Limmattal

Urdorfer Hundetrainer: Gezieltes Training kann Hunde im Zaum halten

«Platz»: Hunde und Halterin beim Training.

«Platz»: Hunde und Halterin beim Training.

Kann ein Halter den Trieb seines Hundes unterdrücken? Nein, sagt der Urdorfer Hundetrainer Werner Germann. Aber mit gezieltem Training könne man den Jagdreiz abbrechen. Auch bei Hunden die schon gerissen haben, sei eine Korrektur möglich.

Das Zürcher Hundegesetz hält fest, dass Hunde im öffentlichen Raum «weder Mensch noch Tier gefährden oder belästigen» dürfen. Deutlicher ist die Hundeverordnung des Kantons Aargau: «Die mit der Aufsicht über einen Hund betraute Person hat mit allen möglichen Mitteln einzugreifen, wenn dieser einen Menschen oder ein Tier angreift.» Doch welches sind «mögliche Mittel»?

Training mit Negativerfahrungen

Nach dem Bergdietiker Rehriss vom vergangenen Wochenende (Limmattaler Zeitung von gestern) gingen die Emotionen hoch. Ein mutmasslich unbeaufsichtigter Hund hatte in der Nacht auf vergangenen Sonntag oberhalb Kindhausen ein Reh gerissen. Während auf www.limmattalerzeitung.ch ein Kommentator von unbeaufsichtigten Hunden im Wald berichtet, versichert eine Hundehalterin ihren Hund jederzeit unter Kontrolle zu haben. Skeptiker wiederum halten Beteuerungen wie diese für Ammenmärchen unter «Hündelern».

«Das Abbrechen des Jagdreizes kann gezielt trainiert werden», sagt Hundetrainer Werner Germann von der «Hundeschule Limmattal» in Urdorf auf Anfrage. Allerdings müssten die Hunde früh, idealerweise schon im Welpenalter trainiert werden. Auf der Trainingswiese sieht das so aus: Ein Ball wird geworfen, der angeleinte Hund will der «Beute» nachjagen. Nach zwei Metern erfolgt, nach dem Abruf des Hundehalters, die Blockade durch Leinenruck – eine Negativerfahrung, wie es im Fachjargon heisst. Nach und nach könne die Abrufdistanz verlängert werden, bis der Hund noch in vollem Lauf zurückgepfiffen werden kann. Die Erziehung eines Hundes hinge vom Besitzer ab, betont Germann: «Wenn der Halter sich und seinen Hund vor gesellschaftlicher Unbill schützen will, kann man das Reizabbrechen jedem Welpen beibringen.» Es sei eine Frage des Verhältnisses zwischen Hund und Besitzer. Dabei schreibt Germann Unterordnung gross, mit antiautoritärer Hundeerziehung kann er wenig anfangen. Gerade für die Unterbindung starker Impulse sei das Training mit Negativerfahrungen nötig. Dazu seien aber nur wenige Hundehalter bereit. Das Abbrechen des Jagdreizes sei ausserdem nicht Bestandteil der obligatorischen Hundekurse, in denen in erster Linie der Grundgehorsam vermittelt wird.

Bussen bis 2000 Franken

Hat ein Hund einmal ein Reh gerissen, wird er es wieder tun, so die weithin anerkannte Meinung. Germann widerspricht. Mit extremem Training sei auch bei Hunden die schon gerissen haben eine Korrektur möglich, so der Hundetrainer. Trainer die solche Verhaltenskorrekturen vornehmen wollen, müssten aber über enorme Erfahrung und vertiefte Kenntnisse verfügen.

Wird im Bezirk Dietikon ein Reh von einem Hund gerissen, muss sein Besitzer mit einer Busse zwischen 700 und 1000 Franken rechnen. In Aargauer Gemeinden sind Geldstrafen bis 2000 Franken möglich. Hundehaltern, denen das kein Anreiz für gezieltes Training ist, rät Irène Schibli von der Hundeschule «Topdog School Birmensdorf»: «Ein Hund, der nicht hört, gehört an die Leine.»

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