Unterengstringen
Wann geht der langlebigste Mittefasten-Böögg endlich in Flammen auf?

Bereits zum zweiten Mal hintereinander musste das grosse Unterengstringer Frühlingsfest wegen der Coronapandemie abgesagt werden. Dem Böögg soll es trotzdem noch dieses Jahr an den Kragen gehen.

Florian Schmitz
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Der Böögg von 2020 lebt immer noch. Immerhin zeigt er sich nun der Öffentlichkeit. Seinen Namen DJ Jeje trägt er stolz auf einer Goldplakette vor sich hin.

Der Böögg von 2020 lebt immer noch. Immerhin zeigt er sich nun der Öffentlichkeit. Seinen Namen DJ Jeje trägt er stolz auf einer Goldplakette vor sich hin.

zvg

Jedes Jahr lassen die Unterengstringer Sechstklässler ihrer Kreativität freien Lauf, um gemeinsam einen Böögg zu bauen und zu taufen. Dieser geht jeweils drei Wochen vor Ostern am traditionellen Frühlingsfest Mittefasten auf dem Limmatdamm spektakulär in Flammen auf. Wirklich jedes Jahr? Nein, der nach inoffizieller Zählung bereits 479. Mittefasten-Böögg, den die Schülerinnen und Schüler vergangenes Jahr kreierten, lebt immer noch.

Und auch diesen Frühling wird er noch überstehen: «Das Mittefasten wird schon zum zweiten Mal Opfer der Coronapandemie», schreiben die Mittefastenkommission und der Unterengstringer Gemeinderat in einer gemeinsamen Mitteilung. «Das Fest durchzuführen, wäre gesellschaftlich nicht verantwortbar gewesen», sagt Dieter Meier, der als Obermeister der Mittefastenkommission vorsteht. Seit der Kommissionsgründung im Jahr 1963 wurde das Fest bis 2019 immer durchgeführt.

«Es war eine emotionale Diskussion»

Der Absageentscheid sei alles andere als leicht gefallen, sagt Meier. An der jährlichen Mittefasten-Sitzung im Januar, die dieses Mal per Videokonferenz abgehalten wurde, hätten einige dafür plädiert, die Tradition wenn irgendwie möglich zu wahren und den Anlass mit Schutzkonzept zu planen. «Es war eine emotionale Diskussion», sagt Meier. Aber die klare Mehrheit habe sich nach einer Risikoabschätzung für die Absage ausgesprochen. «Als Obermeister will ich auch für die Tradition einstehen, aber leider wäre die Planung so kaum möglich gewesen», sagt Meier und verweist auf die vielen Fasnachtsanlässe und das Sechseläuten, die für dieses Jahr ebenfalls abgesagt wurden.

Nicht zuletzt wäre der Zeitplan denkbar knapp gewesen: Angesichts des bis Ende Februar andauernden Lockdowns hätte das erste Holzsammeln im Rahmen des Mittefastens bereits in der Folgewoche stattgefunden und bis zum Fest wären nur zwei Wochen Planungszeit geblieben.

Der bisher letzte Böög auf dem Scheiterhaufen: 2019 verliehen die Sechstklässler ihrer Kreation den quirligen Namen DJ Curry Zordavism.

Einen Bruder wird der Böögg 2020, der von den Sechstklässlern den Namen DJ Jeje verliehen bekommen hat, in diesem Jahr nicht erhalten. Der Böögg-Bau wurde dieses Mal bereits kurz nach dem Start im Januar gestoppt, sagt Meier. Zuerst soll der bisher wohl langlebigste Böögg der Geschichte auf dem Scheiterhaufen landen. Mit der Absage des diesjährigen Mittefastens ist er seinem feurigen Schicksal nämlich bereits zum dritten Mal entgangen.

Im Dezember entging er nur knapp dem Feuer

Im Herbst hatte die Mittefastenkommission entschieden, sich mit dem Böögg an der vom Bürgerlichen Gemeindeverein und vom Elternverein durchgeführten Adventsfensteraktion zu beteiligen, verrät Meier. Dann wäre der Böög im Rahmen der Präsentation eines Adventsfensters auf dem Limmatdamm bei der Engstringerbrücke in Flammen aufgegangen. Aber die steigenden Coronazahlen machten dem Plan einen Strich durch die Rechnung.

Nach der kurzfristigen Festabsage im vergangenen Jahr verschwand der Böögg für Erste in der sinnbildlichen Versenkung. Immerhin zeigt sich der scheue Zeitgenosse nun erstmals der Öffentlichkeit. Die Bügelkopfhörer seines Vorgängers von 2019 hat DJ Jeje gegen modische Airpods ausgetauscht. Und wie ein protziger Rapper präsentiert er seinen Namen stolz auf einer grossen Goldplakette.

Dass der Überlebenskünstler auch 2021 unbeschadet übersteht, ist unwahrscheinlich. Sofern es die pandemische Lage erlaube, will die Mittefastenkommission im Sommer auf dem Limmatdamm mit einer symbolischen Zeremonie der Böögg-Verbrennung gerecht werden. Das Ganze werde sicher in kleinerem Rahmen stattfinden, sagt Meier. «Aber wir wollen der Bevölkerung einen kleinen Lichtblick bieten.»

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