Urdorf
Mehr Zeit zum Kochen und Backen: Nach knapp 15 Jahren freut sich Sigrist Werner Müller auf den Ruhestand

Seit 2006 war er für die reformierte Kirche Urdorf tätig. In dieser Zeit hat Werner Müller nicht nur seine Pflichten erfüllt, sondern auch die Mitglieder der Gemeinde gerne bekocht.

Virginia Kamm
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Werner Müller hat besonders den Kontakt zu den Leuten an seiner Arbeit als Sigrist geschätzt.

Werner Müller hat besonders den Kontakt zu den Leuten an seiner Arbeit als Sigrist geschätzt.

Severin Bigler

Nach vierzehneinhalb Jahren als Sigrist der reformierten Kirche Urdorf beginnt für Werner Müller per Ende Februar der Ruhestand. Er blickt auf eine schöne Zeit zurück, in der er die Gemeinde Urdorf mit ihren Einwohnerinnen und Einwohnern gut kennen gelernt hat. «Am meisten Freude hat mir in meinem Beruf der Kontakt zu den Leuten bereitet», erzählt er. Doch das Soziale ist nicht seine einzige Stärke: Schon seit seiner Kindheit kocht und backt er leidenschaftlich gerne. Dieses Talent konnte er oft mit seinen Aufgaben als Sigrist verbinden.

So war zum Beispiel Werner Müllers Paella fester Bestandteil des monatlichen «Mannetreffs» der Kirche. «Bei der ersten Durchführung des Treffs habe ich für 13 Personen gekocht, beim zweiten Mal waren es schon 51 und von da an wurde bei jedem Treff meine Paella verlangt», erzählt er und lacht. Auch beim Mitarbeiteressen der Kirche und beim Weihnachtsessen des Altersheims wurden seine Gerichte aufgetischt. Zudem hat er regelmässig für die Mitglieder der Kirchenpflege Kuchen gebacken.

Zu seinem Hobby ist Werner Müller durch einen Spitalaufenthalt seiner Mutter gekommen. Damals war er in der dritten Klasse. Weil nur noch Männer im Haus waren, hat er das Kochen übernommen und sich alle Fähigkeiten selber beigebracht. Mit dem Backen hat er sogar schon im Kindergartenalter begonnen. Seine Spezialität ist eine Himbeerroulade, die er schon seit Jahren macht und deren Rezept er in- und auswendig kennt.

Nach einem Unfall musste er sich beruflich umorientieren

Werner Müller hat seine berufliche Laufbahn nicht als Sigrist begonnen: Der gelernte Schreiner musste sich nach einem Unfall umorientieren. Er war auf einer eisigen Fläche ausgerutscht und hatte sich die Schulter verletzt. «Es war nicht einfach, mit 50 Jahren noch eine völlig neue Arbeit zu finden», sagt Müller, der auf einem Bauernhof in Kölliken im Kanton Aargau aufgewachsen ist. Vor seiner Tätigkeit als Sigrist sei er nicht besonders fromm gewesen, mit der Zeit habe er es aber immer mehr geschätzt, sich in der Kirche aufzuhalten.

In seinen knapp 15 Jahren als Sigrist hat Werner Müller zahlreiche Gottesdienste und andere Anlässe begleitet. Besonders in Erinnerung bleibt ihm ein lustiges Erlebnis aus seinem ersten Jahr in Urdorf: «Meine Aufgabe war es, in der Weihnachtszeit die Krippe in der Kirche aufzubauen», erzählt er. Traditionellerweise fehlt das Jesuskind in der Krippe bis am 24. Dezember. «Während des Gottesdienstes an Heiligabend merkte ich plötzlich, dass ich vergessen hatte, das Christkind in die Krippe zu legen», sagt er und lacht. So habe er während der Messe die Figur holen und möglichst unbemerkt in die Krippe schmuggeln müssen.

Werner Müller freut sich, nun mehr Zeit für seine Leidenschaft, das Kochen und Backen, zu haben. Momentan ist er mit dem Umzug von der Dienstwohnung bei der reformierten Kirche Urdorf nach Schlieren beschäftigt. Um auch in Zukunft in der Nähe seiner beiden Töchtern zu wohnen, bleibt er im Limmattal. Diese haben ihn oft in seiner Tätigkeit als Sigrist unterstützt. «Ich freue mich auch darauf, nicht mehr an Sonn- und Feiertagen arbeiten zu müssen», fügt er hinzu. Besonders in der Adventszeit seien seine Arbeitstage lange und anstrengend gewesen. «Dieses Jahr werde ich zum ersten Mal seit langem Zeit haben, selber Weihnachtsguetzli zu backen», sagt er.

Sobald es Corona wieder erlaubt, wird Werner Müller einige Reisen unternehmen: «Meine Töchter haben mir eine Toskana-Reise zum Geburtstag geschenkt, die wir noch nachholen müssen», sagt er. Zudem hofft er, schon bald wieder einen Freund, der in der Slowakei lebt, besuchen zu können.