Urdorf
Skyline, Goofy oder Zombiekopf: Jugendliche lassen ihrer Fantasie beim Sprayen freien Lauf

An einem Graffiti-Workshop der Jugendarbeit Urdorf brachte Künstler Raphael Fahrni acht Teilnehmenden die Kunst des Sprayens näher.

Sibylle Egloff
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Die ersten Graffiti-Versuche: Acht Urdorfer Schülerinnen und Schüler nahmen am Graffiti-Workshop der Jugendarbeit Urdorf teil und übten sich im Sprayen. Nicola (11, links) entwirft einen Schriftzug vor einem farbigen Hintergrund und Yuma (12) kreiert einen Zombiekopf, der sich nachts rollend auf die Suche nach seinem Körper macht.

Die ersten Graffiti-Versuche: Acht Urdorfer Schülerinnen und Schüler nahmen am Graffiti-Workshop der Jugendarbeit Urdorf teil und übten sich im Sprayen. Nicola (11, links) entwirft einen Schriftzug vor einem farbigen Hintergrund und Yuma (12) kreiert einen Zombiekopf, der sich nachts rollend auf die Suche nach seinem Körper macht.

Sibylle Egloff

Das Schütteln der Dosen übertönt beinahe die Beats des 90er-Jahre-Hip-Hop-Klassikers «The Ghetto». Gekonnt hantiert der zehnjährige Matyas mit zwei Spraydosen. Im Nu entsteht auf der weissen Platte ein nebliger Himmel aus hell- und dunkelblauer Farbe. «Sieht geil aus, Matyas», ruft sein Bruder über den Skateplatz hinter dem Embri-Schulhaus in Urdorf. Acht Jugendliche übten sich letzten Samstag an einem Graffiti-Workshop der Jugendarbeit Urdorf.

Die Beziehungsarbeit steht wieder im Vordergrund

Es war das erste Projekt, das Jugendarbeiterin Ramona Hochrainer und ihr Kollege Benjamin Timischl seit Ausbruch der Pandemie auf die Beine stellen konnten. «Aufgabenspektrum war in den vergangenen Monaten aufgrund der Pandemie eingeschränkt. Langsam aber sicher können wir uns wieder vollständig auf die Beziehungsarbeit fokussieren, mit den Jugendlichen Projekte organisieren und ihnen etwas ermöglichen», so Hochrainer.

Profisprayer Raphael Fahrni (links) führte die Jugendlichen in die Graffiti-Kunst ein. Hier hilft er Antonio bei seiner Goofy-Figur.

Profisprayer Raphael Fahrni (links) führte die Jugendlichen in die Graffiti-Kunst ein. Hier hilft er Antonio bei seiner Goofy-Figur.

Sibylle Egloff

Die Leitung des Workshops übernahm der Wohler Profisprayer Raphael Fahrni. Er zeigte den Teilnehmenden nicht nur, worauf es technisch beim Sprayen ankommt, sondern erzählte auch von seinen persönlichen Erfahrungen. «Ich merke, dass das Sprayen ein Bedürfnis für sie ist. Ich möchte ihnen zeigen, wie sie etwas Geregeltes und Ernsthaftes schaffen und eben keine illegalen Schmierereien», sagte Fahrni.

Jüngster Teilnehmer mit viel Talent: Der zehnjährige Matyas entwarf eine Skyline, die sich in einem See spiegelt.

Jüngster Teilnehmer mit viel Talent: Der zehnjährige Matyas entwarf eine Skyline, die sich in einem See spiegelt.

Sibylle Egloff

Die rechtlichen Aspekte zu beleuchten, war der Jugendarbeit Urdorf ein Anliegen. Jugendarbeiterin Hochrainer sagte:

«Wir möchten den Jugendlichen anhand von Raphaels Geschichte demonstrieren, wie man sich legal für Graffiti-Projekte einsetzt.»

Der Workshop soll nicht der einzige bleiben. «Eine Idee wäre, dass uns die Gemeinde die Wand auf dem Sportplatz freigibt, um dort legal Graffiti anzubringen.»

Der 13-jährige David wünscht sich, dass die Gemeinde die Wand auf dem Skateplatz freigibt, um darauf Graffiti zu realisieren.

Der 13-jährige David wünscht sich, dass die Gemeinde die Wand auf dem Skateplatz freigibt, um darauf Graffiti zu realisieren.

Sibylle Egloff

Das würden die acht neuen Sprayer begrüssen. «Es wäre toll, wenn uns das erlaubt würde», sagte der 13-Jährige David. Er entwarf einen gelb-violetten Schriftzug. Angetan vom Sprayen zeigte sich auch der Zwölfjährige Yuma, der einen Zombiekopf kreierte: «Es gibt kein Perfekt. Wenn ich einen Fehler mache, kann ich einfach drübersprayen und meiner Fantasie freien Lauf lassen.»