Limmattal
Väter haben beim Gewerbe noch immer einen schwierigen Stand

In Schlieren und in Dietikon können frischgebackene Väter heute fünf bezahlte Freitage einziehen. In Bundesbern ist nun aber der Thema Vaterschaftsurlaub von mehreren Wochen wieder auf der Agenda. Das Limmattaler Gewerbe lehnt den Vorschlag ab.

Alex Rudolf
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Vaterschaftsurlaub: 20 Vorstösse haben sich im Bundesparlament bisher mit diesem Thema beschäftigtkeystone

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Man sieht sie des Öfteren, die frischgebackenen Väter, die zu Bürozeiten mit ihren Sprösslingen die Sandkästen bevölkern. Der Wunsch der Männer, die das Vatersein und den Beruf vereinbaren wollen, nach einem gesetzlich verankerten Vaterschaftsurlaub zirkuliert seit mehreren Jahren im Bundeshaus. Mit einem Bericht des Bundesrates (siehe Box) ist die Diskussion um den Vaterschaftsurlaub neu entflammt.

Dafür ist es laut Markus Theunert, Präsident der Interessensorganisation männer.ch, «allerhöchste Zeit». In der Regel wird frischgebackenen Vätern in der Schweiz ein Tag Urlaub erstattet, doch auch dies liegt im Ermessen des Arbeitgebers und ist nicht gesetzlich festgehalten.

Adriana Cammarota (32), Birmensdorf, Marketingfachfrau «Auch mit dem Mutterschaftsurlaub bin ich nicht zufrieden, denn als Mutter ist der Wiedereinstieg ins Berufsleben sehr schwierig. Ich würde mich aber freuen, wenn die Unterstützung durch die Väter besser geregelt wird. Vor allem in der ersten Zeit, wenn ein Kind auf die Welt kommt. Sechs Wochen Vaterschaftsurlaub sind sicherlich eine gute Verhandlungsbasis.»
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Rolf Bühler (42), Birmensdorf, Postangestellter «Ich halte dies für eine sinnvolle Diskussion. Trotzdem glaube ich, dass der Mutterschutz stärker sein müsste. Gerade nach der Geburt kann ein Vater nicht allzu viel für das Kind tun. Jedoch sind auch einige Wochen nicht mehr als eine Kompromisslösung. Ein Modell, in dem die Mutter besser geschützt ist, wäre für die Schweiz sicherlich sinnvoll.»
Markus Bertschinger (46), Urdorf, Bauherrenberater «Einen Tag Vaterschaftsurlaub, so wie es im Moment viele Firmen handhaben, ist eine absolute Katastrophe. In vielen europäischen Ländern, rund um die Schweiz, ist diese Situation heute schon viel besser geregelt. Auch die Möglichkeit von unbezahlten Ferien wäre wünschenswert, in Form einer gesetzlichen Regelung natürlich.»
Ursula Saxer (39), Urdorf, Kaufmännische Angestellte «Ich würde es wirklich sehr begrüssen, wenn der Mann seine Frau unmittelbar nach der Niederkunft besser unterstützen könnte. Sechs Wochen Vaterschaftsurlaub sind bestimmt eine gute Basis, tendenziell würde ich aber eine längere Auszeit noch mehr begrüssen. Gerade in der ersten Phase, wenn ein Kind auf die Welt gekommen ist.»

Adriana Cammarota (32), Birmensdorf, Marketingfachfrau «Auch mit dem Mutterschaftsurlaub bin ich nicht zufrieden, denn als Mutter ist der Wiedereinstieg ins Berufsleben sehr schwierig. Ich würde mich aber freuen, wenn die Unterstützung durch die Väter besser geregelt wird. Vor allem in der ersten Zeit, wenn ein Kind auf die Welt kommt. Sechs Wochen Vaterschaftsurlaub sind sicherlich eine gute Verhandlungsbasis.»

