3,5 Millionen Franken Steuergelder musste die Gemeinde Urdorf im letzten Jahr an ein Unternehmen zurückzahlen, weil dieses mit einem Gewinneinbruch zu kämpfen hatte. Jetzt herrscht Gewissheit: Das wirkt sich längerfristig aus. «Wir werden in Zukunft mit einem tieferen Steuerertrag budgetieren», sagte Thomas Hächler (FDP), Finanzvorsteher der Politischen Gemeinde, am Mittwoch zur Gemeindeversammlung. Zur Jahresrechnung 2016 der Politischen Gemeinde meldete sich dann auch Walter Trottmann zu Wort: Namens der Urdorfer CVP hielt er eine Rede.

Ein Rückgang bei den Gemeindesteuern, wie er 2016 erfolgt ist, wirke sich auf die Schul-Rechnung viel stärker aus, sagte Trottmann. Denn die Gemeindesteuern würden 90 Prozent des Schulgemeinde-Ertrags ausmachen. Bei der Politischen Gemeinde liege dieser Wert hingegen bei nur 40 Prozent. Daher könne die Schulgemeinde solche Rückgänge des Steuerertrags weniger gut verkraften. Zumal auch das Eigenkapital der Schule Jahr für Jahr kleiner wird: Es ist im letzten Jahr von 6,3 auf 4,8 Millionen Franken gesunken. Weil die Schule nur ein kleines Polster hat, habe die Schulpflege nur wenig Spielraum, sagte Trottmann weiter.

Er und die CVP fordern, dass die Einnahmen der Schule erhöht werden, ohne dass der Gesamtsteuerfuss steigt. Das Rezept dazu ist ein Steuerfuss-Abtausch: Die Politische Gemeinde soll einen Teil ihrer Steuerprozente an die Schulgemeinde abtreten. Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner (EVP) nahm die Anregung entgegen.

Steuerfuss-Abtausch: Es ist nicht der erste Versuch

Die Chancen stehen nicht schlecht, dass die CVP-Forderung dereinst umgesetzt wird. Gross andere Möglichkeiten bleiben den Behörden gar nicht, schliesslich hat es die Gemeindeversammlung schon zweimal abgelehnt, den Steuerfuss der Schulgemeinde zu erhöhen, ohne gleichzeitig jenen der Politischen Gemeinde zu senken. Die grosse Frage allerdings: Kommt der Steuerfuss-Abtausch schon im Budget 2018? Einen gleich lautenden Vorschlag der Rechnungsprüfungkommission hatte die Budget-Gemeindeversammlung noch im November 2016 als verfrüht verworfen. Die Devise lautete damals, nichts zu überstürzen.

Damit zurück zur Rechnung der Politischen Gemeinde, die mit einem Plus von rund 2,9 Millionen Franken abgeschlossen hatte. Ausser der CVP meldete sich sonst niemand zu Wort. Die 69 anwesenden Stimmberechtigten nahmen das Traktandum einstimmig an – ebenso wie die Baukredit-Abrechnung zur Bachschulhaus-Sanierung. Liegenschaftenvorstand Roland Stämpfli (SVP) bedankte sich für das grosse Vertrauen, das die Stimmbürger 2014 mit dem Ja zum Kredit gesprochen hatten.

"Die Zahlen sind kein Grund zum Jubeln, aber zusammen mit den Zahlen der Politischen Gemeinde sieht es doch besser aus."

Schul-Finanzvorsteherin Irmgard Struchen (CVP)

"Die Zahlen sind kein Grund zum Jubeln, aber zusammen mit den Zahlen der Politischen Gemeinde sieht es doch besser aus."

Kein Plus, sondern ein Minus von 1,6 Millionen Franken hatte bei der Rechnung der Schulgemeinde resultiert. Schul-Finanzvorsteherin Irmgard Struchen (CVP) zog an der Gemeindeversammlung ein zweiteiliges Fazit: «Die Zahlen sind kein Grund zum Jubeln, aber zusammen mit den Zahlen der Politischen Gemeinde sieht es doch besser aus.» Diskussionslos und einstimmig nahmen die Stimmberechtigten sodann die Schulrechnung an.

Nach dem offiziellen Teil der Gemeindeversammlung nahm eine grosse Ära ihr Ende: Gemeindepräsidentin Rottensteiner verabschiedete Christian Brandenberger (CVP), der per Ende 2016 überraschend von seinem Amt als Gemeinderat zurückgetreten war – aus gesundheitlichen Gründen, die sich aufgrund der Doppelbelastung durch Politik und eigenes Unternehmen ergeben hatten. Rottensteiner dankte Brandenberger für sein politisches Engagement, während dem er mit seinen Ideen die anderen Gemeinderäte manchmal gefordert habe.

Der auf Ende 2016 zurückgetretene Gemeinderat wurde an der Gemeindeversammlung offiziell verabschiedet.

Alt Gemeinderat Christian Brandenberger (CVP)

Der auf Ende 2016 zurückgetretene Gemeinderat wurde an der Gemeindeversammlung offiziell verabschiedet.

Seine sechsjährige Amtszeit hinterlässt grosse Spuren: Die angestossene Entwicklung des Wirtschaftsraums Nord oder der Gestaltungsplan Spitzacker sind nur zwei Beispiele.
«Es war eine spannende und intensive Zeit. Mir geht es heute gut», sagte Brandenberger. Er habe sich gefreut, dass Danilo Follador (CVP) sein Nachfolger wurde – dieser erlebte am Mittwoch seine erste Gemeindeversammlung als Gemeinderat. «Ich wünsche ihm und dem ganzen Team des Gemeinderats viel Erfolg», sagte Brandenberger zum Schluss. Dann erhielt er einen grossen Applaus und Rottensteiner überreichte ihm ein Geschenk-Kuvert.