Sicherheit

Urdorf will wieder eigene Polizisten – und kündigt die Zusammenarbeit mit Schlieren

Urdorf will wieder eine eigene Gemeindepolizei (Symbolbild).

Urdorf will wieder eine eigene Gemeindepolizei (Symbolbild).

Zu fern und zu teuer: Die Gemeinde kündigt den Zusammenarbeitsvertrag mit der Stadtpolizei Schlieren auf Ende 2022.

Ab Januar 2023 soll in Urdorf wieder eine eigene Gemeindepolizei für Ruhe und Ordnung sorgen. «Wir streben eine sichtbare, im Dorf präsente Polizei an», sagt Sicherheitsvorstand Andreas Herren (SP).

Mit der aktuellen Lösung, der seit 2008 bestehenden Kooperation mit der Nachbarstadt Schlieren, zeigt sich der Urdorfer Gemeinderat nicht mehr zufrieden. Die Kosten für die Arbeit der Stadtpolizei Schlieren/Urdorf seien seit Beginn der Zusammenarbeit gestiegen, ohne dass dafür die Dienstleistungen erweitert wurden, hält der Gemeinderat in einer Medienmitteilung fest. Rund 500'000 Franken habe die Gemeinde anfänglich pro Jahr aufgewendet, inzwischen seien es rund 900'000 Franken, sagt Herren. Auf diese Kosten könne der Urdorfer Gemeinderat keinen direkten Einfluss nehmen.

Es ist dabei nicht einmal so sehr die Höhe der Kosten, auf welche Urdorf reagiert. Sicherheit koste, ist sich Herren bewusst. Aber mit der aktuellen Lösung könne die Gemeinde einfach zu wenig Einfluss auf die strategische und operative Ausrichtung nehmen. Es bestehe zwar sowohl auf politischer als auch auf verwaltungstechnischer Ebene ein Austausch mit Schlieren, sagt Herren. «Die Stadtpolizei kontrolliert auf unsere Hinweise hin auch neue Hotspots.» Doch sei dies mitunter wegen der fehlenden Nähe oft nicht nachhaltig. «Der Gemeinderat Urdorf will die Gemeindepolizei inskünftig wesentlich stärker und direkter führen und die Polizeiarbeit somit selber steuern», heisst es in der Mitteilung.

Deshalb hat der Gemeinderat den Anschlussvertrag mit der Stadt Schlieren zur Führung einer gemeinsamen Kommunalpolizei auf den 31. Dezember 2022 gekündigt. «Der Gemeinderat ist überzeugt, mit einem eigenen Polizeikorps besser für die neuen Herausforderungen gerüstet zu sein.»

Schlieren passt Polizei an, baut Korps aber nicht ab

Die Stadt Schlieren hat den Absprung von Urdorf Ende Jahr zur Kenntnis genommen. Vorerst ändere sich nichts, sagt der Schlieremer Sicherheitsvorstand Pascal Leuchtmann (SP). «Die Stadtpolizei wird bis Ende 2022 professionell und zuverlässig die gemeindepolizeilichen Aufgaben in Schlieren und Urdorf wahrnehmen.»

Die Zeit bis zum Urdorfer Austritt nutzt Schlieren, «um die personellen Ressourcen im Polizeikorps den gestiegenen Anforderungen der Bevölkerung ­sowie der dynamischen Entwicklung im Bereich der Einwohnerzahl als auch der Arbeitsplätze noch besser anzupassen», schreibt der Schlieremer Stadtrat in seiner Mitteilung. Was das genau bedeutet, ist noch offen. «Wir haben zwei Jahre Zeit, um genau zu analysieren, was wir wie anpassen», sagt Leuchtmann.

Klar sei aber, dass es zu keinen Kündigungen im Korps komme, das nach einigen Turbulenzen im vergangenen Jahr nun Anfang März wieder den Sollbestand von 14 Mitarbeitenden aufweisen wird. «Die Stadt wächst, sie wird dadurch auch urbaner und etwas anonymer, das führt zu neuen Aufgaben», sagt Leuchtmann. Schwerpunkt der Polizeiarbeit soll die Bürgernähe sein, die durch noch mehr Präsenz im Zentrum und in den Quartieren erreicht werde.

Mehr Bürgernähe erhofft sich auch Urdorf mit dem Aufbau eines eigenen im Dorf mit einem autonomen Polizeiposten verankerten Korps. Wie dieses Aussehen wird, ist noch offen. «Die konzeptionellen Arbeiten laufen», sagt Andreas Herren. Unklar ist auch, welches Preisschild die Urdorfer Gemeindepolizei am Ende tragen wird. Ob es günstiger oder teurer wird, kann Herren noch nicht sagen. «Wichtig ist, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.»

Bereits vor der Kooperation mit Schlieren hatte Urdorf über eine eigene Polizei verfügt. 2008 hatte die Meinung vorgeherrscht, dass ein gemeinsames grösseres Korps Vorteile mit sich bringt – etwa im Hinblick auf einen Drei-Schicht-Betrieb. Sowohl Herren als auch Leuchtmann erwähnen im Gespräch, dass inzwischen ein Gegentrend spürbar sei. «Der Polizist vor Ort, der seine Quartiere kennt, wird für die Bevölkerung immer wichtiger», sagen die beiden Sicherheitsvorsteher in ähnlichen Worten.

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