Eisschnelllauf

Urdorfer gewinnt die erste Schweizer EM-Medaille im Eisschnelllauf überhaupt

Drei Männer für einen historischen Sieg: Oliver Grob (vorne), Christian Oberbichler (links) und Livio Wenger (verdeckt) sprinteten im holländischen Heerenveen zur EM-Bronzemedaille. Damit haben sie Schweizer Sportgeschichte geschrieben.

Drei Männer für einen historischen Sieg: Oliver Grob (vorne), Christian Oberbichler (links) und Livio Wenger (verdeckt) sprinteten im holländischen Heerenveen zur EM-Bronzemedaille. Damit haben sie Schweizer Sportgeschichte geschrieben.

Es ist die erste Schweizer EM-Medaille im Eisschnelllauf überhaupt. Der Profi aus Urdorf sagt, wie er den Erfolg erlebte.

Sie machen die kleine Schweiz ganz gross: der Urdorfer Christian Oberbichler und seine Kollegen vom Eislaufclub Zürich, Oliver Grob und Livio Wenger. An den Europameisterschaften (EM) im Eisschnelllauf im holländischen Heerenveen verwiesen sie die Weissrussen mit drei Hundertstelsekunden Abstand auf den vierten Platz. Und sicherten sich damit Bronze, hinter Norwegen und Sieger Russland.

Unsterblich hat sich das Schweizer Trio damit gemacht. Denn noch nie zuvor war das Schweizer Kreuz an einer Eisschnelllauf-EM auf dem Podest vertreten. Der historische Erfolg schlug auch in der Eisschnelllauf-Szene grosse Wellen. «Niemand hat das erwartet», sagt Oberbichler. Die Limmattaler Zeitung erreichte ihn gestern zwischen seinen Trainings, die er mit dem Schweizer Nationalteam im bayrischen Inzell absolviert. Denn in der Schweiz gibt es keine wettkampfkonforme 400-Meter-Eisschnelllauf-Bahn.

«Wir erhielten schon in Holland viele Gratulationen. Auch dort freut es viele, wenn eine so kleine Nation wie wir einen Erfolg feiern kann», erzählt Oberbichler. Denn Holland und Russland teilen für gewöhnlich die Goldmedaillen über alle Disziplinen unter sich auf. Aber dem Teamsprint blieben die Holländer diesmal fern, da sie mit der Startzeit nicht einverstanden waren. Denn für einen ihrer Läufer stand am gleichen Abend noch das 1500-Meter-Rennen an. Statt ein anderes Team aufzustellen – die Auswahl an übers Eis fliegenden Holländern ist dafür gross genug –, verzichteten sie ganz. So machten sie den Weg frei für das Schweizer Trio. Dieses lief die 1200 Meter am Freitagabend mit einer Zeit von 1 Minute, 21 Sekunden und 44 Hundertstelsekunden. Für Oberbichler, dessen sportliche Karriere einst als Eishockey-Junior beim EHC Urdorf begann, ist klar: «Das ist der Höhepunkt meiner bisherigen Eisschnelllaufkarriere. Unser grosses Ziel war es, uns überhaupt für die EM zu qualifizieren. Und jetzt wurden wir Dritte. Alle drei haben wir noch immer Hühnerhaut, wenn wir an unseren Lauf zurückdenken. Es ist einfach grossartig.»

Das Team wurde erst letzten Herbst gegründet

Der Erfolg musste gefeiert werden. «Es gab noch ein zwei Bierli am Freitagabend. Aber wild waren wir nicht unterwegs. Weil jetzt, mitten in der Saison, haben wir immer das nächste Rennen im Blick», sagt Oberbichler. Der nächste Fixpunkt für ihn ist die Schweizer Meisterschaft nächste Woche in St.Moritz. Im Februar steht dann die Weltmeisterschaft in Salt Lake City an.

Im Teamsprint-Weltcup holten sie sich gleich im ersten Rennen in Minsk den sechsten Platz.

Im Teamsprint-Weltcup holten sie sich gleich im ersten Rennen in Minsk den sechsten Platz.

Für den 27-Jährigen ist es eine spezielle Saison. Denn der schnelle Urdorfer verpasste im Einzelwettkampf die Qualifikation für die Teilnahme am Weltcup um zwei Hundertstelsekunden, nachdem ihn im Oktober eine Adduktorenverletzung zurückgeworfen hatte. Dafür lief es dem Team Grob/Oberbichler/Wenger fast wie am Schnürchen. Erst auf diese Saison hin wurde es gegründet. «Unser Trainer Kalon Dobbin sagte im Oktober, wir könnten es doch mal mit Teamsprint versuchen», erinnert sich Oberbichler. Vor allem Wenger musste man überzeugen. Dieser ist von Haus aus eigentlich kein Sprinter, sondern auf die längeren Distanzen spezialisiert. Doch das Trio harmonierte bestens. Im Teamsprint-Weltcup holten sie sich gleich im ersten Rennen in Minsk den sechsten Platz. Mit weiteren guten Platzierungen, insbesondere dem dritten Rang im Weltcup-Rennen in Kasachstan, landeten sie in der Teamwertung schliesslich hinter Holland auf dem zweiten Platz; das ist vier Plätze besser, als für die EM-Qualifikation nötig gewesen wäre.

Die Teilnahme an Olympia bleibt sein ganz grosses Ziel

Von all den Gratulationen aus der ganzen Welt freute Oberbichler eine aus Chile ganz besonders. Dort lebt seine Partnerin, die mehrfache Inline-Skating-Weltmeisterin Maria José Moya Sepúlveda, mit der gemeinsamen im Februar 2018 geborenen Tochter. Während der Saison sieht er sie selten, wenn überhaupt. Genauso wie seine Eltern in Urdorf, bei denen er über Weihnachten zu Besuch war. Es sind die Entbehrungen, die er auf sich nehmen muss, nachdem er seit 2015 voll auf den Profisport setzt. Sein nächstes Ziel ist es, nächste Saison auch im Einzelwettkampf am Weltcup teilnehmen zu können. Sein ganz grosses Ziel bleibt die Teilnahme an Olympischen Winterspielen. Die nächsten finden 2022 in Peking statt. In der Saison 2021/2022 müsste er sich dafür qualifizieren. Mit den vielen Trainings in Inzell ist die Basis dafür gelegt. Schade ist nur, dass die Disziplin Teamsprint noch nicht olympisch ist. Aber die erste Schweizer EM-Medaille aller Zeiten, die kann Oberbichler niemand nehmen, das steht fest.

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