Das Komitee «Vorwärts Limmattal» will den Druck für eine neue S-Bahn-Station beim Coop Silbern erhöhen. Gestern hat es Unterschriftenbögen an die Mitglieder des Industrie- und Handelsvereins (IHV) verschickt – versehen mit der Bitte, dass die Chefs bei ihren Arbeitnehmern Unterschriften sammeln. «Die Realisierung ist keineswegs gesichert, stehen doch die Betreiber der Infrastruktur (ZVV und SBB) dem Anliegen ablehnend gegenüber», heisst es im Begleitbrief.

«Bei Vorhaben mit einer so grossen Bedeutung ist eine flankierende Unterstützung ganz wichtig», begründet Komitee-Sprecher und Standortförderer Bruno Hofer die Aktion. 5000 Arbeitsplätze gibt es im Industriequartier.

Dereinst gut 7500 Fahrgäste prophezeit das Komitee, das die S-Bahn-Station als wichtigen Beitrag zur Lösung des Verkehrsproblems in der Region sieht. «Vorwärts Limmattal» verspricht sich von der neuen Haltestelle einen 12 Minuten kürzeren Arbeitsweg von Zürich her. Bislang hielt sich das Interesse allerdings in Grenzen: 220 Unterschriften sind zusammengekommen.

ZVV: «Äusserst komplex»

Kritisch äussert sich der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) zum Projekt. «Erste Untersuchungen haben gezeigt, dass eine Realisierung äusserst komplex wäre», sagt ZVV-Sprecherin Anna Steger. «Es ist ein stark befahrener Korridor.» Man könne dort nicht einfach zwei Perrons hinstellen. Bezüglich Fahrtakt wäre es schwierig, die Haltestelle in das bestehende Angebot einzufügen. Entsprechend seien weitere Abklärungen nötig.

Es dürfte kein Zufall sein, dass das Komitee jetzt versucht, das Projekt auf eine breitere Basis zu stellen. Mittelfristig stehen bedeutende Entscheide an: Im Kantonsrat laufen derzeit die Vorberatungen für die Verabschiedung des neuen Richtplans – im Entwurf ist die S-Bahn-Station vorhanden, seit der Zürcher Regierungsrat diese dort aufgenommen hat. Soweit er gehört habe, sehe es im Kantonsrat gut aus für das Projekt, sagt Dietikons Stadtpräsident Otto Müller, der auch das Komitee präsidiert.

Zu den nächsten Schritten gehört auch eine fahrplantechnische Studie der SBB. Die Stadtplanung sei in Kontakt mit den Bundesbahnen, sagt Müller. «Wir sind daran, uns einig zu werden, welche Fragen zu klären sind.»

Die S-Bahn-Station Silbern sei entscheidend, um eine Verlagerung hin zum öffentlichen Verkehr zu erreichen, sagt Komitee-Sprecher Bruno Hofer. 20 000 Fahrzeuge passieren das Industriegebiet täglich. «Wenn die Mitarbeiter wissen, dass sie beim Coop Silbern einsteigen können, lassen sie das Auto zu Hause», so Hofer. Heute sei dies kaum der Fall. Das Industriegebiet ist nur mit dem Bus erschlossen, der aber je nach Verkehrsaufkommen die Zuganschlüsse am Dietiker Bahnhof nicht garantieren könne.

Heikles Vorgehen?

Im Brief an die IHV-Mitglieder, der von Müller unterzeichnet ist, bittet das Komitee, die Arbeitgeber um Unterschriften von ihren Angestellten. Ist es nicht heikel, wenn Unternehmer ihren Mitarbeitern politische Unterschriftenbögen vorlegen? «Es ist keineswegs so, dass Arbeitgeber eine Unterschrift verlangen», sagt Hofer. «Aber man darf sicher etwas hinlegen, das im Interesse der Mitarbeiter ist.» Es sei nötig, das Vorhaben in der Diskussion zu halten, «weil die entsprechenden Behörden noch kein grünes Licht gegeben haben», sagt Hofer und verspricht weitere Aktionen.