Zürich

Urgestein der Limmattaler Rockszene: Acapulco Stage Divers feiert 20-jähriges Bestehen mit neuem Album

Die Band erzählt der Limmattaler Zeitung von Konzerten in legendären Klubs wie dem Abart und ihrem neuen Album – das notabene auch vertonte Schilderungen des ehemaligen Zürcher Zoodirektors enthält.

Seit 20 Jahren unterwegs und kein bisschen müde. Im Gegenteil. «Ich würde gerne auch unseren 30. Geburtstag feiern können», sagt Thomas Hoffmann, Sänger und Gitarrist der Acapulco Stage Divers. Zuerst einmal gilt es aber, das 20-Jahr-Jubiläum der fünfköpfigen Limmattaler Rockband zu begehen. Eigentlich hätte dies im Rahmen eines Konzertes samt Plattentaufe am 4. Dezember im Zürcher «Bogen F» über die Bühne gehen sollen. Doch der Auftritt fällt Corona zum Opfer. Er soll nächstes Jahr nachgeholt werden.

Das neue Album erscheint aber wie geplant. «Bedrohte Art» heisst es und verweist ­damit auch ein wenig auf die Band selber, obschon dies nicht die Absicht der Musiker war, wie sie in einer Mitteilung zur neuen Platte schreiben. Vielmehr würden in Songs wie «Was soll aus uns werden», «Zu viel» und «Nichts mehr zu verlieren» ihre ganz persönlichen Beobachtungen und Sorgen zum Zustand der Welt einfliessen, heisst es dort. Ferner ist es das erste Album der Band seit ihrem Release «23/10/00».

«Unsere Freundschaft über all die Jahre erhalten»

Im Song «Luchs» geht es dann ganz konkret um ein vom Aussterben bedrohtes Tier. Dabei wurden Schilderungen des ehemaligen Zürcher Zoodirektors Alex Rübel vertont. «Ich habe seine Zoogeschichten im Radio gehört, und so ist die Idee entstanden, ihn anzufragen, ob er uns einen Text für unser Album sprechen könnte», sagt Hoffmann. Ebenso spontan habe Rübel zugesagt, ergänzt Bassist Oliver Müller. «Wir haben ihn dann im Zoo getroffen und seinen Text zum Luchs aufgenommen», so Müller. Müller ist in der Zürcher Musikszene neben seiner Tätigkeit als Bassist für die Acapulco Stage Divers auch unter seinem Künstlernamen Ian Constable bekannt – sein Song «Hippiekacke» gilt noch immer als Klassiker.

Auch wenn die Musiker keinen direkten Bezug zwischen dem Albumtitel und ihrer Geschichte herstellen wollen, ganz von der Hand weisen lässt er sich nicht. Dass eine Band 20 Jahre ohne Besetzungswechsel auskommt, ist keine Selbstverständlichkeit. «Das ist ein Privileg», sagt denn auch Hoffmann. Eines, das sich die Band erarbeitet hat. «Wir haben unsere Freundschaft über all die Jahre aufrechterhalten», sagt Müller. Die wöchentlichen Proben seien zu einem Fixpunkt geworden. «Es ist ein Ritual», fügt ­Gitarrist Stefano Pedrazzi an.

Den ersten Auftritt hatten sie 2001 im Provitreff

Auch an der Grundeinstellung, einfach Musik zu machen, habe sich über all die Jahre nichts geändert, sagt Hoffmann. «Das war schon so, als mir Thomas damals sagte, er wolle eine Band gründen. Ich war sofort dabei, obwohl ich gar kein Instrument besass. Meinen ersten Bass kaufte ich dann am Tag der ersten Bandprobe», erinnert sich Müller.

Einfach Musik gemacht haben die Acapulco Stage Divers auf vielen Bühnen. Vor allem in und um Zürich. Auch im Limmattal sind sie bis heute gern gesehene Gäste. So traten sie etwa am Dietiker Stadtfest 2018 auf. Am Weininger Rebblüetefäscht sind sie regelmässig zu Besuch. Ihren ersten Auftritt absolvierten sie 2001 allerdings im Zürcher Provitreff am Sihlquai. «Ich habe mich damals vor dem Konzert gefragt, ob uns überhaupt jemand hören will und den Leuten unsere Musik gefällt. Als das Publikum nach dem ersten Song dann applaudierte, war das schon ein besonderer Moment», sagt Müller.

Während das Provitreff wie auch die Acapulco Stage Divers weiterhin existieren, haben einige Clubs, in denen die Band aufgetreten ist, ihre Türen längst geschlossen. Etwa das «Abart» an der Manessestrasse im Zürcher Kreis 3 oder das «Luv» im Seefeld. Auch daran lässt sich ablesen, dass die Band noch aus «einer anderen Zeit stammt», wie es Hoffmann ausdrückt. «Früher war es einfacher, an Auftritte zu kommen. Da hiess es im Ausgang ‹Ich habe gehört, Du hast ein Band, wollt ihr bei uns auftreten?›», sagt Müller. Das sei heute anders, auch weil es gar nicht mehr so viele Konzertlokale gebe wie damals. Die fünf Musiker werten es denn auch als grossen Erfolg, dass sie auch heute noch regelmässig gebucht werden. «Wir haben uns immer als Liveband gesehen», sagt Hoffmann. Neben den Acapulco Stage Divers schreibt er auch Material für sein Soloprojekt.

Geld hat die Band mit ihren Konzerten und Platten nie verdient. «Natürlich träumt man davon, vielleicht irgendwann mal von der Musik leben zu können. Und klar wäre es schön, die eigenen Songs im Radio zu hören. Wir haben die Acapulco Stage Divers aber nicht mit dieser Absicht gegründet», sagt ­Pedrazzi. Dafür seien andere Träume in Erfüllung gegangen.

Auch im El Lokal treten sie gerne auf

Ein Highlight sei etwa der gemeinsame Auftritt mit der österreichischen Rockband Naked Lunch gewesen. Gitarrist Ken Ebizuka wertet es als Erfolg, im «El Lokal» auftreten zu können, «einer Beiz, in der ich selber gerne Konzerte besuche». Und für Schlagzeuger Mario Kummer ist das Unterwegssein mit der Band immer wieder etwas Besonderes, «vor allem dann, wenn wir gemeinsam in einem Bus zu einem Konzert fahren».

Über all die Jahre hätten sie so viele Menschen getroffen, denen sie nie begegnet wären, würden sie nicht in einer Band spielen. Daran soll sich so bald auch nichts ändern. Bis zum nächsten Jubiläum dauert es noch zehn Jahre.

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