50 Jahr Curling-Club Limmattal
Urdorfer legten den Grundstein für den grössten Curling-Club des Landes

Das Spiel mit Stein und Besen ist definitiv keine Massensportart. Umso grösser ist der Verdienst der visionären Limmattaler, die das aus Schottland stammende Spiel vor fünfzig Jahren in Urdorf etablierten. Der Dorfclub entwickelte sich zu einem Verein, der viele Champions hervorbrachte.

David Egger
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Der erste Grosserfolg der Vereinsgeschichte: Hansueli Schweizer, Myrtha Meier, Skip Walter Schneider und Ernst Meier gewinnen 1972 in Weinfelden gegen Bern den Schweizer Cup. Curling Club Limmattal 50 Jahre alte Bilder
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Volkssportart: Die Limmattaler Curler spielten auch auf der Kunsteisbahn Weihermatt. Curling Club Limmattal 50 Jahre alte Bilder
Einer der ersten Siege auf internationaler Ebene: 1984 gewinnen die Limmattaler im kanadischen Cornwall den Junioren-Vize-Weltmeister-Titel. Andreas Hänni und André Flotron werden zudem als beste Spieler des Turniers ausgezeichnet.
50 Jahre Curling-Club Limmattal
Als die Weihermatt noch nicht überdacht war, brauchte es fürs Curlin eine Sonnenbrille. Curling Club Limmattal 50 Jahre alte Bilder
Der Europameister und Ex-Nati-Trainer der Russinnen Thomas Lips, Weltmeisterin Janine Greiner, der treue Präsident Philipp Locher und Weltmeisterin Carmen Schäfer. Thomas Lips (Coach des WM Teams) Janine Greiner, Philipp Locher, Carmen Schäfer! Beide Ladys sind aktuelle Curlingweltmeisterinnen
Die zurzeit berühmteste Urdorfer Curlerin: Alina Pätz, Mehrfachweltmeisterin. Alina Pätz European Curling Championships 2013
Schweizermeister als Spieler und dann auch noch als Trainer: Claudio Pescia St.Galler Bär Skip Claudio Pescia

Der erste Grosserfolg der Vereinsgeschichte: Hansueli Schweizer, Myrtha Meier, Skip Walter Schneider und Ernst Meier gewinnen 1972 in Weinfelden gegen Bern den Schweizer Cup. Curling Club Limmattal 50 Jahre alte Bilder

Nur eine Woche nach dem Eishockey-Club Urdorf feiern schon die nächsten Eissportler ihren Geburtstag: Der Curling-Club Limmattal wird 50 Jahre alt. Das feiert er seit Donnerstag bis und mit 27. November mit seinen Jubiläumsturnieren. Wie schon die Eishockeyaner im Restaurant Pappel nahm auch der Curling-Club Limmattal seine Anfänge an der Birmensdorferstrasse in Urdorf.

Genauer im Restaurant Sonne, wo sich sieben Visionäre trafen, am 8. Dezember 1965. Sie begannen mit der Planung zur Gründung des Curling-Clubs Urdorf – gut 85 Jahre, nachdem in Sankt Moritz der erste solche Verein im Land aus der Taufe gehoben wurde. Ein Tourist aus Schottland, dem Mutterland der Curler, hatte den Sport ins Engadin gebracht. Und nur wenige Monate zuvor hatte der Bau der Urdorfer Kunsteisbahn begonnen.

Die Urdorfer Curlingfreunde waren sich bewusst, dass sie die eher unbekannte Sportart zuerst erklären müssen: 1966 verschickten sie ein vierseitiges Infoblatt, um die Limmattaler auf den Geschmack zu bringen. «Die landläufige Meinung, Curling sei ein Grossvater-Sport, ist unrichtig», heisst es darin. Und weiter: «Curling ist nicht ein Sport einer privilegierten und reichen Gesellschaft. Es ist auf dem besten Weg, Volkssport zu werden.»

