Die Urdorferin ist gedanklich noch in Estland: «Das Ganze nagt schon noch an einem», sagt sie.

Am Schluss hatte so wenig gefehlt, und Pätz und ihre Teamkolleginnen vom Curling Club Aarau hätten sich den Titel sichern können. Im Final gegen die favorisierten Schwedinnen hatten die Schweizerinnen leichte Vorteile gehabt, der Sieg lag in Reichweite. Bis zum zehnten End. Dort misslang Pätz der vorletzte Stein.

Dies nutzten die Schwedinnen aus und brachten sich damit auf die Siegesstrasse. Am Ende gewannen die Skandinavierinnen die Partie mit 5:4. Die Schweizerinnen mussten sich mit Silber begnügen. «Vor allem direkt nach dem Spiel war die Enttäuschung gross», sagt Pätz. «Wir hätten es ja in den eigenen Händen gehabt.»

Der verlorene Final ist sozusagen der Klecks im Reinheft. Denn zuvor hatten die Schweizerinnen eine tadellose Leistung gezeigt. Sie gewannen all ihre neun Partien in der Round Robin, belegten damit den ersten Rang im Klassement und besiegten im Halbfinal auch Deutschland. Da die späteren Europameisterinnen aus Schweden sich zwei Niederlagen geleistet hatten, waren die Schweizerinnen statistisch gesehen das beste Team des Turniers.

Das ist umso erstaunlicher, als dass die Schweizerinnen erstmals an einem grossen Turnier in dieser Konstellation zusammengespielt hat. Erst im Mai hatte sich Pätz dem Team von Silvana Tirinzoni angeschlossen, ihrer einstigen Rivalin auf dem Eis. Dies, nachdem aus Pätz’ Team Nadine Lehmann, Marisa Winkelhausen und Nicole Schwägli zurückgetreten waren.

Tirinzoni musste wiederum auf ihre Nummer 1, Marlene Albrecht, und auf Nummer 3, Manuela Siegrist, verzichten. Beide hatten sich vorerst vom Spitzencurling verabschiedet. Damit war der Weg frei für Pätz, die in Tirinzonis Team vorderhand auf Position 4 spielt – so wie zuvor in ihrem eigenen Team auch. Dort war sie allerdings auch Skip, diese Rolle hat sie unter Tirinzoni, die Skip geblieben ist, nun abgegeben. Der Unterschied sei dabei vor allem im mentalen Bereich. «Als Skip muss man eher strategisch denken, es ist eine kopflastige Aufgabe», sagt Pätz.

Stattdessen gibt sie nun jeweils die letzten Steine ab. Das wiederum bedeutet, dass sie im Gegensatz zu früher auch wischen muss. «Jetzt ist meine Funktion halt körperlich anstrengender», so Pätz.

Viel zusammen trainiert

Für die Urdorferin offensichtlich kein Nachteil, ebenso wenig, dass sich die Spielerinnen erst aneinander gewöhnen mussten. «Wir haben im Sommer viel Zeit zusammen verbracht, auch abseits des Eises», so Pätz. «Und wir hatten von Anfang an das Gefühl, dass wir einander schon ewig kennen. Es war toll!»

Trotzdem: Dass sie an der Europameisterschaft so stark aufspielten, hat auch Pätz überrascht. «Erwartet habe ich es nicht», sagt sie. «Wir wussten allerdings, dass wir bereit sind. Daher hatten wir uns auch eine Medaille zum Ziel gesetzt.»

Grand Slam schwieriger als EM

Das neu gebildete Team verspricht also einiges für die Zukunft. Und vorerst soll es auch zusammenbleiben. «Wir spielen sicher diese Saison so zusammen, das stand schon vorher fest», sagt Pätz. «Aber es ist geplant, dass wir langfristig so auftreten. Bisher klappt es ja ganz gut.»

Nun wollen die Schweizerinnen ihre Leistung bestätigen. Die Chance dazu bietet sich Pätz und ihren Kolleginnen am Grand Slam in der Conception Bay South Arena in Kanada, der vom 11. bis 16. Dezember stattfindet. Dort wollen die Schweizer Curlerinnen vorne mitspielen, so Pätz. «Aber es dürfte schwierig werden», sagt sie. «Das Niveau ist noch höher als an der Europameisterschaft.»