen giftige Substanzen schützen zu können, müsste man ihnen den Maulkorb immer anziehen, «und nicht nur nach einem solchen Vorfall», erklärt sie.

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