Etwas Geld mussten interessierte Curler aber in die Hand nehmen. Denn jedes Mitglied verpflichtete sich zur Zahlung eines Anteils von 2000 Franken an die neue Curling-Halle, die in Urdorf geplant war. Gleichwohl hatte der Kampf gegen das Klischee, ein Sport für Mehrbessere zu sein, Erfolg, genauso wie die Mitgliederanwerbung in vielen persönlichen Gesprächen: Am 19. März 1966 trafen sich schliesslich 24 Personen zur Gründungsversammlung des Curling-Clubs Urdorf.

Der Ausbruch eines wahren Curlingfiebers zeigte sich auch darin, dass 16 Personen nur einen Monat später, am 22. April 1966, im Schlieremer Restaurant Linde den Curling-Club Schlieren gründeten. Das alles ist nun lange her, wie auch ein politisches Beispiel zeigt: So lehnte es das Zürcher Stimmvolk 1966 noch ab, das Stimmrecht für Frauen einzuführen.

Fusion zur Jahrtausendwende

Zwar beschlossen die beiden Clubs aus Schlieren und Urdorf erst im Herbst 1999 die Fusion zum Curling-Club Limmattal. Zusammengearbeitet wurde aber von Beginn weg, schliesslich war stets klar, dass Urdorfer und Schlieremer gemeinsam die Curling-Halle in der Weihermatt beziehen. Deren Bau wurde an einer Mitgliederversammlung am 24. August 1966 beschlossen.

Später wurde ein Baurechtsvertrag mit der Gemeinde Urdorf unterzeichnet.
In der Bauzeit verlieft nicht alles optimal: Die Baupläne waren nicht rechtzeitig fertig, zudem hatten diverse Gastarbeiter der zuständigen Baufirma die Heimreise angetreten, weshalb die Firma überlastet war. Dazu kam auch noch, dass der Baugrund nicht der einfachste war. Nur schon die Erstellung des Hallenfundaments bereitete Sorgen.

2000

Franken mussten die ersten Mitglieder des Curling-Clubs Urdorf an den Bau der Curling-Halle beitragen. Deren Bau im Jahr 1967 war von zahlreichen Verzögerungen geprägt. Schon 1970 wurde die Halle um ein Clubhaus erweitert. Heute ist die Urdorfer Curling-Halle eine von total
43 in der ganzen Schweiz.

Und zu allem Überdruss spielte auch das Wetter nicht mit. Als Übergangslösung durften die Curler ab dem 17. Dezember 1966 auf einem Teil der Kunsteisbahn Weihermatt ihre Steine anschieben, jeweils von 9 bis 13 Uhr. Wegen all der Verzögerungen beim Bau der Curlinghalle, der gut 450 000 Franken kostete, fand das Eröffnungsturnier neun Monate später statt als ursprünglich geplant, nämlich Ende Oktober 1967.

Gewinner war der Curling-Club Flims, der seine eigene Curlinghalle ebenfalls 1967 eröffnete. Heute ist die Urdorfer Curlinghalle eine von insgesamt 43 in der Schweiz, wie Zahlen der Swiss Curling Association zeigen. Mit einer eigenen Halle konnten sich die Urdorfer und Schlieremer nun regelmässig messen, im Rahmen ihrer Hallenmeisterschaft. Die Einheimischen hatten dabei die Überhand: In der Saison 1967/1968 gewannen sie 23 von 32 Partien gegen die Schlieremer. Gemeinsam riefen die beiden Clubs in ihrer ersten Saison auch bereits ihr Juniorenwesen ins Leben.

Bald kommt ein Clubhaus hinzu

So schnellten die Mitgliederzahlen in den Gründungsjahren immer mehr in die Höhe, sodass schon Ende der 1960er je etwas mehr als 50 Mitglieder den beiden Clubs aus Urdorf und Schlieren angehörten. Für rund 230 000 Franken wurde dann die «heimelige Curlinghalle», wie sie immer wieder genannt wird, um ein Clubhaus erweitert.

