Ein Weihnachtsbaum steht derzeit neben der Kunsteisbahn Weihermatt in Urdorf. Doch Geschenke hatten die St. Moritzer nicht mitgebracht, als sie am Samstagabend von den Urdorfern empfangen wurden. Stattdessen zeigten sie von Beginn weg, dass sie auch die letzte Partie in diesem Jahr ernst nahmen. Gleich die erste Torchance nach 41 Sekunden nutzten sie zur Führung. Ein Konter, nachdem die Urdorfer ihrerseits gefährlich vors St. Moritzer Tor gekommen waren. «Aber bei ihnen fällt die Scheibe rein, bei uns nicht», haderte Urdorfs Trainer André Wismer.

Immerhin hatten die Urdorfer gleich danach die Gelegenheit, in Überzahl zu spielen, nachdem Prisco Deininger auf die Strafbank geschickt wurde. Doch der vermeintliche Vorteil entpuppte sich als Handicap. 30 Sekunden vor Ablauf der Strafe – die Urdorfer hatten gerade ihre Powerplayformation aufgezogen – entwischte plötzlich Marc Wolf. 0:2 aus Urdorfer Sicht, gerade mal drei Minuten waren zu diesem Zeitpunkt gespielt.

Die «Stiere» fingen sich in der Folge gegen die stark aufspielenden Gäste etwas, doch nach zehn Minuten wurde Andreas Tschudi auf die Strafbank geschickt. Und das hatte Folgen: Marc Camichel schoss im Powerplay das dritte Tor für den Tabellenzweiten. Passgeber war unter anderem übrigens ein alter Bekannter: Gian Marco Crameri. Der ehemalige Nationalspieler spielt bei den Bündnern seit dieser Saison in der Verteidigung.

Mit dem dritten Tor war die Partie nach knapp einer Viertelstunde schon in eindeutige Bahnen gelenkt. Die Urdorfer liessen die Köpfe aber nicht hängen und kamen nach der ersten Drittelpause deutlich energischer aus der Kabine als noch im Startdrittel. Dafür wurden sie auch prompt belohnt: Colin Wiederkehr fuhr vor das gegnerische Tor, sein Schuss wurde abgewehrt, doch der Stürmer setzte geschickt nach und brachte die Scheibe über die Linie – nur noch 1:3 aus Limmattaler Sicht.

Urdorf mit mehreren Strafen

Wer nun auf eine Aufholjagd der «Stiere» gehofft hatte, wurde enttäuscht. Denn die Limmattaler wurden durch mehrere Strafen geschwächt. Erst musste Adrian Wachter raus, dann Jann Schmid. Zwar wehrten sie sich trotz einer Minute in doppelter Unterzahl tapfer, doch zu Torchancen kamen sie in dieser Phase nicht. Als sie dann endlich wieder in Vollbesetzung spielen konnten, folgte der nächste Nackenschlag: Jan Tichy erzielte das vierte Tor für die Gäste.

Im Schlussabschnitt nahmen die Gäste dann spürbar den Fuss vom Gaspedal. Die Partie wurde zwar ausgeglichener, doch die Bündner kontrollierten das Geschehen auf dem Eis nach wie vor. Wenn es nötig war, zogen sie das Tempo auch wieder an. So nahm beispielsweise Crameri die Scheibe im eigenen Drittel an, dribbelte sich mal eben kurz der Bande entlang in die Urdorfer Defensivzone und schloss dann mit einem gefährlichen Schuss aufs Tor ab. «Spieler mit seiner Erfahrung können das Spiel eben lesen», sagte Wismer. «Er ist ein absoluter Ruhepol im Team.»

Crameris Aktion war beispielhaft dafür, dass die Gäste den Urdorfern auch im Schongang überlegen waren. So trafen sie im Schlussabschnitt noch dreimal ins Urdorfer Tor, wobei einer der Treffer wieder ein Shorthander war – das zweite Gegentor für die «Stiere» in Unterzahl. Zudem hatten die Limmattaler Pech, als ein regulärer Treffer von Ken Walliser vom Schiedsrichterduo aberkannt wurde.

Playoffs sind noch in Reichweite

An der Niederlage der «Stiere» hätte sich ohnehin nichts geändert. «Gegen St. Moritz darf man verlieren», sagte Wismer. «Das sind nicht die Teams, die wir schlagen müssen. Wir müssen gegen Mannschaften wie Dielsdorf-Niederhasli, St. Gallen und Lenzerheide-Valbella siegen.»

Gegen die beiden Teams aus der Ostschweiz haben die «Stiere» in dieser Saison tatsächlich auch zwei ihrer bisher vier Siege geholt, gegen Dielsdorf-Niederhasli setzte es eine klare Niederlage ab. Dennoch ist Wismer mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden. «Wir sind nahe dran», sagte er. «Und wir können in dieser Liga mithalten, das haben wir gezeigt.»

Momentan belegen die «Stiere» Rang acht und wären damit für die Playoffs qualifiziert – eines der Ziele von Wismer und seinen Schützlingen. Allerdings beträgt der Abstand der «Stiere» auf den neunten Rang nur einen Punkt.