Urdorf
Aufwertung im Dorfzentrum: Bauprojekt für Areal Senn soll im Sommer starten

Der private Gestaltungsplan Senn wurde kürzlich vom Kanton genehmigt. Die Abrissbirne kam zum Schutz einer Mehlschwalbenkolonie bereits zum Einsatz.

Sibylle Egloff
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Oberurdorf im Wandel: Auf dem Areal Senn wurden drei Gebäude abgerissen, darunter auch das Milchhüsli, das Mehlschwalben als Hotel nutzten.

Oberurdorf im Wandel: Auf dem Areal Senn wurden drei Gebäude abgerissen, darunter auch das Milchhüsli, das Mehlschwalben als Hotel nutzten.

Sibylle Egloff

Die Bagger fuhren vergangene Woche vor und rissen das ehemalige Milchhüsli und die beiden anderen Gebäude auf dem Areal Senn in Oberurdorf zwischen der Bach- und Birmensdorferstrasse sowie der Anken- und Kirchgasse ab. Die Baubehörde Urdorf erteilte die Abbruchbewilligung noch vor der baurechtlichen Bewilligung. Letztere soll voraussichtlich noch diesen Monat folgen. Geplant sind auf dem 2510 Quadratmeter grossen Gebiet laut Richtprojekt des privaten Gestaltungsplans Senn eine Überbauung mit 15 Eigentums- und Mietwohnungen, Gewerberäumen und einer zweistöckigen Tiefgarage verteilt auf zwei Gebäude.

«Eine Mehlschwalbenkolonie nutzt den Dachvorsprung des Milchhüslis als Hotel. Da die Zugvögel im April aus Afrika zurückkehren, war es wichtig, ihr Heim vorher abzubrechen», erklärt der zuständige Urdorfer Planungs-, Bau- und Umweltvorstand Danilo Follador (CVP) den vorgezogenen Abbruch. Die Schwalben würden neue Hotels in der Nähe erhalten. «Wir haben gemeinsam mit dem Natur- und Vogelschutzverein Urdorf auf dem Areal und bei der Tankstelle neben dem Spar Nester aufgebaut, die sie beziehen können», sagt Follador.

Privater Gestaltungsplan wurde Ende 2018 gutgeheissen

Der private Gestaltungsplan Senn wurde von den Urdorfer Stimmberechtigten im Dezember 2018 an der Gemeindeversammlung gutgeheissen. Er wurde nötig, weil das Projekt von den herkömmlichen Bauvorschriften in Sachen Gebäudehöhe und Ausnutzung abweicht. Das Land befindet sich in der Kernzone, die eine Ausnützungsziffer von 50 Prozent vorsieht. Die Ausnützung der Überbauung beträgt aber 75 Prozent. Zudem weist das Projekt drei Vollgeschosse und ein Dachgeschoss auf. Nach Regelbauweise wären in dieser Zone nur je deren zwei möglich.

Im Gegenzug müssen für die Überbauung sowohl für die Architektur wie auch für die Umgebung erhöhte Anforderungen erfüllt werden. Die Koordination des Aussenraums mit dem kommunalen Hochwasserschutzprojekt des Schäflibachs «Etappe Bachstrasse» ist von zentraler Bedeutung und im Gestaltungsplan in den Vorschriften verankert. Die Gemeinde wird zudem den anliegenden Muulaffeplatz aufwerten und neu gestalten sowie die Bachstrasse sanieren.

Das Projekt der Familie Senn ist mit dem Hochwasser- und Strassenprojekt koordiniert. So könne der Betrieb eines Cafés im Erdgeschoss des Gebäudes, das an den Schäflibach grenzt, ermöglicht werden, sagt Follador. Überdies ist vorgesehen, dass ein Teil des Grundstücks nicht nur den Bewohnern des Areals, sondern auch der Öffentlichkeit mit einem Zugang zum Schäflibach offen steht.

Hochwasserschutz verzögerte den Baustart

Dass seit der Gemeindeversammlung nun über zwei Jahre verstrichen sind, hat mit dem Hochwasserschutzprojekt und der darin integrierten Festlegung des Gewässerraums zu tun. Eigentlich erwartete Bauvorstand Follador damals den Baubeginn im Herbst 2019. «Der Kanton hat sich bei der Festlegung des Gewässerraums viel Zeit gelassen. Zudem musste eine Einsprache gegen dessen Festlegung, die im Rahmen der öffentlichen Auflage einging, behandelt werden. Da das Projekt mit dem privaten Gestaltungsplan Senn verknüpft ist, musste man bis dahin auf die Genehmigung warten», erklärt Follador. Seit dem 26. Februar ist der private Gestaltungsplan Senn nun aber in Kraft und die nächsten Schritte können an die Hand genommen werden.

«Das konkrete Bauprojekt liegt vor und das Baugesuch befindet sich in der Prüfung. Die Baukommission wird es begutachten und stellt dem Gemeinderat noch diesen Monat einen Genehmigungsantrag», so Follador. Er rechnet damit, dass die Bauarbeiten im Sommer beginnen können.

Follador verrät zudem, dass dieses Jahr auch die Arbeiten für die Hochwasserschutzmassnahmen des Schäflibachs und für die Umgestaltung des Muulaffeplatzes beginnen. 2021 steht also im Zeichen eines sich wandelnden Oberurdorfs.