Bezirksgericht Dietikon
Vater für Schläge gegen seine Kinder gebüsst - Vergewaltigung nicht erwiesen

Ein Limmattaler Familienvater musste sich am Dienstag vor Gericht wegen schweren Delikten gegenüber seiner Familie verantworten. Der Vater mit italienischer Herkunft wurde nur für Schläge gegen seine Kinder gebüsst. Vom Vorwurf der Vergewaltigung wurde er freigesprochen.

Attila Szenogrady
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Gewalt an Kindern (Symbolbild)

Gewalt an Kindern (Symbolbild)

Keystone

Das Dietiker Bezirksgericht musste sich mit dem Thema «Vergewaltigung in der Ehe» befassen. So lastete die Staatsanwaltschaft IV für Gewaltdelikte einem italienischen Vater aus dem Limmattal mehrere schwere Delikte gegenüber seiner Familie an. Unbestritten war, dass die Polizei den heute über 40-jährigen Beschuldigten im Januar 2015 festnahm und er danach 42 Tage im Gefängnis verbrachte.

«In Süditalien würde es sie nicht mehr geben»

Als der zuständige Staatsanwalt Michael Scherrer gegen den Bauarbeiter im Juni 2015 Anklage erhob, wogen die Vorwürfe schwer. Einerseits soll der Südeuropäer seine Ehefrau im November 2014 am gemeinsamen Wohnort gegen ihren Willen zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben. Andererseits hatte er sie laut Anklage wenige Wochen später aufgrund von ihren Trennungsabsichten als «dumme Kuh» beschimpft und ihr erklärt, dass sie Glück habe, in der Schweiz zu sein. In Süditalien würde es sie nicht mehr geben.

Zudem soll er seine beiden Kinder wiederholt geschlagen und am Hals gepackt haben. Staatsanwalt Scherrer verlangte in der Anklageschrift wegen Vergewaltigung in der Ehe, Drohung, Beschimpfungen sowie Tätlichkeiten eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten. 10 Monate davon sollte der weitgehend nicht geständige Italiener absitzen.

Familie zeigte Desinteresse

Als der Prozess am Dienstag eröffnet wurde, war die Anklage bereits erheblich geschwächt. So stellte sich gleich zu Beginn heraus, dass die heute von ihrem Mann getrennt lebende Frau sowie die beiden Kinder inzwischen ihr Desinteresse an einer Bestrafung des Vaters erklärt hatten. Damit fielen die Antragsdelikte wie die Beschimpfungen weg.

Was verblieb, war die Vergewaltigung sowie ein Teil der noch nicht verjährten Tätlichkeiten. Schuldpunkte, die der Vater weiterhin in Abrede stellte und seinen Verteidiger im Hauptantrag auf umfassende Freisprüche plädieren liess. Auch Staatsanwalt Scherrer krebste zurück und forderte nur noch eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten.

Busse statt Freiheitsstrafe

Zum Schluss obsiegte vorwiegend die Verteidigung. So sah das Gericht nur die Tätlichkeiten zum Nachteil der Kinder als erwiesen an. Im Gegensatz zur Vergewaltigung, die sich nicht erhärten liess. So habe die ehemalige Privatklägerin während der Untersuchung an einer Stelle erklärt, dass ihr Mann beim Sex grob, aber nicht gegen ihren Willen vorgegangen sei.

An anderer Stelle habe sie von erzwungenem Sex gesprochen, diese beiden Schilderungen jedoch nicht voneinander abgegrenzt, erklärte der Gerichtsvorsitzende Stephan Aeschbacher. Deshalb sei es nach dem Grundsatz in dubio pro reo zu einem Freispruch gekommen.

Für die Tätlichkeiten gab es eine Busse von 1000 Franken, die der Mann mit zehn Tagen im Gefängnis bereits geleistet hat. Für die restlichen 32 Tage Haft erhielt er eine Genugtuung von 6400 Franken sowie 5000 Franken Schadenersatz.

Nicht erschienen: Gericht mahnt Staatsanwalt ab

Aussergewöhnlich war zuletzt, dass das Gericht den an der Urteilseröffnung nicht mehr erschienenen Staatsanwalt Scherrer abmahnte. Dieser hatte während der Beratung per Fax seinen Verzicht auf die Teilnahme an der Urteilsverkündigung dargelegt. Aufgrund einer nicht vorhergesehenen «Datenkollision».

Was das Gericht laut Präsident Aeschbacher mit Befremden zur Kenntnis nahm. «Es ist nicht das Recht, sondern die Pflicht eines Staatsanwaltes, an der Urteilseröffnung teilzunehmen», erklärte Aeschbacher und fügte hinzu, dass sich das Gericht diesbezüglich angemessene Schritte vorbehalte.