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Öffentliche Hand ist gut aufgestellt

Während in der Stadtverwaltung Schlieren dasselbe Personalrecht wie für Angestellte des Kantons gilt, hat die Stadtverwaltung Dietikon ihre eigene Personalverordnung. In beiden Fällen können frischgebackene Väter fünf bezahlte Freitage einziehen. Angestellte des Kantons können neben den fünf Freitagen zudem einen Monat unbezahlten Urlaub innerhalb des ersten Lebensjahres des Sprösslings einfordern. Dies ist in Dietikon nicht vorgesehen, wie Personalleiterin Annelies Scola sagt. Auf die Frage, ob dies den männlichen Angestellten genüge, verweist sie darauf, dass es diesbezüglich keine Erhebungen gebe. Auch in Schlieren sei einem das Bedürfnis nach mehr Vaterschaftsurlaub nicht zu Ohren gekommen, so Geschäftsleiter Martin Studer.

Die männlichen Angestellten des Spital Limmattal kommen nach Angaben des «Limmi» in den Genuss von drei bezahlten Freitagen nach der Geburt eines Kindes.

Generell gilt: Bei der öffentlichen Hand und im Gesundheitswesen sind mehr Frauen als Männer angestellt. Bei der Stadt Dietikon werden 32 Prozent Männer beschäftigt, im Spital Limmattal sind es sogar nur deren 21 Prozent. Die überwältigende Mehrheit der Väter im Limmattal, die von einem gesetzlich verankerten Vaterschaftsurlaub profitieren würden, sind also in der Privatwirtschaft zu finden. Für diese gebe es aber oft keinen genügenden Vaterschaftsurlaub, so Markus Theunert: «Es kann nicht sein, dass nur Staatsangestellte und Angestellte einiger multinationaler Unternehmen in den Genuss eines Vaterschaftsurlaubs kommen.»

Freitage sind Sache der Firmen

«Ein gesetzlich vorgeschriebener Vaterschaftsurlaub wäre ein massiver Kostentreiber», sagt Gregor Biffiger. Der Präsident des Gewerbeverbandes Limmattal hält das vom Markt bestimmte Angebot an Vaterschaftsurlaub für ausreichend. «Es muss im Ermessen einer jeden Firma liegen, ob sie ihren Mitarbeitern diesen Urlaub finanzieren kann und will», sagt er.

Keine allgemeingültigen Regelungen

Die Debatte über den Vaterschaftsurlaub läuft in der Schweiz schon lange. Anders als in EU-Staaten sind Männer hierzulande auf das Entgegenkommen ihres Arbeitgebers angewiesen. Bisher scheiterten alle Vorstösse - es sind deren 20 - für einen gesetzlich verankerten allgemeingültigen Vaterschaftsurlaub. Ein Postulat der Basler Ständerätin Anita Fetz (SP) aus dem Jahr 2011 veranlasste Bundesrat Alain Berset, dem Gesamtbundesrat einen Bericht zu unterbreiten, der verschiedene Modelle zum Thema Vaterschaftsurlaub beinhaltet. Das Thema ist demnächst wieder im Parlament. (aru)

Dabei lässt sich bei Arbeitnehmern von Limmattaler KMU durchaus das Bedürfnis nach mehr Vaterschaftsurlaub feststellen. Chantal Büchi, Leiterin Human Resources, der Zühlke Gesellschaften in der Schweiz mit Sitz in Schlieren, stellt diese Tendenz fest. «Oft ist es so, dass Männer den zwei Urlaubstagen noch rund zwei Wochen aus ihrem Ferienkontingent nach der Geburt ihres Kindes anhängen.» Zühlke beschäftigt am Standort Schlieren rund 300 Angestellte - rund zehn Prozent davon sind Frauen. Dass Jungväter im Anschluss an den jeweiligen Vaterschaftsurlaub, den die Firma bietet, vermehrt ihr reguläres Ferienkontingent anzapfen, wird auch in anderen Limmattaler Firmen beobachtet. Meist würden sie noch ein paar Tage oder eine Woche zusätzlich zu Hause bleiben, heisst es bei verschiedenen Personalabteilungen.

Bereits Mutterschaftsurlaub bekämpft

Ein gesetzlich geregelter Vaterschaftsurlaub scheint trotz Diskussion fern, das machen die verschiedenen Aussagen der Umfrage im Limmattal deutlich. Während Markus Theunert ein gesamtschweizerisches 3-Säulenmodell vorschwebt, das von der öffentlichen Hand, der Privatwirtschaft und dem Arbeitnehmer getragen werden soll, hält Gregor Biffiger fest, dass er «seinerzeit gegen die gesetzliche Verankerung des Mutterschaftsurlaubs angekämpft» habe.