Dietikon
Urteil in Hausfrauenstreit: Tätlichkeiten ja, Beschimpfung nein

In Dietikon sind zwei Hausfrauen im Treppenhaus einer Liegenschaft massiv aneinander geraten. Eine der streitbaren Damen wurde vor dem Zürcher Obergericht erneut wegen Tätlichkeiten verurteilt.

Attila Szenogrady
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Das Obergericht schlug zum Schluss einen Mittelweg ein:

Das Obergericht schlug zum Schluss einen Mittelweg ein:

Keystone

Kratzen, Schlagen und Haare-Reissen: Zwei Hausfrauen haben sich am 23. April 2013 im Treppenhaus einer Dietiker Liegenschaft eine wilde Keilerei geliefert. Auslöser war, dass eine heute 43-jährige Spanierin den Kinderwagen einer Nachbarin beim Hauseingang eigenmächtig verschoben hatte. Worauf sich die heute 29-jährige Mutter aus Mazedonien bei ihrer Anwohnerin massiv beschwerte.

Auf Schimpfwort «Nutte» folgte die Keilerei

Laut Anlage war es nun die Spanierin, welche die Frau vom Balkan auf jugoslawisch als «Kurva» bezeichnete. Was auf Deutsch «Nutte» bedeutet. Nach der Gegenfrage der Mazedonierin, wer hier eigentlich die «Nutte» sei, ging es zur Sache. Laut Anklage gingen die beiden Hausfrauen aufeinander los.

Sie rissen sich an den Haaren, verteilten Faustschläge und landeten im Rahmen eines Ringkampfes auf dem Boden. Bis ein beherzter Nachbar eingriff und die beiden streitbaren Damen auseinander brachte. Worauf die Spanierin in ihre Wohnung flüchtete und die Polizei alarmierte.

Trotz Schuldsprüchen keine Strafen

Die Staatsanwaltschaft Limmttal/Albis leitete eine Strafuntersuchung ein und brachte beide Frauen wegen Beschimpfung und Tätlichkeiten vor Gericht. Zuerst in Dietikon, wo sich beide Parteien bereits im Juni 2014 vor den Schranken verantworten mussten. Dabei belegte das Dietiker Gericht beide verfeindete Nachbarinnen mit Schuldsprüchen, verzichtete aber infolge Geringfügigkeit der Tatfolgen auf irgendwelche Bestrafungen. Während die Ibererin das nachsichtige Dietiker Verdikt akzeptierte, zog die Mazedonierin den Fall weiter und verlangte vor dem Zürcher Obergericht erneut einen vollen Freispruch.

Tätlichkeiten ja, Beschimpfung nein

«Ich habe mich nur verteidigt», erklärte die Mutter und machte Notwehr geltend. Auch ihr Verteidiger forderte Freispruch und kritisierte das Dietiker Urteil scharf. So habe dieses eine Rechtsbeugung begangen, plädierte er. Vor allem die blosse Frage, «wer hier ist eine Nutte?», sei noch lange keine Beschimpfung.

Das Obergericht schlug zum Schluss einen Mittelweg ein. Es sprach die Mazedonierin vom Vorwurf der Beschimpfung tatsächlich frei. So sei es alleine aufgrund der Fragestellung nicht erwiesen, dass die Beschuldigte die Beschimpfung zurückgegeben habe.

Bei den Tätlichkeiten kannte aber auch das Obergericht kein Pardon. So sei die Beschuldigte über die Treppe hinaufgegangen und habe sich auf ihre Kontrahentin gestürzt. «Sie hat die Auseinandersetzung gesucht», führte der Gerichtsvorsitzende Christoph Spiess dazu aus.

Auch das Obergericht verzichtete trotz des einen bestätigten Schuldspruchs auf eine Bestrafung. Allerdings muss die Hausfrau die Hälfte der bisher aufgelaufenen Kosten von rund 4500 Franken tragen. Wobei ihr im Gegenzug wegen des Teilfreispruchs vom Obergericht eine reduzierte Prozessentschädigung von 4 200 Franken zugesprochen wurde. Am schlimmsten leidet die Beschuldigte allerdings unter einer aussergerichtlichen Folge. So hat sie infolge des Vorfalls die Kündigung der Familienwohnung erhalten und muss bald ausziehen.