Bergermoos
Urdorf will den Kiesplatz bebauen – doch der Kanton blockiert ihn seit 54 Jahren

Die Gemeinde will das Bergermoos entwickeln. Doch die Baudirektion gibt eine attraktive Fläche nicht frei.

David Egger
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Dieses Grundstück lässt der Kanton brachliegen (links der Hauptsitz von Renault Schweiz, rechts jener von Brütsch/Rüegger).

Dieses Grundstück lässt der Kanton brachliegen (links der Hauptsitz von Renault Schweiz, rechts jener von Brütsch/Rüegger).

David Egger

Was hat doch der Bau der Westumfahrung in den 60er-Jahren die Gemeinde Urdorf geprägt: Erneut rückt ein Überbleibsel von damals in den Fokus. Die Rede ist vom Kiesplatz, der im Industrie- und Gewerbegebiet Bergermoos brachliegt, gleich neben der Firma Brütsch/Rüegger. Eigentümer ist seit 1962 der kantonale Strassenfonds.

Die Gemeinde würde gerne sehen, wie Unternehmen das Grundstück bebauen, dort Gewinn machen und Steuern zahlen. «Unseres Erachtens liegt es im Interesse der Volkswirtschaft und der öffentlichen Hand, diese Parzelle einer wirtschaftlichen Nutzung zuzuführen», sagt Patrick Müller, Leiter Stab der Gemeinde Urdorf. Trotz umfassender Anstrengungen der Gemeinde in den letzten Jahren sei die Verfügbarkeit der Parzelle aber bisher durch das zuständige Immobilienamt des Kantons Zürich verneint worden.

Wirtschaftsraum Nord: Gemeinde will Entwicklung klar kommunizieren

Auch beim Wirtschaftsraum Nord, für den nach der Entwicklungsstrategie bis 2017 ein Masterplan vorliegen soll, gibt es Neues zu vermelden. Die Gemeinde hat kürzlich die Kommunikations-Grundlagen für den Wirtschaftsraum Nord erarbeitet. Mithilfe, zum Beispiel durch ein Kommunikationsbüro, war dafür nicht nötig. Wie Patrick Müller, Leiter Stab der Gemeinde, auf Anfrage mitteilt, sei zukünftige externe Unterstützung aber denkbar, zum Beispiel bei der Erstellung und dem Betrieb einer Website für den Wirtschaftsraum Nord.

Auch bei weiteren Parzellen im Bergermoos seien Wertschöpfungs-Potentiale erkennbar. Die Gemeinde will nun, dass aus dem Potential eine echte Entwicklung wird. Kürzlich machte sie bekannt, dass sie eine Entwicklungsstrategie für das Gebiet Bergermoos erarbeitet – so wie sie es für den Wirtschaftsraum Nord bereits getan hat. An der Erarbeitung der Strategie ist auch die Gemeinde Birmensdorf beteiligt, da deren Industriegebiet Ristet mit dem Bergermoos zusammengewachsen ist – die Gemeindegrenze verläuft durch einen Parkplatz.

Baudirektion erhält Pachtzinsen

Doch zurück zum Kiesplatz, der seit 54 Jahren dem Kanton gehört. Allzu schnell wird dieser nicht der Wirtschaft dienen. Zwar ist klar, dass das Grundstück definitiv nicht für verkehrliche Zwecke gebraucht wird und daher aus dem Strassenfonds entlassen werden soll. Doch basierend auf dem Regierungsratsbeschluss Nummer 1037 aus dem Jahr 2006 darf ein Kanton Liegenschaften nur dann veräussern, wenn kein öffentlicher Verwendungszweck absehbar ist. Laut eines Sprechers der Baudirektion klärt der Kanton nun verwaltungsintern ab, ob eine seiner Direktionen des Grundstücks bedarf.

In der Buchhaltung des Kantons ist das Grundstück mit einem Wert von 2,32 Millionen Franken gelistet. Der heutige Wert ist wohl höher. Eine aktuelle Schätzung gebe es aber noch nicht, so der Sprecher. Wie viel der Kanton 1962 für das Grundstück bezahlt hat, hält die Baudirektion mit Verweis auf das Datenschutzgesetz unter Verschluss. Ebenso geheim bleiben die Einnahmen aus dem Grundstück. Der Kanton hat den Kiesplatz an drei Mieter verpachtet, die dort in erster Linie Bauutensilien lagern.

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Mal täglich hält ein Bus von Dietikon her im Urdorfer Gebiet Bergermoos. Von Birmensdorf her sind es 19.. Zum Vergleich: An der Haltestelle Spitzacker beim Urdorfer Zentrum halten täglich 38 Busse, die von Dietikon herkommen. Firmen im Bergermoos wünschen sich nun vor allem über Mittag mehr Bus-Verbindungen für ihre Mitarbeiter.

Firmen wünschen sich mehr öV

In die Entwicklungsstrategie sollen neben den Zielen der Gemeinden Urdorf und Birmensdorf auch die Bedürfnisse der Unternehmen einfliessen. So haben manche Unternehmen der Gemeinde Urdorf bereits mitgeteilt, wo sie selber noch Entwicklungspotentiale sehen.

Häufig wird die Situation mit dem öV angesprochen, der das Bergermoos nicht ganztägig anfährt. Der erste Bus von Urdorf her kommt kurz nach 6 Uhr im Bergermoos an – zu spät für manche Arbeiter, sie sind aufs Auto angewiesen. Zwischen 9 und 11.30 Uhr fahren dann keine Busse mehr, ebensowenig von 13 bis 16 Uhr. Wer also zum Mittagessen ins Urdorfer Zentrum fährt, muss aufpassen, dass er bei Kaffee und Dessert nicht zu lange verweilt. Denn der nächste Bus kommt erst drei Stunden später. Die Strategie soll nun aufzeigen, wie eine bessere öV-Erschliessung möglich wäre. Dabei geht es nicht nur um Abfahrts- und Ankunftszeiten: So ist die Haltestelle Ristet auf Birmensdorfer Seite provisorisch und nur einseitig befahrbar, während die Haltestelle Heinrich-Stutz-Strasse auf der Urdorfer Seite sich auf einer provisorischen Verbindungsstrasse ohne Namen befindet, ohne die der Bus einen Umweg nehmen müsste. Auch für Fussgänger und Velofahrer gibt es im Bergermoos einzelne Schwachstellen. Dies zeige das Langsamverkehrskonzept der Gemeinde auf, das zurzeit als Entwurf vorliege, wie Patrick Müller sagt.

Manche Firmen wünschen sich zudem bessere Aufenthaltsmöglichkeiten. Die Gemeinde klärt nun ab, ob diesem Wunsch entsprochen werden kann. Ebenfalls geäussert wurde der Wunsch nach einer besseren Verpflegungssituation. Ausser einigen Imbiss-Ständen haben Bergermoos und Ristet heute kulinarisch wenig zu bieten.

Wie es nach der Erstellung der Strategie weitergehen soll, wird noch während der Ausarbeitungsphase festgelegt. Diese wird begleitet durch das Planungsbüro SWR Infra AG aus Dietikon und soll bis Ende Jahr erste Ergebnisse liefern. Der Urdorfer Gemeinderat hat dafür einen Kredit von 48 000 Franken gesprochen. Dies entspricht 75 Prozent der Kosten. Birmensdorf übernimmt die restlichen 25 Prozent. Das entspricht 16 000 Franken.