Im Dezember 1970 wurde dieses fertiggestellt. In dieser Saison bereiteten die Urdorfer zudem erstmals das aus Kanada bekannte Pebbles-Eis auf: Dank zusätzlicher gefrorener Wassertröpfchen auf der Oberfläche ist dieses Eis nicht total glatt – stattdessen stehen unzählige klitzekleine Eiszäpfchen ganz minim hervor. Dadurch gleiten die Steine besser.

Nicht nur ihr Eis, auch ihre Taktik änderten die Urdorfer: Während sie zuvor auf beiden Knien rutschend die Steine abgaben, begannen sie in der Saison 1970/1971 mit der heute üblichen Steinabgabe: Ein Fuss vorne, das andere Bein wird fast ausgestreckt hinter sich hergezogen. Diese beiden Änderungen machten bei den Limmattalern ein grosses Potenzial frei: Denn 1972 überraschte der Curling-Club Urdorf die Schweizer Curling-Welt, als er in Weinfelden den Schweizer Cup gegen die Yschbäre aus Bern gewann.

Doch die sportlichen Resultate waren den Limmattaler Curlern nicht alles: Beide Clubs wollten mehr Mitglieder, und die Grenze von hundert Mitgliedern pro Verein knacken. Das Wachstum kam denn auch, Ende der 70er-Jahre wurde zusätzlich eine Veteranen-Gruppe ins Leben gerufen. Weil so langsam aber sicher der Platz fehlte, wurde 1981 ein drittes Rink (so heisst das Spielfeld im Curling) in Betrieb genommen.

1982 war es dann so weit, die Urdorfer knackten die Hunderter-Grenze, während die Schlieremer nicht über 70 Mitglieder hinauskamen. Ein Jahr später übernahm der damals 30-jährige Philipp Locher das Präsidium der Schlieremer. Unter seiner Ägide begann die verstärkte Zusammenarbeit, die schliesslich in der Fusion mündete. Und noch heute, 33 Jahre später, ist Locher Vereinspräsident. Schon 1986, zum 20. Geburtstag durfte der Vereinschroniker in der Festschrift vermerken, dass es zu eintönig wäre, alle Erfolge des Vereins aufzuzählen.

Einer, der aber auf jeden Fall heraussticht, ist die Mitgliederzahl: Bereits beim 40-jährigen Geburtstag im Jahr 2006 waren die Limmattaler mit 249 regelmässig spielenden Curlern der mitgliederstärkste Curling-Verein der Schweiz. Seither sind es noch mehr geworden. Rund 300 Mitglieder zählt der Verein heute.

Auch Rollstuhl-Curler spielen hier

Ein Teil der Curler gleitet dabei nicht auf den Füssen über das Urdorfer Eis, sondern spielt im Rollstuhl. Dies ist seit 2002 möglich, als in der Curling-Halle ein Rollstuhllift eingebaut wurde. Den Curling-Stein spielen die Rollstuhl-Curler nicht direkt mit der Hand. Stattdessen halten sie einen Stiel, mit dem sie den Stein anstossen.

Auch die Nachwuchsarbeit ist im Curling-Club Limmattal besonders wichtig: Zusätzlich zu den Junioren gibt es mittlerweile die sogenannten Cherry-Rockers. Hier spielen bereits siebenjährige Curler, ihre Steine sind etwas kleiner als jene der Erwachsenen. Das eine oder andere dieser Kinder dürfte dereinst vielleicht auch in die Annalen der Schweizer Curlinggeschichte eingehen.

Die Weihermatt ist eine grosse Erfolgsschmiede

So wie der EHC Urdorf schon einige Profi-Eishockeyspieler hervorgebracht hat, haben auch diverse Curler in der Weihermatt gespielt, die später weltbekannt wurden.

