Urdorf
Aus einem Brutplatz sind drei geworden: Die Mehlschwalben nisten auch an der Hauswand der Oberdorfgarage

Wegen der Überbauung auf dem Areal Senn verschwand mit dem Milchhüsli auch ein wichtiger Brutort für die Oberurdorfer Mehlschwalben. Mit Hilfe des Natur- und Vogelschutzvereins haben sie einen dritten neuen Standort erhalten.

Virginia Kamm Jetzt kommentieren
Drucken
Teilen
Die Oberurdorfer Mehlschwalben haben sich einen weiteren Brutplatz gesucht: die Hauswand der Oberdorfgarage.
7 Bilder
Bereits vor dem Abriss des Milchhüsli hat der Natur- und Vogelschutzverein Urdorf (NVU) ein Schwalbenhotel an der Ankengasse und einige Kunstnester am Florahof montiert. Letztere sind auf diesem Bild zu sehen.
Mehlschwalben seien sehr standorttreue Tiere, sagt NVU-Präsident Peder Zipperlen.
Gebäudebrüter, zu denen auch die Mehlschwalben gehören, haben ein Anrecht auf absoluten Schutz, erklärt Zipperlen. Will heissen: Wenn sie zu nisten begonnen haben, darf man ihnen die Nester nicht wieder wegnehmen.
Deshalb hat der NVU mit einer Bewilligung vom Kanton einen Teil der Fassade der Oberdorfgarage abgesperrt und dafür acht Kunstnester erstellt.
«Ich bin sehr zufrieden, wie sich die Situation am Muulaffeplatz entwickelt hat», sagt Zipperlen. «Ich war zuerst skeptisch und dachte schon, dass der Standort mit dem Abriss des Milchhüsli für die Mehlschwalben verloren gehe. Nun haben wir aus einem Brutplatz drei gemacht.»
Bereits Anfang September sind die Mehlschwalben in den Süden gezogen.

Die Oberurdorfer Mehlschwalben haben sich einen weiteren Brutplatz gesucht: die Hauswand der Oberdorfgarage.

zvg/Claudia Maire

Die Urdorfer Mehlschwalben haben ein weiteres Zuhause gefunden: Seit vergangenem Mai nisten sie auch an der Hauswand der Oberdorfgarage an der Friedhofstrasse. Im März, bevor die Mehlschwalben zum Brüten aus dem Süden zurückkehrten, begannen die Arbeiten an der Überbauung auf dem Areal Senn zwischen Kirch- und Ankengasse. Deshalb wurde das Milchhüsli abgerissen, dessen Fassade bis dahin einer grossen Mehlschwalbenkolonie als Brutplatz gedient hatte. Als Ersatz hatte der Natur- und Vogelschutzverein Urdorf (NVU) bereits 2019 ein Schwalbenhotel bei der Ankengasse und einige Kunstnester am Florahof montiert, die die Tiere im vergangenen Frühling als neue Brutplätze nutzten.

«Ein Teil der Vögel hat sich einen neuen Standort gesucht und Naturnester an der Oberdorfgarage zu bauen begonnen», sagt NVU-Präsident Peder Zipperlen auf Anfrage. Wieso diese nicht auch die vorgegebenen neuen Standorte genutzt, sondern einen neuen Brutplatz gesucht haben, kann er nicht beantworten. «Früher gab es am benachbarten Bachschulhaus eine Mehlschwalbenkolonie», sagt er. «Daher ist der Standort vielleicht generell attraktiv, auch wegen der Nähe zum Schäflibach als mögliches Jagdgebiet.» Sicher sei: Die Ausrichtung und die Dachneigung der Oberdorfgarage eignen sich für die Nester der Mehlschwalben. Über die nächsten Jahre werde sich zeigen, ob die Vögel den neuen Standort weiterhin zum Brüten nutzen werden, sagt er. Bereits Anfang September seien die Tiere in den Süden gezogen. Mehlschwalben seien grundsätzlich sehr standorttreu.

Mehlschwalben haben ein Anrecht auf absoluten Schutz

«Als wir die neuen Nester entdeckt haben, haben wir die Entwicklung ein paar Tage beobachtet und sind mit den Eigentümern der Garage in Kontakt getreten», sagt Zipperlen. Diese seien sehr tolerant gewesen, allerdings haben die Vögel immer mehr Dreck verursacht. Gemeinsam mit dem kantonalen Dachverband Birdlife habe der NVU mögliche Lösungen gesucht. Das sei gar nicht so einfach gewesen: Gebäudebrüter, zu denen auch die Mehlschwalben gehören, hätten nämlich ein Anrecht auf absoluten Schutz. Will heissen: Wenn sie zu nisten begonnen haben, darf man ihnen die Nester nicht wieder wegnehmen.

«Wir haben schliesslich vom Kanton eine Bewilligung erhalten, einen Teil der Hausfassade abzusperren, damit die Vögel in diese Richtung nicht weiterbauen können», sagt Zipperlen. An einem anderen Teil der Fassade, der für die Garage weniger wichtig sei, habe der NVU dafür acht Kunstnester angebracht. Weil die Vögel bereits mit dem Nestbau begonnen hatten, musste alles schnell gehen: Der Antrag ist beim Kanton zügig durchgekommen. Ende Mai hat der NVU die Nester innerhalb von ein paar Tagen angebracht. Das habe sehr gut geklappt und die Tiere haben zumindest einige davon sofort angenommen, sagt Zipperlen. «Wie viele erfolgreich waren, werden wir erst im Winter sehen, wenn wir die Nester putzen.»

Dass die rund 40 bis 60 Urdorfer Mehlschwalben-Brutpaare nun gleich drei Nistmöglichkeiten rund um den Muulaffeplatz haben, ist nicht selbstverständlich: «Ich bin sehr zufrieden, wie sich die Situation am Muulaffeplatz entwickelt hat», sagt Zipperlen.

«Ich war zuerst skeptisch und dachte schon, dass der Standort mit dem Abriss des Milchhüsli für die Mehlschwalben verloren gehe. Nun haben wir aus einem Brutplatz drei gemacht.»

Diese Bemühungen sind notwendig, weil die Mehlschwalben potenziell gefährdet sind. Das bedeutet, dass sich die Bestände nur dank Schutzmassnahmen nicht verkleinern. «Ohne die Massnahmen, die wir 2019 ergriffen haben, gäbe es heute wahrscheinlich keine Mehlschwalben mehr in Oberurdorf», sagt er. «Das positive Resultat der Oberdorfgarage zeigt, dass sich der Aufwand lohnt.»

0 Kommentare

Aktuelle Nachrichten