Budget

Urdorfs Schulden steigen auch 2014 weiter an - Steuerfuss bleibt, wie er ist

Thomas Hächler, Finanzvorstand Urdorf

Thomas Hächler, Finanzvorstand Urdorf

Urdorf steht finanziell unter Druck. Ein knapper Aufwandüberschuss, gleichbleibende Steuerfüsse – aber die Investitionen sorgen für Sorgen. Eine Anhebung des Steuerfusses ist politisch kaum zu rechtfertigen.

Weil die Gemeinde einst auf eine wachsende Bevölkerung und bis zu 20 000 Einwohnern ausgerichtet wurde, wurde schon vor Jahren eine entsprechende Infrastruktur geschaffen. Tatsächlich stagnierte die Einwohnerzahl aber bei rund 9500. Nun trägt die Hälfte der früher prognostizierten Steuerzahler die Instandhaltung der vormals erstellten Bauten.

Die Folge: Trotz mehr oder weniger ausgeglichener laufender Rechnungen stieg in den vergangenen Jahren die Nettoschuld der Politischen Gemeinde immer weiter an (siehe Grafik). Gemäss Voranschlag 2014 wird sich das im kommenden Jahr nicht ändern. Dennoch belassen die Politische und die Schulgemeinde ihren Steuerfuss – zusammengenommen – bei 118 Prozent (je 59 Prozent). Das Budget ist an der Gemeindeversammlung vom 27. November traktandiert.

Die Politische Gemeinde Urdorf kämpft mit wachsenden Schulden.

Die Politische Gemeinde Urdorf kämpft mit wachsenden Schulden.

Kleines Minus, höhere Schulden

Die Politische Gemeinde budgetiert im kommenden Jahr ein kleines Minus von rund 960 000 Franken. Einem ordentlichen Ertrag von 51,4 Millionen steht ein Aufwand von knapp 52,4 Millionen gegenüber. Weniger Steuern aus den Vorjahren und der Wegfall des einmaligen kantonalen Finanzausgleichs führen im Bereich Finanzen und Steuern zu Minderträgen von 1,9 Millionen. Mit einem Cashflow von rund 1,35 Millionen können aber nur gerade ein Fünftel der Nettoinvestitionen (6,8 Millionen) gedeckt werden. Davon sind die grössten Posten Massnahmen zur Erhaltung bestehender Infrastruktur, wie etwa die geplante Sanierung des Bachschulhauses (0,8 Millionen) und diverse Strassenarbeiten (2,12 Millionen). Dazu kommen Abschreibungen von 3,5 Millionen.

Da die Politische Gemeinde hinsichtlich ihres Eigenkapitals noch immer gut da steht, kann das Minus damit ausgeglichen werden. Das Eigenkapital sinkt demnach auf 17,5 Millionen. Für die Investitionen muss die Gemeinde aber Fremdkapital aufnehmen. So steigt die Nettoschuld von 24,5 Millionen auf knapp 30 Millionen.

Keine Tilgung mit Eigenkapital

Das Eigenkapitalpolster kann für die Schuldentilgung nicht genutzt werden, wie Finanzvorstand Thomas Hächler sagt: «Es handelt sich dabei nicht um Geld, das man auf einer Bank hat. Darin sind etwa auch Immobilienwerte enthalten.» Man brauche diesen buchhalterischen Wert, um die laufende Rechnung in defizitären Jahren auszugleichen, ohne die Steuern anpassen zu müssen.

Das übergeordnete finanzpolitische Ziel der Politischen Gemeinde ist es deshalb weiterhin, Erträge zu maximieren und die Aufwandseite bewusst zu steuern, wie Hächler erklärt. Gleichzeitig soll die Lebensqualität erhalten werden. Um die Verschuldung beider Güter reduzieren zu können, müsse sich die Einwohnerzahl signifikant erhöhen, so Hächler. Bliebe also als Mittel gegen die Schulden, dass die Bevölkerung tatsächlich wächst und so für mehr Steuersubstrat sorgt. Entsprechende Bemühungen der Gemeinde seien aber von der Bevölkerung schon mehrmals abgelehnt worden, sagt Hächler: «Wann immer wir in letzter Zeit Land einzonen wollten, lehnte es die Gemeindeversammlung ab.»

Steuererhöhung ist keine Option

Eine weitere Möglichkeit bestände darin, den Steuerfuss anzuheben. Dies sei aber politisch kaum zu rechtfertigen, sagt Hächler: «Bei einer soliden Eigenkapitallage der Politischen Gemeinde und fast ausgeglichener laufender Rechnung würde es nicht verstanden, wenn wir die Steuern erhöhen.»

Er habe mehrfach darauf hingewiesen, dass die Bevölkerung mit ihren Entscheiden die Schulden der kommenden Generation überlasse: «Denn wenn es um die Frage geht, ob die Gemeinde zusätzliches Geld aufnehmen soll, um etwa ein Hallenbad zu sanieren, dann ist erfahrungsgemäss der Mehrheit die Erhaltung der Urdorfer Lebensqualität wichtiger als der Schuldenabbau», so Hächler.

Der Voranschlag der Schulgemeinde Urdorf weist einen Aufwandüberschuss von 2,3 Millionen auf. Einem Bruttoaufwand von 21,5 Millionen steht ein Ertrag von 19,2 Millionen gegenüber. Bei Investitionen von knapp 2 Millionen schlägt vor allem der geplante Neubau eines Doppelkindergartens zu Buche (siehe Box). Der Aufwand erhöhte sich gegenüber 2013 um 471 000 Franken – hauptsächlich im Bereich Personal. Dies infolge einer Aufstockung des Lehr- und Verwaltungspersonals sowie eines doppelten Stufenanstiegs beim Lehrpersonal. «Diese Kosten lassen sich angesichts der wachsenden Schülerzahlen nicht verhindern», sagt Irmgard Struchen, Finanzvorsteherin der Schulgemeinde.

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