Die internationalen Erfolge nahmen schon früh ihren Lauf, so zum Beispiel 1984, als sich vier Junioren aus Urdorf in Kanada den Vize-Weltmeister-Titel sicherten. Mit dabei: André Flotron und Andreas Hänni. Die beiden wurden als beste Spieler ausgezeichnet. Flotron holte sich 1995 auch als Erwachsener eine Silbermedaille, an den Europameisterschaften. 1994 feierte den gleichen Erfolg Hansjörg Lips, auch er ein Urdorfer.

Heute macht vor allem die 26-jährige Alina Pätz von sich reden. Einer ihrer ersten Erfolge, von dem das Limmattaler Tagblatt berichtete, feierte sie im Februar 2007: Damals schon A-Juniorin bei der Curling-Sektion der Zürcher Grasshoppers, holte sie mit ihren Teamkolleginnen die Silbermedaille an den Schweizer Meisterschaften in Bern. Statt sich auf dem Erfolg auszuruhen, ärgerte sie sich darüber, den ersten Platz verpasst zu haben.

2012 war das Limmattaler Jahr

Der gesunde Ehrgeiz trieb sie immer weiter: Es folgten zum Beispiel 2010 die Silbermedaille an den Mixed-Europameisterschaften in Schottland, wo sie unter anderem zusammen mit ihrem Bruder Claudio Pätz antrat. Bis sie schliesslich mehrmals Weltmeisterin wurde, zum Beispiel 2012.

Damals war Pätz zwar Ersatzspielerin, gleichwohl ist der Erfolg nennenswert. Denn der damalige Sieg lag fest in Limmattaler Hand: Mit zum Team gehörten auch Carmen Schäfer und Janine Greiner, beide kommen aus der Weininger Fahrweid und waren früher ebenfalls in Urdorf aktiv. Wie Pätz auch, haben Greiner und Schäfer schon mehrere Medaillen an Welt- und Europameisterschaften gewonnen.

Beim erwähnten Limmattaler Weltmeistertitel im Jahr 2012 in Kanada war der Coach kein Geringerer als Thomas Lips, der 2006 den Europameistertitel in Basel als Spieler gewann. Nach dem Weltmeistertitel als Trainer wagte er ein Abenteuer: 2012 kündete er seinen Job als Kundenberater einer Bank und wurde Trainer des russischen Damen-Nationalteams.

Eine Woche vor seiner Abreise sorgte er in einem Interview mit der Limmattaler Zeitung für Lacher. «Bei Misserfolg bin ich wohl schneller in Sibirien, als mir lieb ist», sagte er. Die Vorgabe der Russen, an Olympia 2014 in Sotschi eine Medaille zu gewinnen, verpasste er zwar – doch er hat es überlebt.

Neben Thomas Lips, André Flotron, Andreas Hänni und Claudio Pätz machte bei den Männern etwa auch Claudio Pescia alias Clay von sich reden: Er ist schon lange Mitglied des Curling-Clubs Limmattal. Zuerst trat er jeweils für sein Heimatland Italien an, später für die Schweiz. Sowohl als Spieler und als Trainer hat er sich Schweizermeister-Titel geholt. Dazu kommen, ebenfalls als Spieler und als Trainer, Medaillen an Weltmeisterschaften.

Urdorferin ist Rekordhalterin

Die Curler aus dem Limmattal erspielten sich nicht nur Meistertitel, sondern auch Rekorde. So holte Alina Pätz bei ihrem Weltmeistertitel im Jahr 2015 als Skip des Team Baden zusammen mit ihren Kolleginnen gleich zwei Rekorde: Sie gewann, den Final eingerechnet, neun Partien nacheinander, was zuvor noch keinem Schweizer Frauenteam gelungen ist. Zudem übertraf sie mit der Siegesquote von 92,3 Prozent die 32 Jahre alte Rekordmarke des früheren Schweizer Weltmeisterteams um Erika Müller.