Urdorf
Urdorfer Pausenengel: «Ich bin zuverlässig und habe viel Mut.»

Schüler helfen als Pausenengel auf dem Pausenplatz Streit schlichten und Probleme lösen

Flavio Fuoli
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Bevor die Pausenengel-Anwärter ihr Diplom erhalten, werden sie in Bereichen wie Körpersprache und Emotionserkennung ausgebildet und absolvieren ein Praktikum mit einem aktiven Pausenengel

Bevor die Pausenengel-Anwärter ihr Diplom erhalten, werden sie in Bereichen wie Körpersprache und Emotionserkennung ausgebildet und absolvieren ein Praktikum mit einem aktiven Pausenengel

Limmattaler Zeitung

Engel machen Schule

Dem Prinzip des Pausenengels wird nicht nur auf dem Pausenplatz des Schulhauses Weihermatt in Urdorf nachgelebt. So wurde im Oetwiler Schulhaus Letten im Herbst 2007 unter dem Namen «Peacemaker»
eine ähnliche Aktion ins Leben gerufen. Auch die Primarschule Birmensdorf hat schon Pausenengel eingesetzt. Im Geroldswiler Schulhaus Huebwies wurden 2010 ebenfalls «Peacemakers» ausgebildet, um Streitigkeiten auf dem Pausenplatz schlichten zu können.

«Ich bin ein hilfsbereiter Mensch und kann gut anderen helfen», nennt ein Schüler des Schulhauses Weihermatt seine Motivation, Pausenengel zu werden. «Ich bin zuverlässig, habe viel Mut und traue mir das zu», bemerkt ein anderer. Die beiden und 37 weitere Schülerinnen und Schüler haben sich fürs Schuljahr 2013/14 für das Amt des Pausenengels gemeldet, haben einen Kurs besucht und am Montag ihr Diplom erhalten.

Die Idee komme aus Deutschland, erklärt Schulleiterin Elvira Pfammatter. Die «Engel», jeweils drei bis vier pro 10-Uhr-Pause, helfen Streit schlichten, können Konflikte frühzeitig erkennen und gegebenenfalls intervenieren. «Sie müssen das aber nicht tun, sie können auch eine Lehrperson holen, die nach wie vor Pausenaufsicht hat», sagt die Schulleiterin.

Am Montag erhielten die 39 Pausenengel, die im kommenden Schuljahr für Ruhe und Ordnung auf dem Pausenplatz sorgen sollen, ihr Diplom.

Am Montag erhielten die 39 Pausenengel, die im kommenden Schuljahr für Ruhe und Ordnung auf dem Pausenplatz sorgen sollen, ihr Diplom.

Limmattaler Zeitung

Schon im dritten Jahr

Das Pausenengel-Projekt geht auf eine Initiative des Schülerrats zurück. Die Bedingungen für eine Aufnahme: Die Schüler müssen die fünfte oder sechste Klasse besuchen und sich bewerben, wie Schulsozialarbeiter Christoper Szaday erklärt. Ursprünglich, fürs Schuljahr 2011/12, habe man an rund zwölf Schüler gedacht, die mitmachen könnten. Es meldeten sich aber 23. Sie wurden alle aufgenommen. Im abgelaufenen Schuljahr waren es 15 Pausenengel, im neuen werden es nun 39 sein, was wohl für die Attraktivität des Amtes spricht.

Die Pausenengel tragen zur Identifikation einen Ausweis mit Foto.

Die Pausenengel tragen zur Identifikation einen Ausweis mit Foto.

Limmattaler Zeitung

«Die Kinder werden alle in vier Lektionen ausgebildet und absolvieren ein Praktikum mit einem aktiven Pausenengel», sagt Szaday. In der Ausbildung lernen sie zum Beispiel Emotionen zu erkennen, auf die Körpersprache zu achten oder sie bekommen Tipps für richtiges Zuhören. Sie tragen einen Ausweis mit Foto und Name mit sich.

«Extrem wenig Probleme»

Laut Schulleiterin Pfammatter zeige das Projekt Wirkung. «Wir haben extrem wenig Probleme auf dem Pausenplatz.» Als Pausenengel würden sich zudem nicht nur die bravsten Schüler melden. Diese würden aber Sozialtraining betreiben, das wirke. «Die Sozialkompetenz wird durch das Projekt Pausenengel gefördert», so Pfammatter. Schliesslich würde es auch einen Schulentwicklungsschwerpunkt abdecken, der «Kinder lernen von Kindern» heisst.

«Durch ihre Tätigkeit erleben die Kinder Auseinandersetzungen untereinander», so Szaday. «Ich kann mich gut ohne Gewalt Problemen stellen, ich kann gut zuhören und finde eine Lösung», sagt denn auch ein weiterer Schüler. Das Schulhaus Weihermatt ist das einzige in Urdorf, das Pausenengel auf dem Schulhausareal einsetzt.