Unterengstringen
Mit der Ausstellung «Dorfbilder – gestern und heute» wird das Gemeindehaus zum lebendigen Geschichtsbuch

Die Besucherinnen und Besucher der Kunstausstellung «Dorfbilder – gestern und heute» im Unterengstringer Gemeindehaus können die Entwicklung des Dorfes über die letzten Jahrzehnte mitverfolgen. Das soll auch Inspiration für die Zukunft bieten.

Lydia Lippuner
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An der Kunstausstellung können die Besucher die Entwicklung des Dorfes mitverfolgen

Das Restaurant Eckstein in Unterengstringen zvg

Auf der vergilbten Postkarte sieht man das Haus an der Dorfstrasse 3 in Unterengstringen noch als stolzes Restaurant, das viele Besucher anlockte. Der «Eckstein» ist längst Geschichte. Heute steht an seiner Stelle eine Überbauung. Mit der Kunstausstellung «Dorfbilder – gestern und heute», die vom 10. bis 25. November im Gemeindehaus gezeigt wird und zu der auch die Postkarte gehört, lässt der Organisator Harry Heusser die längst vergangenen Tage Unterengstringens wieder aufleben. «Dass man ein Stück Dorfgeschichte mitverfolgen kann, ist das Highlight der Ausstellung», sagt Heusser, der auch Mitglied der Kommission für kulturelle Aufgaben ist.

Er hat bereits mehr als 15 Ausstellungen im Dorf veranstaltet. Wegen Corona konnte seit 2019 allerdings keine Ausstellung mehr durchgeführt werden. Nun ist es wieder so weit. Zum ersten Mal findet sie im Gemeindehaus statt und nicht mehr im Singsaal des Schulhauses Büel. «Die Schule braucht ihre Räumlichkeiten für den Musikunterricht», sagt Heusser. Deshalb habe sich die Kommission für kulturelle Aufgaben nach einem geeigneten Raum im Dorf umgeschaut. Dabei wurde sie im Gemeindehaus fündig.

Gemeindepräsident Marcel Balmer (SVP) freut sich über den Einzug der Kunstausstellung im Gemeindehaus. «Das Haus wurde erstellt, um die Begegnung mit der Bevölkerung zu fördern. Das soll nun geschehen», sagt Balmer. Das von der renommierten Architektin Tilla Theus erbaute Gebäude wird auf drei Etagen Platz für die Ölbilder, Stiche, Aquarelle und Fotos aus dem Kunstfundus der Gemeinde bieten. Der einzige Wermutstropfen ist, dass man die Ausstellung nur zu Bürozeiten und an Werktagen besuchen kann. Eine Ausnahme bildet die Vernissage am Donnerstag, die um 19 Uhr beginnt.

Viele namhafte Künstler wirkten in Unterengstringen

«Das bunte Dorf» von Johannes Itten wird ebenfalls ausgestellt.

«Das bunte Dorf» von Johannes Itten wird ebenfalls ausgestellt.

Zvg

Heusser ist bereits seit 30 Jahren in Unterengstringen zu Hause. Bei seinen Ausstellungen setzt der Pensionär, der früher als Lehrmittelberater für den Klett-Verlag tätig war, immer wieder neue Themenschwerpunkte. Die diesjährige Ausstellung sei aussergewöhnlich, weil sie nicht, wie in anderen Jahren, lebenden Künstlern aus dem Limmattal eine Bühne biete, sondern Werke von bereits verstorbenen Künstlern zeige, sagt Heusser. Der Organisator konnte dabei aus dem Vollen schöpfen. «Es wohnten erstaunlich viele kreative Kunstschaffende im Limmattal», sagt Heusser. Dabei erwähnt er Johannes Itten, Otto Baumberger und die drei Gubler-Brüder. Von Itten können die Gäste das Werk «Das bunte Dorf» in der Ausstellung bestaunen. Ihm wird ein altes Luftbild der Südeinfahrt ins Dorf von 1960 gegenübergestellt.

Früher war Unterengstringen auch für seine Dahlienschau bekannt.

Früher war Unterengstringen auch für seine Dahlienschau bekannt.

Zvg

Auch die früher weit über die Region hinaus bekannte, von der Gärtnerei Hoffmann durchgeführte Dahlienschau wird in Form eines Plakats an der Ausstellung vertreten sein.

Die Ausstellung sei auch für Kinder interessant, sagt Heusser. «Denn wer denkt heute noch daran, dass früher einmal eine Strassenbahn von Schlieren nach Unterengstringen fuhr.» Damit seien etwa viele Gäste ins Restaurant Eckstein gefahren. Auch der «Sennenbühl» mit seiner grosszügigen Gartenwirtschaft, dem Theatersaal, der langen Rutschbahn sowie den zwei Kegelbahnen war ein bekannter Ausflugsort, der heute nicht mehr existiert.

Ausstellung soll Anstoss für Neues geben

Mit der diesjährigen Unterengstringer Kunstausstellung sollen die Besucher die Geschichte des Dorfes besser verstehen. «Dabei hoffe ich, dass insbesondere Zuzüger die Ausstellung besuchen und etwas Neues über unser Dorf lernen», sagt Heusser. Die Ausstellung könnte auch neue Möglichkeiten aufzeigen. «Es wäre schön, wenn wir künftig wieder einen Treffpunkt im Dorf hätten, wie damals, als noch das Restaurant Eckstein und der ‹Sennenbühl› offen hatten», sagt der Ausstellungsmacher.

Auch für den Gemeindepräsidenten passt der Zeitpunkt der Ausstellung. «Wir arbeiten zurzeit an der Gemeindeentwicklung. Da ist es stimmig, dass man auch zurückschaut», sagt Balmer. Der Blick in die Vergangenheit gebe überdies Musse. Er selbst freue sich insbesondere, an der Ausstellung Orte zu sehen, die ihm noch aus seiner Kindheit vertraut sind.

«Dorfbilder – gestern und heute»: Am Donnerstag, 10. November, um 19.00 Uhr findet die Vernissage der Kunstausstellung statt. Die Ausstellung wird danach noch bis zum 25. November im Unterengstringer Gemeindehaus zu sehen sein.