Musik
Urdorferin spielt im Hallenstadion: «Filmmusik ist sehr anspruchsvoll»

Die Violinistin Désirée Albicker spielt im Filmmusikorchester 21st Century Orchestra. Am Sonntag tritt sie im Hallenstadion Zürich live zur Ausstrahlung des Originalfilms «Star Wars – A New Hope» auf.

Flavia Lehmann
Merken
Drucken
Teilen
Désirée Albicker liebt nicht nur ihre Geige, sondern auch Pflanzen und die selbst gemalten Bilder ihres Grossvaters.

Désirée Albicker liebt nicht nur ihre Geige, sondern auch Pflanzen und die selbst gemalten Bilder ihres Grossvaters.

Frau Albicker, morgen spielen Sie im Hallenstadion Zürich live zur Ausstrahlung des Originalfilms «Star Wars - A New Hope». Haben Sie selber einen Bezug zum Film?

Désirée Albicker: Ich habe einen älteren Bruder, der als Kind ein grosser Fan von Star Wars und Star Trek war. Mit ihm habe ich alle Filme geschaut. Das gibt einem schon ein gewisses Extra, wenn man als Musiker im Filmmusikorchester eine so besondere Verbindung zum Film hat.

Seit drei Jahren sind Sie nun festes Mitglied des Filmmusikorchesters 21st Century Orchestra. Wie kommt man da rein?

Die sogenannten Zuzüger werden von Stamm-Musikern vorgeschlagen und unterstützen das Orchester bei gewissen Projekten. Andere schicken ihren Lebenslauf und schaffen es so auf die Zuzügerliste. Wenn man schon länger und öfters mitgespielt hat, kann man in den Stamm des Orchesters aufgenommen werden, sobald ein Platz frei wird.

Wurden Sie vorgeschlagen?

Ja, als das Orchester 2012 auf der Suche nach Violinisten für eine Tournee war, spielte ich gerade mit einem Bratschisten des Orchesters Kammermusik. Deshalb schlug er mich vor. Vier Jahre später habe ich dem Konzertmeister vorgespielt und wurde daraufhin in den Stamm aufgenommen.

Seither sind Sie mit dem 21st Century Orchestra bereits in Paris, London, New York und Dubai aufgetreten. Wie ist es für Sie, in einem so bekannten Orchester zu spielen?

Ich kann nicht behaupten, dass ich persönlich mit international bekannten Musikern vernetzt bin. Aber insbesondere Zuhörer und Hobby-Musiker sind beeindruckt und zeigen grossen Respekt, wenn sie hören, dass ich im 21st Century Orchestra spiele. Die Bekanntheit des Orchesters nehme ich jedoch eher dadurch wahr, dass die Leute gerne an unsere Konzerte kommen. Es ist ein unglaublich erfüllendes Gefühl, vor einem vollen Saal zu spielen.

Désirée Albicker liebt nicht nur ihre Geige, sondern auch Pflanzen und die selbst gemalten Bilder ihres Grossvaters.

Désirée Albicker liebt nicht nur ihre Geige, sondern auch Pflanzen und die selbst gemalten Bilder ihres Grossvaters.

Das Orchester ist unter anderem so beliebt, weil es sich von den anderen abhebt, indem es nur Filmmusik spielt. Was gefällt Ihnen an der Musik besonders?

Sie ist sehr mitreissend, denn sie muss für Stimmung sorgen. Filmmusik ist aber auch sehr anspruchsvoll und es ist immer eine gewisse Herausforderung mit dabei. Gerade John Williams geht bei seinen Stücken an die Grenzen der technischen Möglichkeiten und die Geschwindigkeit ist oft wahnsinnig hoch. Es wird den Musikern auf jeden Fall nicht langweilig.

Wenn Sie einen Film schauen, nehmen Sie dann die Filmmusik auch besonders wahr?

Wenn ich einen Film schauen will, konzentriere ich mich immer auf die Handlung. Wie ich die Musik wahrnehme, kommt darauf an, ob sie im Film dazu dient, Stimmung zu machen oder ob sie einen anderen Platz einnimmt. Wenn ich explizit die Musik hören will, dann höre ich sie mir jedoch ohne Film an.

