Abstimmung
Gemeinsame Zukunft besiegelt: Urdorf wird 2022 zur Einheitsgemeinde

Die Stimmberechtigten geben an der Urne grünes Licht für die Bildung einer Einheitsgemeinde. Schule, Gemeinde und Befürworter freuen sich über das sehr deutliche Resultat.

Sibylle Egloff
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Dank der Einheitsgemeinde kann sich die Schulpflege künftig auf die Kernthemen Bildung und Betreuung konzentrieren und ist von operativen Aufgaben befreit.

Dank der Einheitsgemeinde kann sich die Schulpflege künftig auf die Kernthemen Bildung und Betreuung konzentrieren und ist von operativen Aufgaben befreit.

Chris Iseli

Der gemeinsame Weg der Schulgemeinde und der politischen Gemeinde Urdorf kann 2022 beginnen. Dann wird das Dorf zu einer Einheitsgemeinde. Das haben die Stimmberechtigten an der Urnenabstimmung am Sonntag entschieden – und zwar sehr deutlich. Sie bewilligten die gemeinsame Gemeindeordnung mit 1518 Ja- zu 313 Nein-Stimmen. Das ist ein Ja-Stimmen-Anteil von 83 Prozent. Die Stimmbeteiligung lag bei 31 Prozent.

Nachdem die Schulpflege Anfang 2020 die Bildung einer Einheitsgemeinde angestossen hatte, starteten die beiden Behörden ihre Zusammenarbeit und entwickelten im Coronajahr eine gemeinsame Gemeindeordnung. Dass diese nun vom Stimmvolk abgesegnet ist, freut Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner (EVP). «Der Gemeinderat ist sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Mit dieser Gemeindeordnung haben wir eine solide Grundlage, um weiter miteinander zu arbeiten. Es ist ein Mehrwert, dass sich unsere Einwohnerinnen und Einwohner künftig nur noch an einen Ansprechpartner wenden können», sagt Rottensteiner.

Zudem leiste die Einheitsgemeinde auch einen Beitrag dazu, politische Ämter nachhaltig miliztauglich zu machen und sie von operativen Aufgaben zu befreien. Das sei vor allem im Hinblick auf die bevorstehenden Erneuerungswahlen 2022 ein Vorteil, so Rottensteiner. Ebenso erfreut zeigt sich Schulpräsidentin Irmgard Struchen (CVP):

«Ich möchte mich bei den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern für ihr Vertrauen bedanken. Ich bin überzeugt, dass die neue Gemeindeordnung Urdorf viele Vorteile bringt, vor allem im Bereich der Liegenschaften.»

Das gemeinsame Vorwärtsgehen sei für die Schule eine Entlastung im Bereich der Finanzen und Liegenschaften. «Wir können uns nun um die Kernthemen Bildung und Betreuung kümmern.» Die beiden Güter gingen davon aus, dass die Vorlage angenommen wird.

«Wir hatten die Unterstützung der Parteien und der Rechnungsprüfungskommission. Für mich war klar, dass wir dadurch eine gute Ausgangslage haben. Nichtsdestotrotz überrascht mich der sehr hohe Ja-Anteil positiv», sagt Rottensteiner.

Fünf Jahre nach dem gescheiterten Versuch hat es nun geklappt

Fünf Jahre nach dem ersten gescheiterten Versuch an der Urne stehen die Urdorfer Stimmberechtigten nun sehr deutlich hinter dem gemeinsamen Weg. «2016 bestanden ganz andere Voraussetzungen», erklärt sich die Gemeindepräsidentin den anderen Abstimmungsausgang. Als die politische Gemeinde dem Stimmvolk damals eine gemeinsame Gemeindeordnung auf Initiative von alt-Gemeinderat Jürg Pauli (SVP) vorlegte, wurde die Fusion von der Schulpflege nicht unterstützt. «Dass die Einheitsgemeinde nun von uns gewünscht wurde, macht den grossen Unterschied», sagt Struchen.

Damals habe die Schulpflege an der Autonomie festhalten wollen. «Doch die Zeiten ändern sich. Die Schulpflege wurde erneuert. Die Aufgaben der Schule werden komplexer, die Entwicklung geht rasant vorwärts. Ich bin froh, dass wir nun gewisse Themen abgeben und uns auf die Kernthemen konzentrieren können.» Das deutliche Resultat zeige, dass die Urdorferinnen und Urdorfer in die Zukunft schauen und künftig alles aus einer Hand gelöst haben wollen, sagt Rottensteiner. «Das ist der heutige Trend und die Zeit für Urdorf ist reif.»

Erleichtert über das deutliche Ja ist auch alt-Gemeinderat Roland Stämpfli (parteilos, früher SVP). Er war die treibende Kraft hinter der neuerlichen Forderung nach einer Einheitsgemeinde. «Das ist sensationell. Dieses Resultat macht mich sprachlos», sagt er. Er danke allen, die ihn bei seiner Mission unterstützt haben. Erwartet hätte er eine solche Zustimmung nicht. «Ich habe gehofft, dass die Vorlage angenommen wird, doch ich dachte, dass die Gegner aktiver wären», sagt Stämpfli. Die Ausgangslage sei bei dieser Abstimmung anders gewesen als vor fünf Jahren, betont auch er.

Stimmvolk hat überzeugte Zusammenarbeit gespürt

Seit die Schulgemeinde hinter der Einheitsgemeinde stehe, sei das Vorhaben zum Selbstläufer geworden. «Die beiden Behörden haben die Zusammenarbeit letztes Jahr bereits gelebt und umgesetzt. Sie waren überzeugt von einer gemeinsamen Gemeindeordnung und haben gezeigt, dass es funktioniert. Die Leute haben das gespürt, das zeigt das Ergebnis», sagt Stämpfli.

Die politische Gemeinde und die Schulgemeinde werden nun ein gemeinsames Budget für das Jahr 2022 erarbeiten und bereits strukturelle Anpassungen vornehmen, damit Urdorf am 1. Januar 2022 als Einheitsgemeinde starten kann. Schulpräsidentin Irmgard Struchen wird dann Einsitz im Gemeinderat nehmen und sich als Ressortvorsteherin um den Bereich Bildung kümmern. So richtig los geht es dann mit der Leitbild-Aktualisierung im Sommer 2022 nach den Erneuerungswahlen und der Konstituierung der Behörden.