Eine Stunde war gespielt im 2.-Liga-Derby zwischen Urdorf und Schlieren, da schien klar zu sein: Es sollte nicht der Abend der Schlieremer werden. Wenige Minuten zuvor musste Alberto Perez Diaz zusehen, wie sein Torschuss von Urdorfs Goalie Sven Gammel noch an die Latte abgelenkt wurde. Dann erzielte der eingewechselte Patrick De Napoli mit einem sehenswerten Freistoss via Pfosten das 2:0 für die Urdorfer. Und dann kassierte der Schlieremer Marco Marra nach wiederholtem Foulspiel die zweite gelbe Karte und wurde des Feldes verwiesen. Kurzum: Alles schien auf einen Sieg der Urdorfer hinauszulaufen.

Doch der Platzverweis lähmte die Schlieremer nicht, sondern beflügelte sie. Denn jetzt spielten die Gäste auf alles oder nichts und kamen zu jenen Torabschlüssen, die sie vor allem nach dem 0:1 durch den eingewechselten Sladjan Peric in der 17. Minute hatten vermissen lassen. «Wir haben in Unterzahl fast mehr Chancen kreiert als vorher», sagte Captain Davide Lopez. Das anerkannte selbst der Gegner. «Ich hatte das Gefühl, wir seien ein Mann weniger», sagte Peric. «Schlieren hat Druck gemacht.»

Der Schlieremer Mut wurde zehn Minuten vor Schluss belohnt, als der eingewechselte Mario Bucciarelli den Anschlusstreffer erzielte. Plötzlich war die Partie wieder offen, die Gäste wollten sich noch nicht geschlagen geben. Sie stürmten immer wieder auf das Urdorfer Tor zu. Höhepunkt des Schlieremer Sturmlaufs war eine Aktion in der 87. Minute, als der starke Albion Krasniqi nach einer Flanke den Ball per Kopf aufs Urdorfer Tor wuchtete – direkt in die Hände von Urdorfs Torhüter Sven Gammel. Krasniqis Abschluss sollte die letzte Chance des Spiels bleiben. Die Urdorfer liessen nichts mehr zu und freuten sich am Ende über ihren Derbysieg. Besonders Peric, der nach Abwesenheit erst diese Woche wieder trainiert hatte: «Es war sehr wichtig, diese Partie zu gewinnen.»

Defensiv wenig zugelassen

Über das gesamte Spiel gesehen war der Urdorfer Sieg in diesem abwechslungsreichen und sehr fairen Derby verdient, auch weil die Hausherren bis auf die Startphase den Schlieremern wenig Raum zugestanden hatten. «Wir haben defensiv eine solide Leistung gezeigt», sagte Urdorfs Trainer Gianni Musumeci. «Man darf nicht vergessen, dass die Schlieremer zuletzt zweimal in Folge gewonnen haben. Auch deshalb bin ich sehr zufrieden mit der Leistung meiner Mannschaft.» Nicht zufrieden war er mit der Tatsache, dass sein Team noch in Überzahl einen Treffer kassiert hatten: «Ein solches Gegentor darf uns nicht passieren.»

Schlierens Trainer Besnik Ramadani trauerte vor allem der Chance gleich am Anfang nach, als Miridin Gashis Schuss von Gammel abgewehrt wurde. «Da hätten wir bereits in Führung gehen können», sagte Ramadani. «Aber insgesamt war die zweite Hälfte besser als die erste.»
Für Ramadani und sein Team bedeutet die Derbyniederlage nach den beiden Siegen gegen Lachen/Altendorf und Küsnacht die zweite Pleite in der Rückrunde. «Wir hätten gegen Urdorf gerne den nächsten Schritt in Richtung Ligaerhalt gemacht», sagte der Schlieremer Trainer. Nun wartet am nächsten Sonntag das zweitplatzierte Regensdorf – ein harter Brocken. «Es wird eine umkämpfte Partie werden», sagte Ramadani. Und für Captain Lopez ist klar: «Gegen Regensdorf müssen wir ein anderes Gesicht zeigen.»

Für die Urdorfer, die bei zwei Spielen weniger nun fünf Punkte Vorsprung auf Schlieren haben und sich im Abstiegskampf etwas Luft verschafft haben, geht es bereits am Dienstag gegen Leader Adliswil weiter. «Es wird eine anstrengende Woche», sagte Musumeci.