Urdorf/Birmensdorf
Der Waffenplatz wird seit Beginn der Pandemie mehr genutzt – sogar ein Golfspieler verirrte sich ins Reppischtal

Nicht allen ist klar, welche Regeln auf dem Waffenplatz Reppischtal gelten. Dass sie eingehalten werden, ist aber aus Sicherheitsgründen extrem wichtig – vor allem auch, weil es keine Kontrollen gibt.

Celia Büchi
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Während Schiessübungen werden bestimmte Gebiete auf dem Waffenplatz Zürich-Reppischtal abgesperrt.

Während Schiessübungen werden bestimmte Gebiete auf dem Waffenplatz Zürich-Reppischtal abgesperrt.

Archivbild: Bettina Hamilton-Irvine

Geschlossene Restaurants, Fitnessstudios und Schwimmbäder: Anfang 2020 suchten immer mehr Leute nach Alternativen. Sie entdeckten den Waffenplatz Reppischtal als Erholungsgebiet zum Spazieren, Velofahren oder zum Gassigehen. Dass mehr Leute ins Reppischtal pilgerten, stellte das Mit- und Nebeneinander von Militär, Zivilisten und Landwirtschaft vor Herausforderungen.

Michael Haeringer, Chef der Waffenplatzverwaltung Reppischtal, freut sich darüber, dass die Bevölkerung das Waffenplatzgebiet nutzt. Aber: Je mehr Menschen das Reppischtal betreten, desto grösser ist das Risiko, dass manche die Benutzungsordnung nicht einhalten. Während des Lockdowns kreuzte zum Beispiel ein Mann mit seiner Golfausrüstung auf dem Waffenplatz auf. So wurde deutlich: Nicht allen sind die Regeln auf dem weitläufigen Gelände bekannt.

34 Kilometer lange Wege und Strassen und die Urdorfer Grillstelle Honeret mit traumhafter Aussicht auf das Reppischtal gehören ebenso zum rund 300 Hektaren grossen Waffenplatz wie Schützengräben und Schiessanlagen. Um zu verhindern, dass sich die verschiedenen Nutzer in die Quere kommen, gilt seit vier Jahren eine neue Benutzungsordnung. Nun ziehen die Verantwortlichen eine positive Bilanz: «Der Dreiklang auf dem Waffenplatz funktioniert», heisst es in einer Mitteilung des Kantons, die auf der Website der Gemeinde Urdorf aufgeschaltet wurde. Mit «Dreiklang» ist das Mit- und Nebeneinander von Natur, Mensch und Militär gemeint. «Die Verhaltensregeln für ein partnerschaftliches Mit- und Nebeneinander sind klar definiert, signalisiert und für alle Benutzerinnen und Benutzer verständlich», so die Gemeinde. Klingt schön und gut – aber was bedeutet das in der Praxis?

Barrieren sollen Zivilisten von Militärübungen fernhalten

Der Waffenplatz, der sich hauptsächlich auf Gemeindegebiet von Urdorf und Birmensdorf befindet, ist in verschiedene Zonen unterteilt. Einige Gebiete sind gemäss Benutzungsordnung für Zivilisten unzugänglich, andere dürfen nur ausserhalb von Militärübungen betreten werden und wieder andere dürfen immer genutzt werden. Aber Achtung: Das Begehen und das Befahren mit motorlosen Gefährten ist, wenn überhaupt, nur auf Wegen und Strassen erlaubt. Denn nur dort befinden sich Barrieren, die bei Schiessübungen runtergelassen werden und Zivilisten zwecks Sicherheit fernhalten können. Die Benutzungsordnung, in der unter anderem ein Flugverbot für Drohnen und eine Leinenpflicht für Hunde in gewissen Gebieten festgehalten ist, ist auf grossen Schildern an verschiedenen Standorten aufgestellt.

Die idyllische Landschaft auf dem Waffenplatz Zürich-Reppischtal lockt alle möglichen Leute an: zum Beispiel Spaziergänger, Fahrradfahrer und Hundehalter.

Die idyllische Landschaft auf dem Waffenplatz Zürich-Reppischtal lockt alle möglichen Leute an: zum Beispiel Spaziergänger, Fahrradfahrer und Hundehalter.

Archivbild: Suleika Baumgartner

Wer gegen die Regeln verstösst, kommt leicht davon

In den letzten vier Jahren seien nur drei Verzeigungen wegen Nichteinhalten der Benutzungsordnung ausgestellt worden. Dabei ging es um die Missachtung des Fahr- und Parkverbots sowie um Sachbeschädigung. Zudem erhielten mehrere Parkiersünder Kontrollgebühren aufgebrummt. Eingeholt werden die Gebühren von der Verwaltung des Waffenplatzes. Haeringer betont aber: «Wir sind nicht die Polizei.» Ein aktives Kontrollieren, ob die Regeln eingehalten werden, findet also nicht statt. Wenn aber ein Verstoss bemerkt wird, werde das Gespräch gesucht, sagt Haeringer. «Wir wollen, dass es möglichst wenige Konflikte gibt.» So werde die 40 Franken hohe Kontrollgebühr im Allgemeinen nur dann eingeholt, wenn sich jemand nicht einsichtig zeige.

Nicht alle wissen von den möglichen Gefahren

Wie viele Personen also die Regeln nicht einhalten und zum Beispiel ausserhalb der Wege im Gebiet herumwandern, lässt sich nicht genau abschätzen. Die meisten verstossen wohl unbewusst gegen die Benutzungsordnung, wie Michael Haeringer sagt. Sie zeigten meist Verständnis und seien dankbar, wenn ihnen die Gefahrensituation erklärt werde. So beispielsweise eine Familie, die sich zum Picknicken auf einen Platz gesetzt habe, auf dem zu anderen Zeiten Handgranaten geworfen werden und neben dem Schützengräben liegen, in die Kinder leicht hineinfallen können. Eine andere Familie sei seelenruhig durch eine Kampfanlage spaziert, ohne die Gefahr zu bemerken, die von den militärischen Objekten und den Schützengräben ausgehen könne.

Neue Nutzerinnen und Nutzer auf die Benutzungsordnung aufmerksam machen, Alteingesessene daran erinnern und denen danken, die die Regeln befolgen – das sei ein grosses Anliegen der Verantwortlichen, betont Haeringer. Denn wenn sich alle an die Regeln halten, können die verschiedenen Nutzer auch weiterhin am besten vom Waffenplatz Reppischtal profitieren.

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