Urdorf
Wie wird das Dorf in den nächsten 15 Jahren wachsen? Bevölkerung soll bei der Siedlungs- und Verkehrsentwicklung mitreden

Die Gemeinde Urdorf nimmt die Revision des kommunalen Richtplans an die Hand. In einem ersten Schritt sollen Einwohner und Interessierte ihre Meinung in einem Onlinefragebogen kundtun.

Sibylle Egloff
Merken
Drucken
Teilen
Orientierung für die Zukunft: Die Gemeinde will den kommunalen Richtplan von Urdorf aktualisieren.

Orientierung für die Zukunft: Die Gemeinde will den kommunalen Richtplan von Urdorf aktualisieren.

Bild: Severin Bigler

Wie soll Urdorf künftig aussehen? Mit dieser Frage beschäftigen sich derzeit der Gemeinderat und die Verantwortlichen der Verwaltung der Gemeinde. Der kommunale Richtplan von Urdorf stammt aus dem Jahr 2003. Nach über 17 Jahren wird es Zeit, das Planungs- und Entwicklungsinstrument zu aktualisieren. «Der kommunale Richtplan stellt die übergeordneten planerischen Vorgaben des kantonalen und regionalen Richtplans sicher. Momentan ist er aber veraltet und erfüllt diese Anforderungen nicht mehr», erklärt Rebecca Broekema, Bereichsleiterin Planung, Bau und Werke der Gemeinde Urdorf.

Man will für die Zukunft gewappnet sein. «Der kommunale Richtplan gibt einen Zeithorizont von etwa 15 bis 20 Jahren an. Er ist für die Behörden verbindlich und dient als Entwicklungsinstrument. Gleichzeitig nimmt er die Bedürfnisse, Zielsetzungen und Strategien der Gemeinde Urdorf auf.» Überdies könne sich die Bevölkerung daran orientieren und sehen, wohin es in den kommenden 15 Jahren gehen solle, sagt Broekema.

Das Thema Verkehr wird Urdorf besonders beschäftigen

Aktuell befindet man sich in der Analysephase. «Wir tragen die Fakten und die derzeitige Situation zusammen und vertiefen das Wissen», sagt Broekema. Das nächste Ziel sei, die Stossrichtung festzulegen. Die kantonale Vorgabe ist dabei klar: Die Gemeinden und Städte müssen wachsen. «Wir müssen uns überlegen, wie und in welchem Rahmen wir das umsetzen», sagt Broekema. Das Augenmerk der Gemeinde liegt auf den Bereichen Siedlung, Landschaft und Verkehr. Besonders Letzteres ist ein wichtiges Thema für Urdorf. «Die Gemeinde liegt direkt an der Autobahn mit der Anschlusssituation an den Gubrist und das Limmattaler Kreuz. Sie ist an die S-Bahn angeschlossen und ab Dezember 2022 verkehrt die Limmattalbahn durchs Dorf. Es ist essenziell, wie wir in Urdorf damit umgehen», so Broekema. Der Verkehr sei grundsätzlich gut geregelt, doch es gebe Punkte, die optimiert werden müssten.

Das Thema Wachstum ist nicht nur im Zusammenhang mit dem Verkehr eine Herausforderung. «Es stellt sich generell die Frage, wie und in welcher Qualität Urdorf wachsen soll. Daran gekoppelt ist die landschaftliche Entwicklung. Wie viel Naherholungsraum braucht es, wie viele grüne Aussenräume müssen erhalten werden?» Die Hauptaufgabe der Gemeinde sei, einen guten Mix zu finden und diesen im revidierten kommunalen Richtplan festzuhalten, sagt Broekema. Dazu will die Gemeinde nun auch die Bevölkerung beiziehen. Sie soll sich bei der Entwicklung des Dorfs einbringen können.

Bevölkerung soll konkrete Schwachstellen nennen

Ab Montag können die Urdorfer Einwohnerinnen und Einwohnern sowie Interessierte auf der Website der Gemeinde einen Onlinefragebogen ausfüllen. Die Befragung besteht aus drei Teilen und konzentriert sich auf allgemeine Informationen, Rückmeldungen zum Verkehr und zur Siedlungsentwicklung. «Die Teilnehmenden registrieren sich auf der Plattform und geben in Multiple-Choice-Fragen statistische Angaben zu ihrer Person ab. Im zweiten Teil haben sie die Möglichkeit, konkrete Vorschläge zum Beispiel zum Thema Langsamverkehr zu machen. Dazu können sie auf Karten konkret Schwachstellen nennen», erklärt Broekema. Im dritten Teil will die Gemeinde unter anderem erfahren, wo sich die Bevölkerung gerne aufhält und welche Vorzüge Urdorf als Wohn- und Arbeitsort aufweist.

«Wir erhoffen uns, dass viele Personen teilnehmen, die in Urdorf wohnen und arbeiten, damit wir eine breite Perspektive erhalten», sagt Broekema. Man werde versuchen, Ideen und Vorschläge, wo sinnvoll und möglich, aufzunehmen und im kommunalen Richtplan einzubringen. «Wir können aber nur auf richtplanrelevante Punkte eingehen», betont Broekema. Wer es nicht schafft, den Fragebogen online auszufüllen, kann sich an die Gemeinde wenden. «Die Gemeindeverwaltung geht die Fragen wenn nötig im Gemeindehaus mit Interessierten durch. Vorschläge können zudem auch auf Papier physisch zugestellt werden. Wir möchten allen den Zugang ermöglichen.»

Am 29. Juni ist ein Mitwirkungsanlass geplant

Die Mitwirkung ist mit dem Fragebogen, der bis am 23. April abrufbar ist, jedoch nicht beendet. Die Gemeinde plant am 29. Juni eine Austauschveranstaltung, die je nach Coronasituation digital oder in der Zentrumshalle Spitzacker mit moderierten Thementischen stattfinden soll. Vorgesehen ist vor der öffentlichen Auflage des kommunalen Richtplans im Herbst 2021 eine Informationsveranstaltung, je nach Möglichkeit physisch oder digital. «So erhalten die Interessierten einen Überblick über das erarbeitete Produkt und die darin definierten Massnahmen», sagt Broekema. Die finale Vorlage des kommunalen Richtplans soll voraussichtlich im Sommer oder Winter 2022 der Gemeindeversammlung unterbreitet werden.