Debatte
Urdorf als Einheitsgemeinde – Fluch oder Segen?

Am Sonntag entscheidet das Stimmvolk, ob es die Initiative zur Bildung einer Einheitsgemeinde für erheblich erklären will. Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner und Schulpräsident Stefan Zehnder über Vor- und Nachteile.

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Einheitsgemeinde – ja oder nein? Am 8. März zeigt sich, ob Urdorf eine neue Gemeindeordnung für die Einheitsgemeinde erarbeiten muss

Einheitsgemeinde – ja oder nein? Am 8. März zeigt sich, ob Urdorf eine neue Gemeindeordnung für die Einheitsgemeinde erarbeiten muss

Florian Niedermann

Pro: Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner ist für die Bildung einer Einheitsgemeinde

Sandra Rottensteiner, Gemeindepräsidentin, ist für die Bildung einer Einheitsgemeinde.

Sandra Rottensteiner, Gemeindepräsidentin, ist für die Bildung einer Einheitsgemeinde.

Jiri Reiner

Der Gemeinderat befürwortet die Bildung einer Einheitsgemeinde aus drei wesentlichen Gründen:

Erstens wird eine ganzheitliche Gemeindeentwicklung ermöglicht: Bisher wurde die Strategie der Gemeinde durch zwei Gremien festgelegt, nämlich Bildungsthemen durch die Schulpflege und die übrigen Bereiche durch den Gemeinderat. Vor allem Raumplanung, Investitionen und Nutzung der Gemeindeinfrastruktur konnten damit kaum abgestimmt werden. Mit der Einheitsgemeinde wird eine einheitliche Gemeindestrategie und Finanzpolitik ermöglicht.

Als zweites Argument muss erwähnt werden, dass der Bereich «Bildung» breiter abgestützt wird. Denn: Die Schulpflege kann sich auf ihre Kernaufgaben fokussieren. Die Schulpflege wird von den Administrativressorts «Finanzen» und «Liegenschaften» entlastet und kann sich dadurch auf den Bereich «Bildung» konzentrieren.

Das Schulpflegepräsidium wird neu Mitglied des Gemeinderates sein. Im pädagogischen Bereich bleibt die Schulpflege selbstständig und kann, wenn notwendig, weiterhin mit Anträgen direkt an die Gemeindeversammlung gelangen.

Drittens können mit der Einheitsgemeinde alle Gemeindethemen von einem Ansprechpartner behandelt werden. Neu würde für alle Gemeindethemen eine zentrale Anlaufstelle zur Verfügung stehen. Die Einheitsgemeinde bewährt sich im Kanton Zürich. Die Zusammenführung der beiden Güter ist aber umsichtig anzugehen.

Kontra: Schulpräsident Stefan Zehnder spricht sich gegen die Bildung einer Einheitsgemeinde aus

Stefan Zehnder, Schulpräsident

Stefan Zehnder, Schulpräsident

Zur Verfügung gestellt

Die Urdorfer Schule ist genügend gross, um selbstständig geleitet zu werden. Bei knapp 200 Angestellten und zirka 950 Schülern braucht es eine Führung, die über Kompetenzen und Ressourcen verfügt. Dass diese Führung direkt dem Volk unterstellt ist, hat Vorteile für beide Seiten.

Mit dem separaten Budget kann der Stimmbürger direkt Einfluss auf die Bildung nehmen. Es ist wichtig, dass sich das Volk mit unserem wichtigsten Gut auseinandersetzt. Die Schule darf nicht zwischen Rechtsschutz und Kultur/Freizeit verkümmern, wie das in der Broschüre des Gemeinderates aufgezeigt wurde.

Die Schulleitungen befürchten zudem einen Qualitätsverlust. Befragungen bei Einheitsgemeinden führten zu Aussagen wie: «Das Budget für den Schulbereich ist vom Wohlwollen des Gemeinderates abhängig» und « Vermindertes Mitspracherecht der Bevölkerung in Schulfragen gefährdet die hohe Qualität der Schule».

Warum muss man etwas ändern, das gut funktioniert? Die Ansprechpersonen für Eltern sind ohnehin die Lehrer und die Schulleitungen. Finanzielles Sparpotenzial ist nicht vorhanden und wird auch von keiner Seite ausgewiesen.

Synergien werden jetzt schon genutzt und können auch ohne Zusammenschluss weiter ausgebaut werden. Die Schule Urdorf ist mit ihren schlanken Strukturen sehr zeitgemäss und im Vergleich zu anderen Schulen im Kanton sparsam.

Ein Gemeinderat (ehemaliger Schulpräsident) einer Nachbargemeinde schrieb mir, ich solle mich unbedingt für die Autonomie der Schule einzusetzen, sonst gebe es einen klaren Qualitäts- und Kompetenzverlust.