Tennis

Urdorferinnen schlagen Belinda Bencic im Doppel

Dank furioser Aufholjagd und viel Nervenstärke ringt der Tennisclub Weihermatt Chiasso zum Interclub-Auftakt in der Nationalliga A ein 3:3 Unentschieden ab. Auch weil die Urdorferinnen ihr Doppel gegen Bencic gewinnen.

«Ich bin überglücklich. Wir ­haben stark gespielt und die Stimmung war grandios», sagt Andrea Dürst, Trainerin der Nati-­A-Damen beim TC Weihermatt. Gegen die Titelverteidigerinnen aus Chiasso, angereist mit Belinda Bencic und zwei weiteren Top-10-Schweizerinnen, holten die Urdorferinnen dank zwei Doppel­siegen zum Schluss sensationell ein 3:3 heraus. «Die ganze Organisation lief super», so Dürst. Der ganze Anlass habe eine gute Visitenkarte für den TC Weihermatt abgegeben.

Lange sah es gestern danach aus, als müssten sich die Urdorferinnen mit einer ehrenhaften Niederlage begnügen. Ein besseres Drehbuch für den Saisonauftakt der Interclub-Saison hätte auch Dürst nicht schreiben können. Die Matches boten intensive und spektakuläre Ballwechsel und viele Entscheidungstiebreaks stellten die Nerven der Zuschauer auf die Probe. Das nahende Unwetter sorgte mit Blitz und Donner für zusätzliche Dramatik. Unmittelbar vor dem kurzen Regenunterbruch zogen so starke Windböen über die Anlage, dass ­Bencic mit kopfschüttelndem Lachen einen Unterhand-­Service ins Feld spielte.

Viele Zuschauer von Anfang an mit dabei

Bereits zum Start am Mittag waren viele Zuschauer auf der Anlage. Die Begegnung in Urdorf begann für das Heimteam vielversprechend. Auf dem Center Court führte Anna Bondar, die neben Julia Grabher als zweite Ausländerin für den TC Weihermatt antrat, schnell mit Break gegen Conny Perrin. Auf dem Nebenplatz streute Chiara Grimm gegen die höher klassierte Joanne Züger immer wieder Slices und Stoppbälle ein und konnte bei 5:4 zum Satzgewinn aufschlagen. Dennoch verloren die Urdorferinnen auf beiden Plätzen den ersten Satz.

Grimm konnte sich vom Rückschlag nicht mehr erholen und verlor ihre Partie mit 5:7, 3:6. Die Ungarin Bondar startete trotz verlorenem Tiebreak ­furios und sicherte sich den zweiten Satz mit 6:3. Im entscheidenden Champions-Tiebreak – im Interclub wird bei Gleichstand ein Tiebreak auf 10 Punkte gespielt statt einem dritten Satz – behielt Bondar die Nerven und verbuchte den ersten Punkt fürs Heimteam.

Belinda Bencic verfolgte die beiden Matches zusammen mit ihrem Konditionstrainer und Freund Martin Hromkovic von der Clubhausterrasse aus. Aber ausser ein paar tuschelnden Teenagern und einer Filmkamera, die sich zwischendurch auffällig stark für das Geschehen neben dem Platz zu interessieren schien, deutete nichts darauf hin, dass hier eine der besten Tennisspielerinnen der Welt zu Besuch ist.

Break gegen Bencic weckt die Zuschauer auf

Obwohl die Urdorfer Zuschauer deutlich in der Überzahl waren, unterstützten die mitgereisten Tessiner ihren Club immer wieder mit lauten Zwischenrufen. Aber als Julia Grabher gleich zu Beginn gegen Bencic ein Break zum 2:1 gelang, ging ein Raunen durchs Publikum. Die Österreicherin ging mit ihren kraftvollen Schlägen viel Risiko ein, schlug aber auch viele Winner, für die sie immer wieder Szenenapplaus erhielt.

Grabher konnte bei der Power gut mithalten. Aber Bencic nutzte ihre spielerische Überlegenheit gnadenlos aus und siegte 6:3, 6:4. «Sie hat sehr unangenehm und gut gespielt», lobte Bencic ihre Kontrahentin. Ihre Zeit auf der kleinen Tennisanlage genoss sie sichtlich: «Urdorf hat einen wunderschönen Club und es herrscht eine tolle Heimatmosphäre», sagte sie. Überhaupt habe sie sich sehr auf die Saison gefreut, weil sie schon früher immer Interclub gespielt habe und Tennis gerne auch als Teamsport erlebe.

Freude über Fortschritte der alten Teamkolleginnen

«Es ist megacool, im Heimclub so ein Duell sehen zu können», sagte Isabella Bellotti, die bis vor zwei Jahren selbst für die TCW-Damen spielte. Es sei auch toll, die Fortschritte von langjährigen Mitspielerinnen wie Jenny Dürst gegen so gute Kontrahentinnen auf dem Platz zu sehen.

Für Dürst lag im Einzel gegen Susan Bandecchi, die Nummer 10 der Schweiz, nur ein Achtungserfolg drin. Obwohl sie sich nach einem Rückstand im zweiten Satz nochmals mit viel Biss herangekämpft hatte, unterlag sie schliesslich mit 3:6, 4:6. Die beiden Spielerinnen wurden auf dem Nebenplatz nur von wenigen Fans und Insidern beobachtet, weil alle anderen Augen auf Bencic gerichtet waren. «Sie spielte sehr schnell und machte enorm Druck, das war schwierig. Aber sie machte auch Fehler, weil sie merkte, dass ich dagegenhalten kann», analysierte Dürst.

Die Enttäuschung über die Niederlage währte aber nicht lange. Im Doppel siegte sie zusammen mit Grabher gegen Bencic und Züger mit 6:4, 6:1, 10:7. Die heimischen Zuschauer waren inzwischen aufgewacht und feuerten ihr Team mit Leib und Seele an. Weil auch Bondar und Grimm im Doppel mit 7:6, 4:6, 10:3 gegen Perrin und Bandecchi gewannen, sicherte sich der TC Weihermatt doch noch das Unentschieden.

Und das, nachdem den Urdorferinnen vor einem Jahr beim 1:5-Auftakt gegen Chiasso gerade die entscheidenden Champions-Tiebreaks zum Verhängnis wurden. «Es gibt uns Selbstvertrauen zu sehen, dass wir mit so einem guten Team mithalten können», sagte Jenny Dürst zuversichtlich. Morgen treten die TCW-Damen erneut zu Hause an. Nach dieser Leistung werden die Gäste aus Kreuzlingen sicher mit viel Respekt anreisen.

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