An Ihren Konzerten spielen Sie die Musik jedoch selbst. Dies geschieht meist live zum Film. Wie unterscheidet sich eine solche Aufführung von einem normalen Konzert?

Im Gegensatz zu einem normalen Konzert hört man nicht nur Musik, sondern auch eine grosse Geräuschkulisse. Im Film wird ja auch gesprochen und bei Star Wars hört man beispielsweise in den Kämpfen, wie die Laserschwerter aneinander klirren. Wir Musiker müssen uns deshalb mehr konzentrieren, um uns selber zuzuhören. Ausserdem sind die Tempi genau vorgegeben. Das heisst, dass man seine Aufmerksamkeit nach vorne richten und immer mit dem Schlag des Dirigenten zusammen sein muss.

Ist der Dirigent also wichtiger als bei normalen Konzerten?

Das kann man so sagen. Bei einem Konzert ohne Film kann der Dirigent das Orchester zwischendurch einfach spielen lassen. Aber zu einem Film geht das nicht. Da ist man sehr schnell nicht mehr mit dem Bild zusammen und dann funktionieren auch die Effekte nicht mehr.

Bekommen Sie während dem Konzert etwas vom Filmgeschehen mit?

Man weiss schon mehr oder weniger, was gerade passiert. Meistens schaue ich mir die Filme noch vor den Konzerten an. Bei der Generalprobe dreht man sich zudem ab und zu mal um und schaut auf die Leinwand, aber bei den Konzerten dürfen wir das natürlich nicht. Doch wir hören, was passiert und worüber die Charaktere reden.

Üben Sie nur an der Generalprobe parallel zum Film?

Genau. An der Generalprobe spielen wir einmal alles möglichst ohne Pause mit dem Film durch. An den anderen Proben nimmt der Dirigent nur für die kniffligeren Stücke seinen Computer mit, auf dem er in Kleinformat den Film sieht. Dazu laufen Zeichen über den Bildschirm, die ihm das Tempo angeben.

Wie viele Proben mit dem Orchester haben Sie insgesamt vor einem solchen Auftritt?

Wir sind ein Projektorchester und treffen uns jeweils nur in der Woche vor dem Konzert zu den Proben. Zwischen den verschiedenen Projekten geht jeder seinen eigenen Plänen nach. Für das Konzert morgen hatten wir eine Probe nur mit den Streichern, zwei Proben mit dem gesamten Orchester und vor dem Konzert die Generalprobe. Zudem braucht es einen gewissen Einsatz der Musiker zur Vorbereitung vor den Proben.

Trotz der harten Arbeit der Musiker steht bei diesen Konzerten jeweils der Film im Zentrum der Aufmerksamkeit. Wie ist es für Sie als Orchestermusikerin, nicht die erste Geige zu spielen?

Man ist sich dessen sicher bewusst. Aber wenn wir aufhören würden zu spielen, dann würden das die Besucher bestimmt merken. Wir sind ja dort, um Stimmung zu machen. Der Klang kommt auch ganz anders an, wenn das Orchester live mitspielt, als wenn die Zuschauer den Film einfach zu Hause anschauen. Ich habe von vielen Besuchern gehört, dass die Aufmerksamkeit zwischen der Handlung und dem Orchester hin und her wechselt. Manchmal ist die Musik nur für die Unterlegung des Films und für die Stimmung zuständig. Ab und zu kommen aber die berühmten Melodien und ziehen die Aufmerksamkeit wieder auf das Orchester.

Wenn Sie als Solistin auftreten würden, wäre die gesamte Aufmerksamkeit auf Sie gerichtet. Würde Ihnen das auch zusagen?

Gelegentlich als Solistin aufzutreten macht Spass, aber ich suche das nicht in erster Linie. Im Orchester zu spielen war schon immer das, was ich am liebsten gemacht habe. Bereits kurz nachdem ich mit dem Geigenunterricht angefangen hatte, habe ich in Gruppen und Jugendorchestern mitgespielt.

Was gefällt Ihnen daran so besonders?

Ich finde es schön, wenn man zusammen das Gleiche macht und auch dasselbe fühlt und ausdrückt. Dabei entsteht viel Energie, die zwischen den Musikern und dem Publikum ausgetauscht wird.