Jahresrechnung
Urdorf muss den Gürtel enger schnallen

Die Schulden der Politischen Gemeindehaben sich innert eines Jahres auf 35 Millionen erhöht. Der Gemeinderat beurteilt dieSituation «sehr angespannt».

Katja Landolt
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Eines von drei Megaprojekten: die Kunsteisbahn Weihermatt.Fuo

Eines von drei Megaprojekten: die Kunsteisbahn Weihermatt.Fuo

Die Jahresrechnung der Politischen Gemeinde Urdorf hat besser abgeschlossen als erwartet – das Defizit beläuft sich statt der erwarteten
1,4 Millionen Franken auf 844000 Franken (az Limmattaler Zeitung vom 19. April). Aber: Die langfristigen Schulden haben sich um 15 Millionen auf 35 Millionen Franken erhöht. Das bei einem Nettoertrag von 46 Millionen und einem Nettoaufwand von 47 Millionen Franken. Finanzvorstand Thomas Hächler sagte denn auch an der Rechnungspräsentation im April: «In den kommenden Jahren müssen wir dringend Schulden abbauen.» Doch was heisst das konkret?

Der Gemeinderat beurteilt die finanzielle Situation als «sehr angespannt». Gemäss Patrick Müller, Leiter Stab, ist dies die Folge der hohen Investitionen, insbesondere der drei vom Stimmvolk beschlossenen Projekte Sanierung und Erweiterung des Alterszentrums Weihermatt für 29 Millionen Franken, der Sanierung der Kunsteisbahn Weihermatt für 6,1 Millionen Franken und der Sanierung der Birmensdorferstrasse und der Redimensionierung der Feldstrasse für 3,2 Millionen Franken.

Enger Handlungsspielraum

«Der Gemeinderat hat ein effektives Controlling installiert, das die finanzielle Leistungsfähigkeit der Politischen Gemeinde sicherstellt», so Müller. So würden weitere Investitionen und die Aufwendungen der laufenden Rechnung konsequent auf die unmittelbare Notwendigkeit hin geprüft. «Dies im Bewusstsein, dass insbesondere aus den Folgekosten der Investitionen und im Bereich ‹Soziale Wohlfahrt› ein erheblicher Kostendruck besteht und die Politische Gemeinde keinen Ressourcenausgleich erhält.»

Diese Massnahmen schränken den Handlungsspielraum der Gemeinde ein: Der Gemeinderat hat in seinem Leitbild definiert, dass wegen des hohen Investitionsbedarfs konsequent zwischen Pflicht- und Wunschbedarf unterschieden werden muss. «Als Folge dieser finanziellen Steuerung müssen wir insbesondere auch auf die Teilnahme an wünschenswerten Projekten verzichten», so Müller.

Will heissen: Projekte, wie beispielsweise zusätzliche Sport- und Freizeitanlagen, müssen auf der Prioritätenliste nach hinten verschoben beziehungsweise gänzlich darauf verzichtet werden. Weiter müsse die Differenzierung auch in gesellschaftspolitischen Fragestellungen geschehen. Generell sei die Zielsetzung von Gemeinderat, Verwaltung und Betrieben, «Dass wir uns vermehrt auf unsere Kernaufgaben konzentrieren», so Müller. «Der Gemeinderat ist aber bestrebt, die Qualität der Gemeinde Urdorf, insbesondere als Wohnort für Familien, zu festigen.»

Mit Megaprojekten übernommen?

Hat sich die Gemeinde mit den finanziellen Megaprojekten Alterszentrum und Kunsteisbahn übernommen? «Nein, wir wussten um den Effekt, den diese Investitionen mit sich bringen würden», sagt Müller. Auch hätte man in den Weisungen zu den Gemeindeversammlungen jeweils deutlich darauf hingewiesen. «Das passiert alles im kontrollierten Rahmen», versichert Müller.

Primäres finanzpolitisches Ziel für die kommenden Jahre sei es, die Schulden zu amortisieren. Das wird aber noch einen Moment dauern; laut Planrechnungen rechnet die Gemeinde in den kommenden Jahren zwar mit Ertragsüberschüssen. Müller: «Diese sind von unmittelbarer Notwendigkeit, damit die verzinslichen Schulden bis Abschluss des Planjahres 2016 wenigstens leicht reduziert werden können.»

Gemeindeversammlung der Politischen Gemeinde und der Schulgemeinde Mittwoch, 13. Juni, 20 Uhr, Mehrzweckhalle Zentrum.