Wie Grabsteine ragen die Betonsockel der einstigen Tische und Bänke der Gartenbeiz aus dem hohen Gras. Von der Fassade des ehemals beliebten Ausflugsrestaurants «Baldern» auf dem Üetliberggrat bröckelt die Farbe ab. Die Fensterläden sind geschlossen und verwittert. Seit 17 Jahren steht das Restaurant an der vielbegangenen Wanderroute zwischen Üetliberg-Kulm und Felsenegg leer. Zu lange, findet der Verein Pro Üetliberg. Er will dem Berggasthaus wieder Leben einhauchen. An der Mitgliederversammlung des Zürcher Heimatschutzes vom vergangenen Samstag lancierten die Naturschützer um die Uitikerin Margrith Gysel eine Petition. «Immer wieder kommen Wanderer auf unseren Verein zu und bekunden den Wunsch, dass der Landgasthof Baldern wieder seine Tore öffnet», sagt Gysel auf Anfrage.

Daher habe man sich entschieden, aktiv zu werden. Die Petition richtet sich einerseits an den Besitzer der Liegenschaft, Charles Roulet, und andererseits an die Zürcher Baudirektion. So geht es Pro Üetliberg nicht nur darum, dass Wanderer wieder in der 1930 eröffneten Gaststätte einkehren können. «Wir wollen auch verhindern, dass die wertvolle Bausubstanz weiter zerfällt. Immerhin handelt es sich um ein Gebäude von grosser bauhistorischer Bedeutung», so Gysel. Erst im Jahr 2012 wurde es ins Inventar der schutzwürdigen Objekte von überkommunaler Bedeutung aufgenommen. Entworfen wurde es vom bekannten Zürcher Architekten Otto Honegger, der etwa auch für den Hauptsitz der ehemaligen Volksbank an der Bahnhofstrasse verantwortlich zeichnete.

Parallelen zur Annaburg

Gysel erinnert sich an das Schicksal eines anderen Gasthofs auf der Albiskette – der Annaburg. Der 1876 erbaute Landgasthof war um die vorletzte Jahrhundertwende ein beliebtes Ausflugsziel. Bevor er Mitte des 20. Jahrhunderts zu einem Hotel und Restaurant ausgebaut wurde, liefen die Geschäfte gut. Doch dann blieben die Besucher weg. Es folgten diverse Besitzerwechsel, bevor die letzte Besitzerin der Liegenschaft, die Stadt Zürich, es schliesslich 1990 abreissen lassen musste. Davor lehnte das Volk einen Kredit für eine sanfte Sanierung des Baus ab, für kurze Zeit war die Annaburg zudem besetzt.

«Dieses Schicksal darf sich beim Baldern nicht wiederholen», so Gysel. Daher fordern die bislang rund 40 Unterzeichner der Petition den Besitzer dazu auf, das Berggasthaus wieder in Stand zu stellen und es möglichst bald wieder als Gaststätte zu nutzen. Die kantonale Baudirektion bitten die Unterzeichner, sich aktiv für diese Vorhaben einzusetzen.
Gysel macht sich aber keine Illusionen und weiss, dass weder der Besitzer noch die Baudirektion zu etwas gezwungen werden können. «Wir wollen mit diesem Schritt das Thema wieder aufs Tapet bringen und Herrn Roulet wie auch dem Kanton zeigen, dass der Landgasthof Baldern den Menschen etwas bedeutet», sagt sie.

Erst kommt der Hühnerstall

Im vergangenen Sommer wurde bekannt, dass auch der Besitzer Roulet bestrebt ist, dem Landgasthof wieder Leben einzuhauchen. Gegenüber «Tele Züri» liess er jedoch verlauten, dass er erst der Hühnerstall – ebenfalls Teil des Guts Mädikon, zu dem neben einem Gutshaus, einem Bauernhof und eine kleine Kapelle auch der Landgasthof Baldern gehört – erst renovieren lassen wolle. Roulet wurde im Gutshof Mädikon geboren und entspringt der Gründerfamilie des Zürcher Traditionshotels Baur au Lac.

Doch sieht Roulet auch einige Hindernisse. So würde die Sanierung des Landgasthofs rund sechs Millionen Franken kosten, sagte er gegenüber dem «Tages Anzeiger». Dass danach jedoch ein gewinnbringendes Geschäft winkt, sei wohl unwahrscheinlich. Zu «Tele Züri» sagte er, dass das Führen einer Bergbeiz ein hartes Geschäft sei. «Auf dem Üetliberg herrscht etwa an jährlich 12 bis 13 Wochenenden reger Betrieb – an den restlichen läuft nicht viel», sagte er damals.

Transportdienst denkbar

Dass der Gasthof rentabel betrieben werden kann, glaubt Gysel hingegen schon. «Nimmt man sich Zeit und erstellt ein Betriebs- und Verkehrskonzept, kann ein Betrieb erfolgreich sein», sagt sie. Denkbar sei etwa, dass man einen Transportdienst für die Besucher organisiere. Gysel hofft, bis zum 31. August – dann endet die Unterschriftensammlung – mehrere Tausend Signaturen zu sammeln, sodass der Vorstoss an Gewicht gewinnt.
Wenn er dereinst den Landgasthof wiedereröffne, dann sehe er dies als sein Hobby, so Roulet. «Ich erwarte zwar keinen grossen Profit, doch sollte der Betrieb zumindest selbsttragend sein.»

Einen kleinen Vorgeschmack, wie es denn sein könnte, wenn man im alten Landgasthof einkehrt, könnte es so oder so bald geben. Denn Roulets Schwiegersohn plant, einen Kiosk vor dem Gebäude zu eröffnen. Zwar sei der Zeitpunkt, wann dieses Vorhaben realisiert werde, noch offen, doch würden diese Pläne weiterhin bestehen, wie Roulet gegenüber der Limmattaler Zeitung sagt.